Wotans Witze

Heidi und Dieter Dawid aus Trier schreiben: Zu Allvater Reinharts „schwerer Possenreiterei“. Ode an die Peinlichkeit. Längst habe ich Abstand davon genommen, die Reinhart’schen Verbalinjurien in seinen herausragenden Repliken zu lesen, denn es scheinen mir die oft etwas abgeschmackten „Rechthabereien“ zu ermüdend, zumal sie häufig eines stellvertretenden Chefredakteurs nicht unbedingt angemessen erscheinen, wie ich meine. Oft drängte sich die Forderung auf: si tacuisses, philosophus mansisses.

Anrüchig will mir die allzu oft zu verkrampfte Art seiner Repliken erscheinen, die ja dem Tenor der Zeitung angemessen sein mögen, aber gegenüber den Lesern/Inserenten oft etwas beschämend sind. Weiterlesen

Die Moralkeule

Sie sollten sich umbenennen: Trierischer Volksverdummer. Da kommt eine subtile Hetze von Ihnen, aus Ihrer Zeitung gegen Menschen, die ihren Verstand gebrauchen – widerlich. Bemerkt und reklamiert Ihr in seiner Einseitigkeit dummdreist zu nennendes Gebaren eigentlich niemand? Zu einer Grußformel oder Ausdruck einer Hochachtung sehe ich mich nicht in der Lage.

Ich finde Ihre andauernden rassistischen Titelseiten unmöglich! Unterlassen Sie diese Art von Volksverhetzung!

Was ist daran Volksfreund? Ich kann gar nicht so viel essen wie ich kotzen könnte!

Schämt ihr euch nicht? Genießt ihr es, Öl ins Feuer zu gießen? Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, eure Macht für Besseres als braunen Populismus einzusetzen.

Lügenpresse! Propagandalüge! Fälscher, Lügner, Betrüger!

Mit feindlichen Grüßen.

Und so weiter. Auszüge aus Volksfreund-Beschimpfungen der letzten Tage.

Anlass: die Berichterstattung über die Flüchtlingskrise.

Vorwurf: zu viel, zu wenig, zu links, zu rechts. Sprachrohr der „hilfsbereiten brotschmierenden Willkommen-Rufer“, sagen die einen, Forum für „rassistische Propaganda“ die anderen.

Tonalität: rau, bisweilen bösartig, hasserfüllt.

Was ist da los!? Die Flüchtlingskatastrophe ist ein Jahrhundertthema. Eine aufwühlende Tragödie (Ende offen), die in dieser Zeitung ausführlich beschrieben, analysiert, erklärt, kommentiert wird. Das macht traurig, das schmerzt, das ist manchmal kaum auszuhalten.

Wie ist die Krise zu bewältigen? Politik und Gesellschaft ringen um Lösungen. Versuch und Irrtum. Chancen und Risiken. Zweifel und Misstrauen. Ängste. Und Meinungen. Meinungen, nicht immer politisch korrekt, die wir zulassen und einordnen. Die meisten Leser schätzen das. Einige nicht.

Medienkritik ist wichtig. Externe Kritik, interne Kritik. Niemand kritisiert die Arbeit der Redaktion strenger als: die Redaktion. Um Kritik geht es in den zitierten Zuschriften allerdings nicht. Sondern um Denkverbote. Um Gesinnungsterror. Um Moral. Wer diese Moral nicht teilt, den trifft die Keule.

Freiheit der Meinung? Toleranz? Diskurs? Nein. Extreme Positionen. Es gibt die, die sich für die Guten halten, und es gibt die anderen, die Bösen. Die sich für die Guten halten, sagen, was richtig ist und was falsch, die anderen haben zu schweigen. Es ist denen, die sich für die Guten halten, ein Leichtes zu beweisen, dass diese Zeitung rechtspopulistisch ist. Oder linkspopulistisch. Je nachdem, wo sie sich selbst verorten. Es kommt vor, dass ein und derselbe Artikel von den rechten Guten als links und von den linken Guten als rechts interpretiert wird. Ein Wort genügt. Und wehe, das Weltbild derer, die sich für die Guten halten, gerät ins Wanken. Dann packen sie die Keule aus.

Ach, die Moral. Kants kategorischer Imperativ. Adornos Diktum, nach Auschwitz Gedichte zu schreiben, sei barbarisch. All die Gewissensfragen.

Darf man über Hitler lachen?

Ist es in Ordnung, genüsslich zu Abend zu essen, während im Fernsehen Nachrichten über Hunger und Not laufen?

Darf die Zeitung angesichts des Flüchtlingselends übers Wetter berichten, und das auch noch auf Seite eins?

Ist es erlaubt, Feste zu feiern, während anderswo auf der Welt ein Krieg tobt?

Gewissensfragen. Keiner kennt die eine, endgültige Wahrheit. Ja, aber … Nein, aber …

Das Erregepotenzial ist groß. Im Lokalteil hat der Volksfreund die Weinkönigin von Bernkastel-Andel porträtiert. Eine junge Frau, geboren in Indien. Aufschrei! Leser Sebastian K. empört sich auf Facebook: Wisst ihr, wann Integration gelungen sein wird? Wenn Menschen anderer Herkunft nicht zu etwas so Besonderem stilisiert werden, dass man extra Artikel über sie verfasst und auf den Wagen hinweist, in dem das „Objekt“ dann zu sehen sein wird. Tja … was dann wohl beim Umzug beim Kontakt mit dem unbekannten Wesen passieren mag? Erwartet ihr dann etwa Kommentare wie: Die kann ja Deutsch! Dürfen die auch Wein trinken? Die scheint ja ganz „normal“ wie ein „normaler“ Mensch! Irgendwie verstehe ich den Sinn solcher Artikel nicht. Ali hat auch eine Gastronomie, Juiseppe ist in der Bank, Murat schafft als Briefträger, Iwan bei der Stadt als Beamter, Aische ist Polizistin … keine Sau findet das heutzutage etwas Besonderes. In Bernkastel ist eine Weinkönigin gebürtig aus Indien, und der Volksfreund macht ein Bohei draus, als ob sie ein Alien wäre, welchen man besonders im Blick haben muss. (Wagennummer 46 nicht vergessen, liebe Schaulustige. Bitte werfen sie ihr keine Lebensmittel zu. Sie kann sich schon selbst ernähren.)

Okay. Meinung. Darf man in dieser Zeitung äußern. Darf man, das gehört zur Freiheit der Andersdenkenden, aber auch ignorieren. Was ich hiermit tue.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Morgens halb zehn in Deutschland

Ein Wort zum Unwort: „Lügenpresse“ tönt es neuerdings in der einen oder anderen Zuschrift an den Volksfreund. Nein, keine Namen, keine Tiraden im O-Ton. Nur eine Gegenrede.

Lieber Herr P., lieber Herr E., lieber Herr G., … (merkwürdig, ausschließlich Männer ereifern sich über die Lügenpresse),

lesen Sie jetzt nicht weiter. Sie wissen eh, dass alles gelogen ist, was in der Zeitung steht. In dieser, in jeder. Alles manipuliert, alles gleichgeschaltet, behaupten Sie. Mainstream-Medien. Systempresse. Lügenpresse. Gesteuert von den Strippenziehern in der Politik und in der Finanzwelt.

Pssst! Ich verrate ein Geheimnis. Es stimmt!!! Jeden Morgen um halb zehn kommt die Weiterlesen