Die Sache mit der Maus

Mal unter uns, liebe Leserin, lieber Leser: Sie erwarten, dass wir wahrhaftig berichten; Sie erwarten, dass wir aufrichtig berichten; Sie erwarten, dass wir ehrlich berichten. Ich sage: Jawoll, das versuchen wir, das tun wir nach bestem Wissen und Gewissen. Klar: Irren ist menschlich, Fehler passieren, aber alles in allem attestiere ich der Redaktion des Volksfreunds: das passt, das läuft.

Gestatten Sie, dass ich heute einen klitzekleinen Wunsch an Sie richte, Leserbriefe betreffend. Bitte schreiben und bleiben Sie so wahrhaftig, aufrichtig und ehrlich, wie Sie das von uns Journalisten – zu Recht – einfordern.

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Abgelehnt. Abgelehnt. Abgelehnt.

Ja, es ist fürchterlich, was in Köln passiert ist. Ja, das muss aufgeklärt werden. Ja, die Medien machen Fehler, die Politiker, die Polizei. Der Aufschrei ist verständlich, die Verunsicherung groß. Plötzlich scheint hinter jeder Ecke ein fieser Krimineller zu lauern.

All das prangern Sie, verehrte Leser, in Ihren Zuschriften an. Wir veröffentlichen das, selbstverständlich, und wir gehen bis an die Schmerzgrenze (manchmal darüber hinaus).

Was wir nicht veröffentlichen: menschenverachtende Hasstiraden von Spackos und Honks, die aus der Erregungsmaschine Internet purzeln. Oder Pamphlete, in denen wüst gegen „die Fremden“ gehetzt wird.

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Eigentlich

Eigentlich fange ich Texte nicht mit eigentlich an. Eigentlich ist ein Füllwort. Überflüssig.

Eigentlich will ich etwas anderes schreiben. Ich komme nur nicht dazu, nicht einmal uneigentlich. Weil ich auf etwas eingehen muss (aus gegebenem Anlass), das eigentlich oft genug besprochen worden ist. Also:

Verehrte Parteifunktionäre,

in Rheinland-Pfalz ist Wahlkampf, und ich weiß, wie groß die Verlockung ist, die Meinungsspalten der Zeitung als Vehikel für politische Kampagnen und Schleichwerbung in eigener Sache zu nutzen. Wenn Sie, sagen wir mal, Kreisvorsitzender oder Schriftführer der Alternative für Deutschland sind, erwarten Sie bitte nicht, dass wir Zuschriften abdrucken, in denen Sie in leuchtenden Farben ausmalen, wie großartig die AfD ist. Es gilt, für Amts- und Mandatsträger aller Parteien:

Keine! Propaganda! In! Leserbriefen!

Diese Ansage ist alternativlos, und eigentlich ist ihr nichts hinzuzufügen. Ich könnte mich jetzt dem Eigentlichen widmen. Zum Beispiel Heidegger und seinen Kategorien von Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit.  Oder Adorno, dem Erfinder des Jargons der Eigentlichkeit. Aber die Kolumne, die eigentlich zwei Spalten hat [Anmerkung: in der gedruckten Ur-Form], ist diesmal kürzer. Und eigentlich schon: zu Ende.

Schöne Grüße, eigentlich

Peter Reinhart

Warum H.M. nervt

Hans-Jürgen Berg aus Trier hat Post bekommen. Anonym. Der Text: Leserbrief im TV: Besserwisser wie Sie haben wir unzählige! So einen Scheiß auch noch in die Zeitung zu bringen – Unglaublich. H.M.

Hans-Jürgen Berg aus Trier hat Post bekommen. Anonym. Der Text: Leserbrief im TV: Soviel Dummheit u. Stuß in die Zeitung zu bringen – Unglaublich. Sie fühlen sich so glewer das es zum Himmel stinkt! H.M.

Lieber Herr Berg,

lieber Herr Berg,

es tut mir leid, dass Sie belästigt worden sind. Wegen eines Leserbriefs. Sie, Herr Berg, haben ihn geschrieben. Sie, Herr Berg, haben nichts damit zu tun. Sie heißen bloß genauso.

Ein Flegel, der mit H.M. signiert und offenkundig an Rechtschreibschwäche leidet, hat Ihre Adressen wohl im Telefonbuch gefunden und – weil er (oder sie?) nicht wusste, wer der Autor des Leserbriefs ist – seine Pamphlete an Sie beide geschickt. Gegen anonyme Weiterlesen

Hoppla!

Die einen beklagen, dass rechtspopulistische Leserbriefe veröffentlicht werden. Die anderen beklagen, dass linkspopulistische Leserbriefe veröffentlicht werden. Die einen fordern, rechtspopulistische Meinungen zu zensieren. Die anderen fordern, linkspopulistische Meinungen zu zensieren. Bloß die jeweils eigenen nicht …

Liebe Leute,

wir sind unter uns, deshalb verrate ich ein Geheimnis: Wir tun das längst, und wenn Sie Weiterlesen

Off de Schnüss

Alles hängt mit allem zusammen. Ein Überblick (wirklich nur eine klitzekleine Auswahl!) über merkwürdige Zuschriften der jüngsten Zeit:

Karl-Friedrich L. aus Berlin schickt eine Karte mit dem Aufkleber der Nessie-Partei und einem Foto, auf dem Exkremente abgebildet sind. Einzige Anmerkung: Scheiß-Preise.

Anonym: Allein der Name Ihres Blattes ist schon ein Witz! Diese ganze linksideologische Hofberichterstattung für die Altparteien und das Niederschreiben und Niederschreien jeglicher Opposition politisch Andersdenkender erinnert stark an die Springer-Presse der 60er Jahre, nur waren es da die linken Studenten, die von einer konservativen Presse medial gesteinigt wurden, heute ist es nach dem linken Marsch durch die Institutionen genau umgekehrt! Der Volksfreund ist antidemokratisch, menschenverachtend, zynisch. Lügenpresse! Und so wie ich denken viele, die für ihre Grundrechte einstehen!

Herr M. aus der Eifel schreibt: Als Bürger des Landes Rheinland-Pfalz möchte ich Sie über einen Justiz- und Polizeiskandal mit Schwerpunkten in der Stadt Trier informieren. Auslöser des Skandals ist der Getränkekonzern ***. Verantwortlich für den Terror sind die Weisungen aus der SPD-geführten Regierung. […]  Da die SPD-nahen Print-Medien den Justiz- und Polizeiskandal nicht öffentlich machen […] Bestechlichkeit bei Justiz, Anwaltschaften und Staatsanwaltschaft […] Korruption […] organisierte Kriminalität in der Stadt Trier […] schwarze Kassen des Getränkekonzerns […] lange Tradition und offenes Geheimnis […] Hintergründe und Tätergruppen, die für die Beseitigung der Zeugin Tanja Gräff verantwortlich sind, werden von der Staatsanwaltschaft geheimgehalten […] tödlicher Mix aus Korruption und Bestechlichkeit […] verbrecherisches Syndikat aus Politik, Justiz, Polizei […] Top-Justizterroristen […] Erpressungen, bandenmäßige Prozessbetrügereien […] Justizmafia […]

Anonym: Du blöder Hund!

Herr L. aus dem Hochwald meint: Bussi, bussi! Ein Pazifist liebt seine Nächsten. Ich liebe mich. Schon lange. Nehmen Sie mich bitte ernst. Und bringen Sie der Gewaltlosigkeit zuliebe meinen Leserbrief. [Der geht so:]  Einer schlägt dem anderen off de Schnüss. Egal warum und wieso. Dat tut weh. Dann schlächt dä anneren dem einen och ein off de Schnüss. Auaaah. Dat hat awer weh gedan. Na warte. Dan schlächt dä einen dem anneren nochemal ein off de Schnüss. Dat sieht en dritten. Dä zeicht sogenannt zievielcorage odda so. Geht hinn unn schlächt beiden ein off de Schnüss. Die blude schon. Ahhhhh. Dat hatt awwer weh gedan. Na waaat. Dann schlan die zwei bludenden dem drittten off de Schnüss. Weil se määnen dat Gewaltmonopol zu hann. Jetzt bluut dän och schon. […]  Und wenn sie (noch) nicht gestorben sind, bringen sie sich alle mit aller Gewalt (vorher) um. Dat nennt mä dann: nicht eines natürlichen doodes jestorwen. Sondann durch wat? Ewen. Nur dem Herrjott 8säin Suuun hot et richtig gemaach. Dä hot zum Petrus gesoot: Dou doou dein Schwert weg. Wat haust dau domm Schoof dem Soldat ello säin scheen Ohr ab? Dau Gewalttäter. […]  Hai lääs weider, dau gewaltbefirwortenden Dölpen. Wat wellt ihr törichten Dumfbacken dann?

Frau *** (schreibt öfters): Sind Sie eigentlich so blöd, dass Sie nicht merken, dass Ihr hinterfotziges Gehabe meinen Zorn erst recht anstachelt? Dass ich immer wütender werde, weil Sie auf nichts reagieren? […] Sind Sie das, der meinen Computer unter seiner Kontrolle hat? […] Ich schließe nicht aus, dass der kirchliche Geheimdienst seine Finger im Spiel hat. Ich werde observiert. […] Ich gebe mein Menschenmöglichstes, und Sie drucken gar nichts davon.

Anonym: Was Sie da über *** schreiben, ist ein Witz. Von wegen Charmeur, fragen Sie ihn mal, was er mit seiner ersten Frau gemacht hat! Wie viel hat *** Ihnen für diesen Bericht gezahlt? Das ist die Lügenpresse!

Herr W.: Würde ja einen Leserbrief schreiben, aber das raffen die Leute eh nicht. Die denken nur ans Ficken, Saufen und an Fußball. Ihr Vollpfosten, ihr unfähigen Dellitanten [Original-Schreibweise] habt ja nicht die geringste Ahnung!

Eine Dame: Ihre politische Linie ist einseitig, engstirnig, bourgeois-provinziell und volksverdummend, wie die von sehr vielen anderen Blättern auch. Es wird zunehmend schwierig, andere Meinungen als die offiziell vorgegebenen zu finden. Sie stehen nur noch unter der Rubrik Leserbriefe.

Liebe Leserinnen und Leser, Aktionskünstler, Verschwörungstheoretiker aller Länder,

besten Dank, dass Sie uns ohne Unterlass mit den neuesten Neuigkeiten und wahrsten Wahrheiten versorgen. Schade bloß, dass wir nicht alles veröffentlichen können. Sehr schade.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Schwarze Löcher

Annette Müller aus Konz schreibt: Lieber Peter Reinhart, danke für Ihren Beitrag „Das Puzzle“ über die Kunst der Veröffentlichung von Leserbriefen. Ich schreibe selbst sehr gern und lese noch lieber andere Leserbriefe.

Briefe mit Wut oder Humor geschrieben – ich mag es selbst, zu provozieren und aufzurütteln für Denkanstöße in unserer Welt der weitverbreiteten Lethargie.

Ich muss zugeben, dass ich mir wünschen würde – wie von Ihnen angesprochen –, dass ein Leserbrief genau auf den Punkt zeitlich passend kommt. Meist ist der „Pepp“ nämlich schon weg, wenn er erst ein oder zwei Wochen nach dem Thema erscheint …

Wie wäre es denn, wenn Sie an mehreren Tagen Leserbriefe veröffentlichen, damit Ihr besagtes „Raum-Zeit-Kontinuum“ vom Samstag nicht gesprengt werden muss? Natürlich sollte nicht einfach alles veröffentlicht werden, aber es ist doch ein gutes Zeichen der Identifizierung Ihrer Leser mit dem TV, dass so viel Bedarf besteht. Oder Sie schreiben Ihre Kommentare einfach auf die nächste Seite, dann haben wir Leser mehr Raum zu schreiben, denn Ihre Darstellungen sind oft sehr lang, auch wenn sie immer amüsant sind …

Liebe Frau Müller,

bitte sorgen Sie sich nicht: Diese Kolumne ist jenseits von Raum und Zeit. Kein Leser kommt deswegen zu kurz. Würde ich jetzt aufhören zu schrei…

Schwarzes Loch

…ben, bliebe ein Schwarzes Loch im Zeitungsuniversum, das alle Materie verschlingt und den Geist gleich mit. Im Bild: die Baby-Ausführung, gibt’s auch viel größer. Gefährlich, so was. Wollen wir doch nicht, oder?

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Das Puzzle

Herr R. fragt: Warum dauert es so lange, bis mein Leserbrief veröffentlicht wird? Herr B., Herr C. und Herr H. fragen: Warum ist mein Leserbrief gekürzt worden? Herr E. fragt: Warum wird mein Leserbrief nicht abgedruckt?

Liebe Leser,

ich verstehe sehr gut, dass Sie enttäuscht sind, wenn Ihre Zuschriften gekürzt oder nicht sofort oder gar nicht veröffentlicht werden. Und ich weiß, dass Ihnen jedes Wort, das Sie geschrieben haben, wichtig ist.

Leider sind wir oft gezwungen, Sätze oder ganze Passagen abzuzwacken, damit möglichst viele Leserbriefe abgedruckt werden können. Egal, was wir unternehmen: Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, alle(s) ins Blatt hineinzupacken.

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Keine Alternative, nirgends

Zum Interview „Wir stehen vor einer neuen Bedrohungslage“ und zum Artikel „Die verbreitete Angst vor den Neuen“ (TV vom 24. November) schreibt …

Erwin Zunker aus Auw an der Kyll: Als langjähriger Abonnent des TV hätte ich mir eine neutrale Berichterstattung bezüglich der AfD gewünscht. Von einem angeblich nicht politikgesteuerten Journalismus erwarte ich jedoch, dass der Veröffentlichung eines Artikels eine anständige Recherche vorausgeht. Weiterlesen

Versuch und Irrtum reloaded

Wilfried Schnatmeyer, Schatzmeister der Deutschen Gesellschaft für Baukybernetik aus Graach an der Mosel, meint:

Sehr geehrter Herr Reinhart,

Ihre Antwort bei „Versuch und Irrtum“ im Leserforum macht mich stutzig. Sie wollen also dem Leser Ihrer Zeitung vorschreiben, wie er Ungereimtheiten im TV zu verstehen hat! Bilder sind zwar ganz schön, sie erinnern mich aber an eine große Groschen-Zeitung. Es ist auch anzumerken, wenn Sie Text aus der Rhein-Zeitung übernehmen, den ganzen Text zu übernehmen und nicht Absätze wegzulassen, weil wegen der Bildchen kein Platz mehr ist!

Weiter muss ich bemängeln, dass kritische Leserbriefe, die Ihnen nicht gefallen, nicht gebracht werden. Anstatt die Reklamationen zu akzeptieren, müssen Sie Ihren Leser Walter Ferner auch noch kritisieren und ihn als flüchtigen Leser hinstellen. Glauben Sie, Herr Reinhart, Sie hätten damit was Gutes getan?

Lieber Herr Schnatmeyer,

vielen Dank. Als ich Ihre Zuschrift las, dachte ich spontan, dass mein Versuch über „Versuch und Irrtum“ ein Irrtum war. Der Irrtum, dass es möglich sei, anhand einfacher Beispiele zu erklären, dass jeder Versuch, das Beste aus einer Geschichte Weiterlesen