Mit Kanonen auf Spatzen

Klaus Erzig aus Newel schreibt zum Artikel „Falsche Post vom Finanzamt“ (13./14. September in einigen Lokalteilen erschienen):

Wo Menschen arbeiten, passieren hin und wieder Fehler. Wenn diese Fehler schwerwiegend sind, kann das unter Umständen sehr tragisch und folgenreich sein, und sie gehören auch angesprochen. Leichte Fehler lassen sich meist unproblematisch und ohne Folgen beheben.

Hier hat das Finanzamt versehentlich Herrn Karlo Kopper aus Osburg einen Brief mit persönlichen Unterlagen zugesandt, der nicht für ihn bestimmt war. So etwas darf natürlich nicht passieren. Es kann aber passieren, insbesondere bei immer größer werdendem Leistungsdruck und Stress durch immer umfangreichere und kompliziertere Gesetze und Arbeitsabläufe bei gleichzeitigem massiven Stellenabbau. Weiterlesen

Deutschlands dümmste Autofahrer

Nachfrage von zwei Lesern zur Antwort auf die jüngst erörterte Frage, was denn nun Boulevard-Journalismus genau sei?

Liebe Leser,

ein weites Feld. Boulevard bedeutet: Prachtstraße. Nun ja, klingt majestätischer als Gasse oder Gosse.

Blätter wie Bild oder Express werden „auf der Straße“ verkauft, an Laufkundschaft – im Gegensatz zu Zeitungen wie dem Volksfreund, die am Kiosk erhältlich sind, jedoch überwiegend an Abonnenten zugestellt werden, per Bote oder Post.

Im Getümmel des Boulevards erzeugt nur der Aufmerksamkeit, der laut genug schreit. Weiterlesen

Der Daumen des Türstehers

Amy aus Trier schreibt zur Berichterstattung über einen Großbrand in der Stadt:

Liebe Redaktion,

seit fünf Jahren lebe ich in Trier und sehe mich der lokalen (Boulevard)Presse ausgesetzt.

Die Online-Präsenz setzt dem Ganzen die Krone auf, denn hier, im multimedialen Internet, steht dem tüchtigen „Journalisten“ nun auch Platz für Video- und Bildmaterial zur Verfügung.

Für mich treibt dies aber im Falle des Brandes in der Lindenstraße abartige mediale Blüten:

Nicht nur, dass Videomaterial zum Brand zur Verfügung gestellt wird, nein, 57 Bilder werden dem Katastrophentouristen dargeboten. Gemeinsam wird Gesehenes dann auf der entsprechenden sozialen Plattform geteilt.

Die Spitze des Eisberges – für mich persönlich – ist aber, dass offensichtlich eifrige Hobbyfotografen aus der unmittelbaren Nachbarschaft ihre neuesten Errungenschaften Weiterlesen

Vergesst den Bauch nicht

Frau B. aus Trier meint: Missbrauch und Misshandlung – der Volksfreund schreibt auf Seite eins für mein Gefühl zu oft und immer reißerischer über Mord und Vergewaltigung und andere abscheuliche Verbrechen. Gibt es denn keine wichtigen politischen Nachrichten!?

Liebe Frau B.,
vielen Dank für Ihre Mail. Was darf, was kann, was soll, was muss berichtet werden? Wie umfangreich? Auf Seite eins oder weiter hinten? Diese Fragen beschäftigen uns in jeder Redaktionskonferenz, also zwei- bis dreimal täglich.

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Schaum vorm Mund

Alois Mayer schreibt per E-Mail zur Berichterstattung im Fall Mirco: Ich habe ein Problem mit gewissen Formen von Nachrichtenübermittlungen. Beispiele:
ARD-Tagesschau vom 27. Januar: Meldung, dass der Fall des entführten Mirco aufgeklärt ist. Es wird ein vollständiges und klares Bild von Mirco gezeigt.
ARD-Tagesthemen vom 27. Januar: Meldung, dass der Fall des entführten Mirco aufgeklärt ist. Es wird ein Bild von Mirco gezeigt, bei dem dessen Gesicht unkenntlich gemacht wurde.
Warum ist das Gesicht einmal erkennbar, das andere Mal nicht?
In der gleichen Sendung: „Mirco ist ermordet worden. Der 45-jährige Olaf H. hat gestanden. Der mutmaßliche Mörder…“ Warum „mutmaßlich“, wenn er doch gestanden hat?
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Sorgfältig, seriös, sachlich

Stefan Kresen aus Trier schreibt zum „Fall Zemmer“: Bei der infotainmentartigen Berichterstattung des TV kann man den Teil „info-“ bald bedenkenlos durch „enter-“ ersetzen. Dass dieser Vorfall einen Bericht wert ist, steht außer Frage – doch diese Art befindet sich auf Kaffeekränzchen-Niveau. Hätten Sie diesen Bericht auch so formuliert, lieber Redakteur, wenn es sich um Ihren Sohn gehandelt hätte? Falls ja, dann würde mir das zu denken geben, denn diese Aufmachung schadet Opfer, Täter und deren Angehörigen nur. Des Weiteren folgt der TV nicht nur dem Niveau, sondern auch den Recherchemethoden der „Bild“-Zeitung, indem er die von einem noch nicht Erwachsenen in einer Internet-Community leichtsinnig Weiterlesen