Der Stoff, aus dem die Träume sind

Im Supermarkt, zwischen Wursttheke und Käsetheke, klopft mir ein älterer Herr auf die Schulter und sagt: Sie kennen mich nicht, aber ich kenne Sie. – Ich: Schön, Sie zu treffen. – Er: Ich kenne Sie aus  der Zeitung, das Foto, die Kolumne. – Ich: Ja, ich bin’s. – Er: Was ich schon immer mal fragen wollte: In der Welt ist unheimlich viel los, ihr Zeitungsleute braucht doch bloß abzuwarten, was geschieht, und der Rest erledigt sich von alleine, oder? – Ich: Na ja, ganz so einfach ist es nicht …

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Wenn das kleine Schweinchen oinkt

Helmut Graf aus Wellen schreibt zur Berichterstattung über die RTL-Show „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“: Mit „Freude“ habe ich im TV die neuesten Wasserstandsmeldungen über die ach so armen sogenannten Stars gesehen (nicht gelesen). Wer über diesen Schwachsinn auf dem Laufenden bleiben will, soll sich das von mir aus im Fernsehen anschauen. Aber ist sich der TV nicht zu schade, um im Kulturteil dafür „Werbung“ zu machen? Ich denke, es gibt wichtigere und interessantere Themen, über die sich zu berichten lohnt.
Lieber Herr Graf,
vielen Dank für Ihre Mail. So zuverlässig wie die Ausstrahlung des Dschungel-Camps im Privatsender RTL ist die Empörung darüber, alle Jahre wieder.
Die Urwald-Gaudi: ein trauriger Tiefpunkt der Fernseh-Geschichte, zynisch, menschenverachtend, saudoof, Weiterlesen

Alles – außer Langeweile

Bernhard Gies aus Trier meint: Lieber TV, hier schicke ich Ihnen einige Gedanken nach der Lektüre Ihres Artikels „Gemüthsergetzung“ vom 11. Juli.
Während ich aufmerksam den TV lese, strebe ich innerlich sozusagen dem willkommenen Endziel entgegen: der Kultur-Seite, die man andernorts das Feuilleton nennt, und ich bin geradezu glücklich, wenn ich dort einen fundierten Beitrag finde wie zum Beispiel Ihre ausgezeichnete Kritik über das Konzert mit Bachs Goldberg-Variationen, dargeboten durch Josef Still auf dem Cembalo in der Welschnonnenkirche. Gratulation an Ihren Kritiker: Dieses Lehrstück der Kontrapunktik mit seinen vertrackten Fingersätzen fordert dem Cembalisten wie dem Zuhörer konzentriertes Durchhaltevermögen ab, und wenn es der Kritik gelingt, die enorme Leistung des Cembalisten sachgerecht darzustellen, ohne die wenigen Momente eines gelegentlich zu ahnenden Stolperns überhört zu haben, dies aber so zu formulieren, dass Sympathie und Achtung für den Künstler absolut die Oberhand behalten, dann nenne ich das eine Sternstunde guter Konzertkritik. Der TV ist seiner Aufgabe in hervorragender Art und Weise nachgekommen.
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Auf einer Glatze Locken drehen

Egon Kappes aus Zeltingen-Rachtig schreibt zur Ausgabe vom 16. Januar: Die „Kultur“ sollte heute besser den Titel „deutsche Unkultur“ tragen. Wollten Sie mit dieser Seite, die ich sonst sehr schätze, provozieren und Auswüchse deutscher Unkultur hoffähig machen? Es ist schon schlimm genug, dass das chaotische RTL-Camp immer noch seine Quoten bringt. Warum helfen Sie dabei mit?

Aber auch die Fällung der Buche in Dresden ist ja mal wieder typisch. Da wird ein Jahrhundert-Baum bei der Weiterlesen