Es ist noch Suppe da …

In Auswahl und mit bestem Dank einige Reaktionen auf meinen Versuch über die Seeaalsuppe, sensationell! 

Christel Marchand schreibt, sie habe das Forum schmunzelnd gelesen („sensationell!“). Sie entdeckt hübsche Wortakrobatik etwa in der Werbung eines Warenhauses: Sommerstrandlaken, Sommerbettenhighlights, 7Zonen-Hoch-/Tief-Tonnentaschenfederkern. Bemerkenswert die Reklame von Autohändlern mit Vokalhäufungen wie Abblendautomatik, Vier-Zonen-Komfort-Klimaautomatik oder Inzahlungnahmeprämie. Und sie erinnert an das Wortungeheuer Donaudampfschifffahrtskapitänsanwärter.

Rolf Thelen ergänzt die Sammlung schöner Wörter und Buchstabenkonstruktionen („Pattern“) um diese Beispiele: Biobauer (alle Vokale); Lavaabbau (schöne Dopplungen); Erdbeertee (lauter e); Ananassaft (lauter a).

Nach Recherchen von Dieter Rass verdient Italien den Weltrekord – mit einem Wort, das nur einen Konsonanten, aber alle fünf Vokale enthält, zudem kommt jeder Vokal nur einmal vor: aiuole = Blumenbeete. Auch Heinz Kind ist in Bella Italia fündig geworden, er bietet diese Selbstlaut-Kaskade an: il cuoiaio = der Lederbearbeiter (gerben, verkaufen).

Stephan Schneider schreibt, er lese die Kolumne besonders gern, wenn es um Sprachliches geht: „Nicht nur nach der Rechtschreibreform sind Vokalhäufungen auch im Deutschen, wo eher Konsonanten vorherrschen, im Druckbild – siehe Seeaalsuppe – überraschend, wenn auch phonetisch nicht relevant. Meinen Schülern im Ausland, aber auch hier in der Heimat stellte ich manchmal die Frage: Kennt ihr ein einsilbiges deutsches Wort mit vier ,t‘? An die Tafel schrieb ich anschließend: ‚Du trittst‘. Ein Beispiel für unsere ‚harte‘ deutsche Sprache und eine gute Ausspracheübung (nicht nur für Saarländer oder Schwaben).“

Das, lieber Herr Schneider, ist ein gutes Stichwort: raue Konsonanten und wie sie wirken. „Die Auslaender halten die Deutschen, was ihre Sprache betrifft, für grobe brummende Leute, die mit rostigen Worten dahergrummen und mit hartem, blinden Geläute von sich knarren: ja man meinet, die deutsche Sprache hätte nur eintausend Woerter in sich, derer achthundert von Griechen, Hebräern und Lateinern erbettelt und ungefähr zweihundert grobe deutsche Woerter daselbst vorhanden waren.“ Eine Beobachtung des Barockdichters Martin Opitz (1597-1639), die viel über die Wertschätzung der deutschen Sprache aussagt – damals. Heute wimmelt’s im Deutschen von Anglizismen, dagegen liefern Griechen, Hebräer und Lateiner keinen Nachschub mehr für unseren Wortschatz.

P.S.: Aktuell schwimmen die meisten Mitlaute in einer Suppe aus Russland: Borschtsch, laut Duden das einzige einfache (nicht zusammengesetzte oder abgeleitete) deutsche Wort mit acht aufeinanderfolgenden Konsonanten.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Ruhe in Frieden, grässlicher Grisli

Und nun, tata-tata, eine äußerst erfreuliche Nachricht. Eine Nachricht, die davon kündet, dass die Welt so schlecht nicht sein kann, wie uns immer weisgemacht wird. Die davon zeugt, dass es Leute gibt, die nichts unversucht lassen, um die Menschheit von Plagen aller Art zu erlösen.

Solch eine unerhörte Leistung ist unlängst einer Gruppe von furchtlosen Wissenschaftlern gelungen. Sie hat uns befreit von einem gewaltigen Ärgernis.

Weiterlesen

Das Geld liegt auf’m Platz

Boah, ey! Was für ein Eigentor: Helene singt, und (fast) alle pfeifen. Der Schlagerstar und das Schlagerspiel, vereint in einem Event – das passt, oder? Denkste! Die Helenefischerisierung des Fußballs funktioniert nicht. Ein Rätsel, dem Journalisten tagelang nachspüren, eine Riesenstory, so scheint’s, die zeitweise sogar Donald Trump von Platz eins der Nachrichten-Bundesliga verdrängt.

Weiterlesen

Wir. Haben. Keine. Angst.

Yes, we can. Ja, wir schaffen das. Wir sind stark. Wir wehren uns. Wir lassen nicht zu, dass der Terror sich in unsere Gehirne schleicht und unsere Gedanken frisst. Wir lassen nicht zu, dass diese Psychopathen ihr Ziel erreichen: uns zu schockieren, unseren Verstand zu infizieren, uns Angst einzujagen. Wir unterwerfen uns nicht.

Weiterlesen

Ja, wenn das so ist …

Es ist eine uralte Geschichte: Der Hohepriester geht allein in den Tempel und bekennt die Sünden des Volkes Israel. Alle. Dann überträgt er das ganze große Paket symbolisch (durch Handauflegen) auf einen Ziegenbock und jagt das Viech in die Wüste – mitsamt allen Sünden. Yipiiieh, rufen die Menschen und fangen von vorn an. Ein Jahr später, am Tag der Versöhnung, dieselbe feierliche Zeremonie. Fehleranalyse. Ziegenbock auswählen. Hand auflegen. Ab in die Wüste. Eine Episode aus dem Alten Testament.

Weiterlesen

Rede und Gegenrede

Kann nichts schaden, ab und zu darüber nachzudenken, woher wir kommen, um zu verstehen, warum wir geworden sind, was wir sind.

Dieser Tage fiel mir ein spannendes Dokument der Rechtsgeschichte in die Hände. Vor etwas mehr als fünfzig Jahren hat das Bundesverfassungsgericht im sogenannten Spiegel-Urteil die Aufgaben des Journalismus in der Demokratie umrissen:

Weiterlesen

… oder sage ich Wahres?

Nein oder Ja? Lüge oder Wahrheit? Schein oder Sein? Kommunikation ist kompliziert. Es kommt darauf an, wer etwas sagt, warum, zu wem, es kommt auf die Absicht an, den Zusammenhang, die Vorgeschichte, und es kommt auf den Empfänger und seine Erwartungshaltung an.

Wenn der amerikanische Präsident alternative Fakten in die Welt setzt, an die er glaubt, aber sonst (fast) niemand, ist der Aufschrei groß: buh, ein Fake, auf Deutsch: eine Fälschung! Prädikat: politisch unkorrekt.

Weiterlesen

Nur Freund, nicht Feind

Ob Sie es glauben oder nicht: Ich bin dankbar für Kritik, die Sie, liebe Leser, am Volksfreund oder generell an den Medien äußern. Ich versuche, daraus zu lernen. Und ich verstehe, dass manches, was Journalisten tun (oder nicht tun!), Sie verärgert oder gar Ihr Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Zunft erschüttert. Kein Ding, lassen Sie uns darüber reden.

Weiterlesen

Die Sache mit der Maus

Mal unter uns, liebe Leserin, lieber Leser: Sie erwarten, dass wir wahrhaftig berichten; Sie erwarten, dass wir aufrichtig berichten; Sie erwarten, dass wir ehrlich berichten. Ich sage: Jawoll, das versuchen wir, das tun wir nach bestem Wissen und Gewissen. Klar: Irren ist menschlich, Fehler passieren, aber alles in allem attestiere ich der Redaktion des Volksfreunds: das passt, das läuft.

Gestatten Sie, dass ich heute einen klitzekleinen Wunsch an Sie richte, Leserbriefe betreffend. Bitte schreiben und bleiben Sie so wahrhaftig, aufrichtig und ehrlich, wie Sie das von uns Journalisten – zu Recht – einfordern.

Weiterlesen