Schön geschachtelt

Leser Franz K. ärgert sich über Grammatikfehler: Ein Satz besteht doch aus Subjekt, Prädikat und Objekt, oder?! Das habe ich jedenfalls in der Schule gelernt. Warum lese ich in der Zeitung ständig verstümmelte Sätze? Finden Sie das etwa gut?

Lieber Herr K.,

es gibt keine Sprachpolizei, die über den korrekten Satzbau wacht. Wäre auch sinnlos, denn: Jeder kann schreiben oder sprechen, wie er will. Lange Sätze, kurze Sätze, vollständige Sätze, unvollständige Sätze – erlaubt ist, was gefällt. Und entscheidend ist, was ankommt.

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Oft fällt das Denken schwer …

Journalisten-Lehrbuch, erste Lektion: Mit einem Erdbeben anfangen! Und dann langsam steigern! Gute Schreiberlinge machen das so, genau wie gute Regisseure in Hollywood, sie legen mit Kawumm los.

Und wie weiter? … als plötzlich der größte Teil der Stadt, mit einem Gekrache, als ob das Firmament einstürzte, versank, und alles, was Leben atmete, unter seinen Trümmern begrub … halt, Heinrich von Kleist, tolle Novelle: Das Erdbeben in Chili.

Hmm, diese Kolumne will sich einfach nicht entwickeln, eine kurze Erschütterung, das war’s. Oder kommt da noch etwas?

Ich könnte grübeln, was Kleist meinte, als er über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden philosophierte. Würde ratzfatz die Zeilen füllen. Ist mir aber zu anstrengend. Und wieso Kleist? Ich wechsle mal zu Wilhelm Busch: Oft ist das Denken schwer, indes, / das Schreiben geht auch ohne es.

Na also. Noch ein paar Sätze, und es ist vollbracht. Man kann nicht nicht kommunizieren. Unmöglich. Selbst wenn ich nichts liefern würde als unbedrucktes Papier – es wäre eine Botschaft. Ich sende, Sie empfangen.

Noch Fragen? Beantworte ich nach meinem Urlaub, Ende August. Schöne Zeit!

P.S.: Schalten Sie den Seismographen ab. Es ist vorbei.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart