Von Freunden empfohlen

Im Internet steht’s, hundertfach, tausendfach verlinkt und geteilt. Stimmt also. Muss stimmen. Brisante Infos. Im Volksfreund kein Wort davon. Ignoranz? Zensur? Systempresse? Wie oft hören wir solche Beweisführung.

Etwa bei diesem Fundstück: Eine angebliche Dienstanweisung mit Sonderregeln für straffällige Ausländer taucht im Netz auf. Verfasser laut Briefkopf und Unterschrift: Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen. Der Text: eine Anweisung an „den Polizeipräsidenten für Köln und Leverkusen“, „geplante oder begangene Verbrechen […] von Flüchtlingen, Weiterlesen

Big-Bang-Theorie

Was ist eigentlich mit der Flüchtlingskrise, fragt Herr H. aus Trier. Lange nichts gehört, lange nichts gelesen.

Lieber Herr H.,

es ist, auf den ersten Blick, eigenartig. Flüchtlingskrise? War da mal was? Über Monate hat die Redaktion dieser Zeitung täglich berichtet, über Monate haben sich täglich „besorgte Bürger“ gemeldet, die in Mails und Briefen ihre Befürchtungen kundtaten, die öfters schimpften, bisweilen wüteten. Gegen die unfähigen Politiker. Gegen die Lügenpresse. Untergang des Abendlandes. All das. Und nun?

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Ein Fall ist ein Fall ist ein Fall

Zur Debatte um „Lügenpresse“, „Maulkorb“ und „Vertuschen“ meint Uwe Postma aus Trier: Der Volksfreund schreibt über neue Dimensionen der Gewalt in der Kölner Silvesternacht. Wieso neu? Die Vorfälle schockieren die Republik. Zu Recht. Wie müssen sich Frauen fühlen, wenn sie von Horden von Männern eingeschlossen, verhöhnt und begrapscht werden? Abgesehen von der unvorstellbaren Erniedrigung und der Angst, wozu diese Männer noch imstande sind. Weiterlesen

Keine Panik, Leute

Peter Fuchs schreibt: Man bekommt fast das Gefühl, dass gerade ein weltumspannender Krieg tobt. Krisenherde hier, Völkermorde dort, Massaker hüben und Gräueltaten drüben bestimmen das Alltagsgeschehen. Abertausende verlassen ihre Heimat und suchen ihr Heil in der Flucht. Viele verlieren ihr Leben. Andere erreichen erst nach wochenlangen Strapazen das angestrebte Ziel. Nicht überall sind sie willkommen.

Diese Völkerwanderung hinterlässt ihre Spuren. Öfters stellt sich heraus, dass nicht alle Schutzsuchenden wirklich nur Schutz suchen. Manche sind kriminell und verbreiten Angst und Schrecken. Innerhalb der Europäischen Union herrscht Uneinigkeit. Das „Imperium“ bröckelt. 1989 wurde der Mauerfall gefeiert. Heute versucht man, Menschenströme mit Zäunen zu stoppen. Natürlich ist es schwierig, das goldene Mittelmaß zu finden. Weil man nicht absehen kann, wann diese weltumspannende Misere ein Ende hat. Bleibt nur zu hoffen, dass die Spirale der Gewalt sobald als möglich menschlicher Vernunft weicht. Weiterlesen

Abgelehnt. Abgelehnt. Abgelehnt.

Ja, es ist fürchterlich, was in Köln passiert ist. Ja, das muss aufgeklärt werden. Ja, die Medien machen Fehler, die Politiker, die Polizei. Der Aufschrei ist verständlich, die Verunsicherung groß. Plötzlich scheint hinter jeder Ecke ein fieser Krimineller zu lauern.

All das prangern Sie, verehrte Leser, in Ihren Zuschriften an. Wir veröffentlichen das, selbstverständlich, und wir gehen bis an die Schmerzgrenze (manchmal darüber hinaus).

Was wir nicht veröffentlichen: menschenverachtende Hasstiraden von Spackos und Honks, die aus der Erregungsmaschine Internet purzeln. Oder Pamphlete, in denen wüst gegen „die Fremden“ gehetzt wird.

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Ganz schön stark

Es kriselt, wohin man schaut. Flüchtlings-Krise, Syrien-Krise, Volkswagen-Krise …

Krise = Zuspitzung, Wendepunkt, entscheidende Phase.

Es kriselt, und die Krisenmanager sagen, dass sie es wuppen werden. Flüchtlinge? Wir schaffen das. Syrien? Wir räumen auf. Volkswagen? Wir klären auf, brutalstmöglich …

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Die Moralkeule

Sie sollten sich umbenennen: Trierischer Volksverdummer. Da kommt eine subtile Hetze von Ihnen, aus Ihrer Zeitung gegen Menschen, die ihren Verstand gebrauchen – widerlich. Bemerkt und reklamiert Ihr in seiner Einseitigkeit dummdreist zu nennendes Gebaren eigentlich niemand? Zu einer Grußformel oder Ausdruck einer Hochachtung sehe ich mich nicht in der Lage.

Ich finde Ihre andauernden rassistischen Titelseiten unmöglich! Unterlassen Sie diese Art von Volksverhetzung!

Was ist daran Volksfreund? Ich kann gar nicht so viel essen wie ich kotzen könnte!

Schämt ihr euch nicht? Genießt ihr es, Öl ins Feuer zu gießen? Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, eure Macht für Besseres als braunen Populismus einzusetzen.

Lügenpresse! Propagandalüge! Fälscher, Lügner, Betrüger!

Mit feindlichen Grüßen.

Und so weiter. Auszüge aus Volksfreund-Beschimpfungen der letzten Tage.

Anlass: die Berichterstattung über die Flüchtlingskrise.

Vorwurf: zu viel, zu wenig, zu links, zu rechts. Sprachrohr der „hilfsbereiten brotschmierenden Willkommen-Rufer“, sagen die einen, Forum für „rassistische Propaganda“ die anderen.

Tonalität: rau, bisweilen bösartig, hasserfüllt.

Was ist da los!? Die Flüchtlingskatastrophe ist ein Jahrhundertthema. Eine aufwühlende Tragödie (Ende offen), die in dieser Zeitung ausführlich beschrieben, analysiert, erklärt, kommentiert wird. Das macht traurig, das schmerzt, das ist manchmal kaum auszuhalten.

Wie ist die Krise zu bewältigen? Politik und Gesellschaft ringen um Lösungen. Versuch und Irrtum. Chancen und Risiken. Zweifel und Misstrauen. Ängste. Und Meinungen. Meinungen, nicht immer politisch korrekt, die wir zulassen und einordnen. Die meisten Leser schätzen das. Einige nicht.

Medienkritik ist wichtig. Externe Kritik, interne Kritik. Niemand kritisiert die Arbeit der Redaktion strenger als: die Redaktion. Um Kritik geht es in den zitierten Zuschriften allerdings nicht. Sondern um Denkverbote. Um Gesinnungsterror. Um Moral. Wer diese Moral nicht teilt, den trifft die Keule.

Freiheit der Meinung? Toleranz? Diskurs? Nein. Extreme Positionen. Es gibt die, die sich für die Guten halten, und es gibt die anderen, die Bösen. Die sich für die Guten halten, sagen, was richtig ist und was falsch, die anderen haben zu schweigen. Es ist denen, die sich für die Guten halten, ein Leichtes zu beweisen, dass diese Zeitung rechtspopulistisch ist. Oder linkspopulistisch. Je nachdem, wo sie sich selbst verorten. Es kommt vor, dass ein und derselbe Artikel von den rechten Guten als links und von den linken Guten als rechts interpretiert wird. Ein Wort genügt. Und wehe, das Weltbild derer, die sich für die Guten halten, gerät ins Wanken. Dann packen sie die Keule aus.

Ach, die Moral. Kants kategorischer Imperativ. Adornos Diktum, nach Auschwitz Gedichte zu schreiben, sei barbarisch. All die Gewissensfragen.

Darf man über Hitler lachen?

Ist es in Ordnung, genüsslich zu Abend zu essen, während im Fernsehen Nachrichten über Hunger und Not laufen?

Darf die Zeitung angesichts des Flüchtlingselends übers Wetter berichten, und das auch noch auf Seite eins?

Ist es erlaubt, Feste zu feiern, während anderswo auf der Welt ein Krieg tobt?

Gewissensfragen. Keiner kennt die eine, endgültige Wahrheit. Ja, aber … Nein, aber …

Das Erregepotenzial ist groß. Im Lokalteil hat der Volksfreund die Weinkönigin von Bernkastel-Andel porträtiert. Eine junge Frau, geboren in Indien. Aufschrei! Leser Sebastian K. empört sich auf Facebook: Wisst ihr, wann Integration gelungen sein wird? Wenn Menschen anderer Herkunft nicht zu etwas so Besonderem stilisiert werden, dass man extra Artikel über sie verfasst und auf den Wagen hinweist, in dem das „Objekt“ dann zu sehen sein wird. Tja … was dann wohl beim Umzug beim Kontakt mit dem unbekannten Wesen passieren mag? Erwartet ihr dann etwa Kommentare wie: Die kann ja Deutsch! Dürfen die auch Wein trinken? Die scheint ja ganz „normal“ wie ein „normaler“ Mensch! Irgendwie verstehe ich den Sinn solcher Artikel nicht. Ali hat auch eine Gastronomie, Juiseppe ist in der Bank, Murat schafft als Briefträger, Iwan bei der Stadt als Beamter, Aische ist Polizistin … keine Sau findet das heutzutage etwas Besonderes. In Bernkastel ist eine Weinkönigin gebürtig aus Indien, und der Volksfreund macht ein Bohei draus, als ob sie ein Alien wäre, welchen man besonders im Blick haben muss. (Wagennummer 46 nicht vergessen, liebe Schaulustige. Bitte werfen sie ihr keine Lebensmittel zu. Sie kann sich schon selbst ernähren.)

Okay. Meinung. Darf man in dieser Zeitung äußern. Darf man, das gehört zur Freiheit der Andersdenkenden, aber auch ignorieren. Was ich hiermit tue.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart