Ruhe in Frieden, grässlicher Grisli

Und nun, tata-tata, eine äußerst erfreuliche Nachricht. Eine Nachricht, die davon kündet, dass die Welt so schlecht nicht sein kann, wie uns immer weisgemacht wird. Die davon zeugt, dass es Leute gibt, die nichts unversucht lassen, um die Menschheit von Plagen aller Art zu erlösen.

Solch eine unerhörte Leistung ist unlängst einer Gruppe von furchtlosen Wissenschaftlern gelungen. Sie hat uns befreit von einem gewaltigen Ärgernis.

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Blaubeerpfannkuchen

Dienstag, 2. Juni 2015 18:49:00 (Eil ·····) Fifa-Präsident Blatter tritt zurück – Zürich (dpa) — Joseph Blatter hat seinen Rücktritt als Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa angekündigt. Das gab der 79 Jahre alte Schweizer am Dienstag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Zürich bekannt.

Eine Nachricht, die sich schneller verbreitet, als mancher Blaubeerpfannkuchen sagen kann. Rund um den Globus.

Breaking News. Das Internet spielt verrückt. Eine Stunde nach dem Abgang des Fußball-Paten zählt der Kurznachrichtendienst Twitter eine halbe Million Tweets. Die Netzgemeinde beömmelt sich. Häme, Schadenfreude, Witzelsucht. Der Ex-Politiker Christopher Lauer, sonst ein fixer Bursche, schwächelt: „Schnell irgendwas Lustiges mit Blatter twittern! Schnell!! Scheiße, mir fällt nichts ein! Egal!“

Der Popsänger Tim Bendzko juxt: „Wortspiel des Tages: Herbsteinbruch bei der Fifa. Fifa verliert #blatter“. Huah, ist das lustig.

Um Viertel nach acht: Ein Brennpunkt im Ersten. Sondersendungen überall.

Am nächsten Tag: Alle Blätter machen mit Blatter auf (auch der Volksfreund), bringen Analysen, Hintergründe, Meinungen. Nun ja, einige haben es nicht geschafft. Die Frankfurter Allgemeine weiß in ihren früh gedruckten Ausgaben noch nichts von der Sensation, die Süddeutsche auch nicht.

Gibt es nichts Wichtigeres, fragt Leser Franz K. angesichts des medialen Blatter-Hypes.

Lieber Herr K.,

wann ist eine Nachricht wirklich wichtig? Der alte Nietzsche (1844-1900) sagte: Das lässt sich erst beurteilen, wenn hundert Jahre vergangen sind. Was der Philosoph nicht ahnte: dass ein hysterisches Zeitalter bevorsteht, in dem die Menschheit von allem, was sich ereignet, sofort und unmittelbar erfährt. Blaubeerpfannkuchen.

Rückblende: 21. Oktober 1805, die  Seeschlacht von Trafalgar: Admiral Horatio Nelson besiegt mit der Royal Navy die Armada der Franzosen und Spanier.

Eine Meldung von weltgeschichtlicher Relevanz, wie wir Nachgeborenen wissen. Der Beginn eines Jahrhunderts der britischen Vorherrschaft auf den Weltmeeren. Der Anfang vom Ende Napoleons. Aber eine Breaking News? Nein. Der Gibraltar Chronicle veröffentlicht den Bericht über das Gemetzel am 23. Oktober 1805. Die Besatzung eines Fischerbootes hat die Neuigkeit überbracht. Bis die Siegesbotschaft sich in London herumspricht, dauert es zwei Wochen. König George III. wird am 6. November informiert. Tags darauf druckt die Times die frohe Kunde.

Nix Blaubeerpfannkuchen.

Wir lernen: Tempora mutantur, nos et mutamur in illis. Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Hechel, hechel

Hermann Hein aus Daun schreibt: Jeden Tag lese ich bei einem Ihrer Artikel „Der Volksfreund berichtete“ oder „Der Volksfreund berichtete mehrfach“. Warum machen Sie das? Ist das Selbstbeweihräucherung? Oder soll der geneigte Leser seine Erinnerungen durchforsten, wann und wo der TV berichtet hat?

Wenn Sie es denn auch zukünftig nicht lassen können, den Leser auf eine vorangegangene Berichterstattung hinzuweisen, dann bitte mit Tag und Datum und eventuell auch der Seitenzahl.

Lieber Herr Hein,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Gute Frage: Was soll das, dieser ständige Hinweis auf frühere Berichterstattung, diese Beschwörungsformel? Nervt doch. Ist sinnlos. Überfordert die Leser. Und der Verdacht der Selbstbeweihräucherung oder, sagen wir Weiterlesen