Das Massaker und die Medien

Der Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten hat tagelang die Medien und die öffentliche Diskussion beherrscht. Mehrere TV-Leser merken dazu an: Mal wird der Name des Täters gar nicht genannt, mal abgekürzt, mal komplett ausgeschrieben. Mal wird er auf Fotos unverschlüsselt gezeigt, mal mit einem schwarzen Balken oder digital gepixelt. Nach welchen Kriterien wird hier verfahren?
Stefan Kalsch aus Trier schreibt, dass er im Internet ein verwackeltes Handy-Video gesehen hat, das die letzten Minuten des Amokläufers zeigt: wie er vor einem Autohaus herumläuft, schießt und schließlich tot am Boden liegt. Der gesunde Menschenverstand und der Respekt gebietet es, solch schreckliche Bilder nicht online zu stellen, meint Herr Kalsch: Es gibt Grenzen – auch im Journalismus!

Liebe Leser,
vielen Dank für Ihre Zuschriften. Bei jedem Bericht über Verbrechen, Mord und Totschlag stellt sich die Frage: Was ist erlaubt, was ist verboten? Dürfen die Namen und Bilder von Tätern und Opfern veröffentlicht werden? Journalisten müssen stets sorgfältig abwägen. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht ist ein hohes Gut, es wird aus Artikel eins (Menschenwürde) und Artikel zwei Absatz eins (Handlungsfreiheit) des Grundgesetzes abgeleitet – auch Schwerkriminelle haben einen Anspruch darauf. Sie dürfen zum Beispiel verlangen, dass alte Geschichten nicht Jahre nach einer Verurteilung noch einmal in die Öffentlichkeit gezerrt werden.
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Ein Eifeler? Nie!

Peter Meier aus Bitburg schreibt zur Berichterstattung über den Prozess wegen Kindesmissbrauchs in Trier: Den Angeklagten als „Eifeler“ zu bezeichnen, stellt für jeden echten Eifeler eine Beleidigung dar. Durch die Tatsache, dass der 1991 aus der Russischen Föderation eingewanderte Mann in einem 350-Seelen-Dorf im Altkreis Prüm wohnt, wird er noch lange nicht zum „Eifeler“. Es ist absolut unwahrscheinlich, dass seine möglicherweise vorhandenen deutschstämmigen Wurzeln ausgerechnet in der Eifel liegen.

Lieber Herr Meier,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Einige Leserinnen und Leser haben sich ähnlich geäußert: Sergej N. – nein, das ist keiner von uns. Ein solcher „Beutel-Russe“, schimpfte ein Anrufer, dürfe keinesfalls als Eifeler bezeichnet werden. Gute Frage also: Wann gilt ein Zugereister als Einheimischer? Manche sagen: nach zwei Weiterlesen

Sorgfältig, seriös, sachlich

Stefan Kresen aus Trier schreibt zum „Fall Zemmer“: Bei der infotainmentartigen Berichterstattung des TV kann man den Teil „info-“ bald bedenkenlos durch „enter-“ ersetzen. Dass dieser Vorfall einen Bericht wert ist, steht außer Frage – doch diese Art befindet sich auf Kaffeekränzchen-Niveau. Hätten Sie diesen Bericht auch so formuliert, lieber Redakteur, wenn es sich um Ihren Sohn gehandelt hätte? Falls ja, dann würde mir das zu denken geben, denn diese Aufmachung schadet Opfer, Täter und deren Angehörigen nur. Des Weiteren folgt der TV nicht nur dem Niveau, sondern auch den Recherchemethoden der „Bild“-Zeitung, indem er die von einem noch nicht Erwachsenen in einer Internet-Community leichtsinnig Weiterlesen