Danke, Mr. Auster!

Gut, dass in der Welt täglich stets so viel passiert, dass es gerade in eine Zeitung passt. Das ist ein hübscher Satz des Wiener Polemikers Karl Kraus (1874 bis 1936). Hat natürlich nie gestimmt. Vor hundert Jahren nicht, und erst recht nicht in der Jetztzeit, in der die Nachrichten pausenlos auf uns einprasseln. Es passiert immer mehr als reinpasst. Immer.

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Neuigkeiten von der alten Tante

Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, sagen manche Journalisten. Weil schlechte Nachrichten die Leute vom Hocker reißen, nicht die guten. Die sind ja normal. Und um die Normalität braucht sich keiner zu kümmern.

So isser halt konfiguriert, der Homo sapiens, seit jeher: ängstlich und vorsichtig. Stürzt sich auf jede böse Geschichte. Will alles darüber wissen. Könnte ja sein, dass ihm selbst Gefahr droht und er sich schnell in die Büsche schlagen muss.

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Vergiftete Sprache

Gibt es verbotene Wörter? Wörter, die tabu sind, zum Beispiel, weil die Nazis sie verseucht haben? Ja, gibt es, und es kommt auch auf den Zusammenhang an, in dem sie verwendet werden, auf den Kontext.

Leser A. aus Morbach schreibt, der AfD-Mann Björn Höcke verzapfe „bösartigen Mist“ und sei „zumindest teilverrückt“, aber in einem habe er doch vollkommen recht, nämlich das Holocaust-Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin ein „Denkmal der Schande“ zu nennen. Dieser Begriff sei sogar noch viel zu schwach, um auszudrücken, was die „verbrecherischen Lumpen, Massenmörder und Menschenverächter im Tausendjährigen Reich“ angerichtet haben. Weiterlesen

Zwei + zwei = fünf

Neben Fakten gibt es in unseren postfaktischen Zeiten alternative Fakten. Sagen die Trump-Leute. Wie irre ist das denn?!

Zwei + zwei = vier, das ist Fakt. Alternativer Fakt dann wohl zwei + zwei = fünf. Oder was?!

Das Beispiel ist von George Orwell, der in seinem düsteren Roman 1984 (vollendet 1948, gerade wieder sehr gefragt) einen Überwachungsstaat entwirft, der seine Untertanen mit Gehirnwäsche auf Linie bringt. Winston Smith wird gefoltert, bis er glaubt, dass zwei + zwei = fünf ist. Warum? Um ihm klarzumachen, dass Wahrheit allein das ist, was die Partei verkündet. Wenn die Partei sagt, zwei + zwei = fünf, ist es so. Am Ende weiß Smith nicht mehr, was stimmt. Das Furchtbare, heißt es bei Orwell, war nicht, dass sie einen umbrachten, wenn man anders dachte, sondern dass sie vielleicht recht hatten …

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Na, so was!

Politiker der Alternative für Deutschland beklagen, dass ihre Partei ideologisch in die Nähe der Nazis gerückt wird.

Na, wer kommt denn bloß auf so was? Und warum? Wegen der Reden von Provokateuren wie Björn Höcke etwa? Missverständnisse, nichts als Missverständnisse, melden sich besorgte Bürger, die den AfD-Mann aus Thüringen und seine Schwestern und Brüder im Ungeiste verunglimpft sehen.

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Absurd

„Einen Neger wird man ja wohl noch einen Neger nennen dürfen“, erregt sich Herr B. über das „Gesocks“ aus dem Ausland, das von „der Merkel“ ins Land geholt worden ist, „alles Kriminelle und Vergewaltiger und Schmarotzer“.

Und so weiter. Ein langer handschriftlicher Brief. Die politische Korrektheit, von der die Gutmenschen ständig schwafelten, gehe ihm gehörig auf die Nerven. Aber was die „da oben“ machten, sei sowieso egal. „Danach kräht bald kein Arsch mehr.“

O weh, Herr B.,

schlimmes Pamphlet, es ist zum Würgen, und zu Ihrer Rassentheorie äußere ich mich nicht. Zwei Gründe, warum ich Ihren Schrieb dennoch aufgreife. Der eine: den Lesern (mal wieder) exemplarisch zu zeigen, wie rau, aggressiv und gehässig der Ton ist, den manche anschlagen. Der andere: die Katachrese. Die Kata… was?!

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