Siehste!

Sie kauern in einer Höhle. Gefangene, angekettet. Ein Feuer flackert. An der Wand tanzen gespenstische Schatten. Sie glauben, es sei das Leben, das sie sehen. Doch es sind Schemen. Abbilder. Nicht die Wirklichkeit.

Mit dem Höhlen-Gleichnis beschreibt Platon vor zweieinhalb Jahrtausenden die Sehnsucht des Menschen nach Erkenntnisgewinn. Und er fragt: Was ist die Welt? Was ist die Wahrheit?

Die Lehre des griechischen Philosophen ist höchst aktuell. Sein Gleichnis gilt als die Mutter aller Matrix-Visionen, und die Höhle des digitalen Zeitalters ist: Social Media.

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Lieber Gott, viel Spaß!

Unter der Überschrift „Antichristen ante Portas“ schreibt Günter Otto Werk aus Vettelschoß im Kreis Neuwied: „Lieber Gott, viel Spaß!“ Da hängt sie vor meinen Augen, die ganzseitige Anzeige. Im hochintellektuellen Dunstkreis des Art Directors Club Deutschland entstanden und bedenkenlos in der FAZ publiziert.

Ich klage an: Mein christliches und religiöses Empfinden und Verständnis wurden auf das Empfindlichste getroffen und beleidigt. Eine mehr als fragwürdige „Kohorte von Antichristen“ besitzt die verdammenswerte und bodenlose Frechheit, dem ALLMÄCHTIGEN „viel Spaß“ zu wünschen!

Lieber Herr Werk,

vielen Dank für Ihren Brief. Ein interessanter Fall, der den Volksfreund nicht unmittelbar berührt, indirekt aber schon. Denn die Gretchenfrage – und alles, was damit zusammenhängt – beschäftigt uns immer wieder.

Faust. Der Tragödie erster Teil. Vers 3415: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“, will die fesche Weiterlesen

Vampire in der Sonne

Bernd Backes aus Gusenburg schreibt: Merkt der TV eigentlich nicht, dass er mit seiner Berichterstattung dem NPDler Safet Babic eine Plattform bietet? Tausende von Menschen in unserer Region leisten jeden Tag gute Arbeit, und niemand schreibt darüber. Was hat dieser Rechtsradikale mit seinen 29 Jahren vorzuweisen? Nichts. Lediglich eine Mitgliedschaft in der NPD, ein Mandat im Stadtrat Trier und ein abgebrochenes Studium.
Dass der TV ständig über diesen albernen Prozess wegen Körperverletzung schreibt, ist ein Witz. Babic verzögert mit seinem juristischen Wissen den Prozess bewusst, und was macht der TV, immer und immer
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Mehr oder weniger

Die Berichterstattung über Bischof Reinhard Marx, der von Trier nach München gewechselt ist, hat viele TV-Leser interessiert. Die Reaktionen reichen von „zu viel“ bis „zu wenig“, von „zu kritisch“ bis zum Vorwurf der „Hofberichterstattung“. Einige Beispiele:

Franziska Meyer-Heck aus Gerolstein schreibt: Der TV bietet dem Laien sehr aufschlussreiches Hintergrundwissen. Ist bekannt, wie die Ernennung von Bischof Marx erfolgte? War es eine Berufung oder hat er sich beworben? Dürfen Sie darüber berichten?

Liebe Frau Meyer-Heck,
spannende Fragen! Anders als bei der Wahl des Bischofs von Trier trifft in München-Freising der Papst allein die Entscheidung. Mein Kollege Rolf Seydewitz, Spezialist für Kirchenthemen, fand heraus: Alle bayerischen Bistümer haben Vorschläge gemacht. Diese Listen gingen an Papst Benedikt XVI., der den Kandidaten auswählte und ernannte. Auszuschließen ist, dass Reinhard Marx sich selbst vorgeschlagen hat. Grundsätzlich gilt: Wenn die katholische Kirche ihre Spitzenämter neu besetzt, bleibt vieles geheimnisumwittert. Wir versuchen, die Hintergründe zu erhellen und so viel Information wie möglich zu liefern – natürlich unzensiert.

Barbara Gemmeke aus Trier beklagt, dass kritische Meinungen zu Bischof Marx auf der Leserbrief-Seite zu prominent platziert worden sind. Sie fragt: Macht der TV sich nicht zum Komplizen von Menschen, die sich in ausgesprochen aggressiver Weise gegen den Bischof äußern? Kann man etwas Gutes erreichen, indem man öffentlich-brieflich Ohrfeigen austeilt?

Liebe Frau Gemmeke,
besten Dank für Ihre Fragen. Leserbriefe sind Meinungsbeiträge. Mal wohlwollend, mal kritisch. Manche Themen bewegen viele Menschen (erkennbar an der hohen Zahl der Zuschriften), andere sind eher speziell. Für die Sortierung auf der Seite spielt es keine Rolle, ob die Beiträge Kritik oder Zustimmung enthalten. Wie in der Auslage eines Schaufensters werden die spannendsten Leserbriefe an der „schönsten“ Stelle präsentiert. Dies ist die Aufgabe der Redaktion. Themen und Tendenzen bestimmen die Leser hingegen selbst.

Anne G. aus Gerolstein kritisiert die „penetrante Hofberichterstattung in Sachen Marx. Es gibt auch noch andere und wichtigere Themen, über zu schreiben sich lohnt.“

Liebe Frau G.,
wir achten streng darauf, dass es nicht zu einer „Hofberichterstattung“ kommt. Das hieße nämlich, nur offizielle Verlautbarungen „vom Hofe“ zu drucken oder lobhudelnde Meldungen, die „dem Hofe“ genehm sind. Genau so aber ist es nicht: Wir bringen Nachrichten, Hintergründe und Kommentare, wenn es journalistisch geboten erscheint, und nicht, wenn der Bischof (oder wer auch immer) das wünscht. Aufgrund des Neuigkeitswertes und des allgemein großen Interesses war das Thema „Marx“ zuletzt oft im Blatt. Das mag „gefühlt“ übermächtig wirken, macht aber nur einen kleinen Teil der Berichterstattung aus. Andere Themen sind nicht zu kurz gekommen.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart