Warum das Christkind ein Mädchen ist

Adolf Bales aus Oberweis schreibt: Offensichtlich werden nur die schönsten Mädchen zum Christkind gekürt. Wenn ich im Religionsunterricht richtig gehört habe, war Jesus von Kopf bis Fuß ein Mann. Wenn er aber ein Mann war, dann war er in der Krippe, also als Christkind ein Knabe. Das Christkind war demgemäß kein Mädchen. Ebenso ist es doch mit den Engeln! Da gab es den Erzengel Michael, den Erzengel Gabriel und viele andere, waren das etwa Frauen?

Meine Frage: Warum können nur hübsche, junge Mädchen das Christkind symbolisieren? Haben Knaben nicht das Zeug und die Anmut, um das Christkind darzustellen?

Ich freue mich zwar, dass es ist, wie es ist, möchte auch, dass es so bleibt, wie es ist! Wissen möchte ich trotzdem, warum es so ist.

Lieber Herr Bales,

vielen Dank für Ihren Brief. Ich habe einige Informationen gefunden, die Ihre Frage hoffentlich beantworten. Zusammengefasst: Das Christkind ist nicht mit Jesus gleichzusetzen. Und dass es meist als Mädchen daherkommt, hat offenbar mit historisch gewachsenem Brauchtum zu tun.

Ingeborg Weber-Kellermann schreibt in ihrem Buch „Das Weihnachtsfest. Eine Kultur- und Sozialgeschichte der Weihnachtszeit; erschienen 1987,  auf Seite 98: „Das gabenbringende Christkind ist keineswegs identisch mit dem neugeborenen Erlöserkind in der Wiege.“ Und im Weiteren: „Das Christkind […] scheint jenen vielfältigen Umzugsbräuchen zu entstammen, in denen außer Maria und Joseph mit dem Jesuskind als Herolde und Begleiter engelhafte Gestalten mitgingen, weißgewandete Mädchen mit offenem Haar, deren Anführerin das häufig verschleierte ‚Christkind‘ war.“

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