Hallo Erdlinge, aufwachen!

Moment mal, was ist das für ein Zukunftsorakel: Die größte Gefahr für die Menschheit ist angeblich nicht der nordkoreanische Atom-Kim, nicht der globalisierte Terrorismus, nicht der Klima-Kollaps. Nichts von alldem, was uns immer weisgemacht wird. Die größte Gefahr ist: Intelligenz. Künstliche Intelligenz (KI). Maschinen, die so clever sind, dass sie sich verselbstständigen und außer Kontrolle geraten. Mit apokalyptischen Konsequenzen.

Das meinen jedenfalls Koryphäen wie der Physiker Stephen Hawking oder der Visionär Elon Musk, Erfinder des Tesla-Autos und des Hyperloops, Raumfahrt- Weiterlesen

Was wir wissen und was nicht

Alles einseitig, tendenziös und verdreht, einfach nicht objektiv – Leser Michael Kostian kritisiert die Berichterstattung über die Nordkorea-Krise und wittert Propaganda:

Warum wird Nordkorea nie korrekt zitiert? Kim Jong Un sagte: „Wir werden solange nicht auf Atomwaffen verzichten, wie die USA ihre gefährliche Politik fortsetzen.“ Mit Betonung auf: solange!

Ich nehme an, das wird ignoriert, weil man dann nicht so hetzen könnte, wie man es tut. Erinnert stark an die Danzig-Frage und den diplomatischen Vorschlag Deutschlands, der aus gleichem Grund nicht publiziert wurde. Sonst hätte man das englische Volk nicht in den Krieg hetzen können. Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht. Aber Lügner wiederholen sich offenbar sehr gern. Weiterlesen

Von Freunden empfohlen

Im Internet steht’s, hundertfach, tausendfach verlinkt und geteilt. Stimmt also. Muss stimmen. Brisante Infos. Im Volksfreund kein Wort davon. Ignoranz? Zensur? Systempresse? Wie oft hören wir solche Beweisführung.

Etwa bei diesem Fundstück: Eine angebliche Dienstanweisung mit Sonderregeln für straffällige Ausländer taucht im Netz auf. Verfasser laut Briefkopf und Unterschrift: Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen. Der Text: eine Anweisung an „den Polizeipräsidenten für Köln und Leverkusen“, „geplante oder begangene Verbrechen […] von Flüchtlingen, Weiterlesen

Starke Marke

Total veraltet: dieser Name, dieser Schriftzug – ist das eine Nazi-Zeitung? So etwas lesen wir nicht! Von Urlaubern höre sie solche Bemerkungen in letzter Zeit öfters, die Leute seien sensibel, erzählt Christa Kettern. Sie ist die Chefin einer traditionsreichen Café-Bäckerei in Piesport, bei ihr gibt’s Brote und Brötchen, Kuchen und Kekse, Schnecken und Ecken – und Zeitungen, darunter den Trierischen Volksfreund. Der Titel schreckt Touristen ab, sagt Christa Kettern, denken Sie mal über eine modernere Aufmachung nach!

Liebe Frau Kettern,

vielen Dank für Ihren Hinweis. Was Sie schildern, ist keine neue Erfahrung für uns. Ab und zu melden sich Leser – meist Zugereiste – und erkundigen sich: Trierischer Volksfreund? Was ist das für ein Blatt? Einige mutmaßen Weiterlesen

Festtage für Feierbiester

So, es ist vollbracht. Die fünfhundertste Kolumne. Fünf null null. Das muss gefeiert werden, frohlockt ein Edel-Fan, der sagt, er habe jeden, wirklich jeden Text gelesen. Oh, danke schön. Aber was packe ich rein in diese Null-Nummer?

Der Klassiker wäre, wie bei solchen Anlässen üblich, eine Lobrede auf die Kolumne zu halten. Zu erzählen, wie sie aus Schaum geboren wurde, wie sie reifte und gedieh, wie sie … ach, langweilig.

Weiterlesen

Wie das so ist.

Sehr gut, schreibt Leser M., gefalle ihm der journalistische Grundsatz, neutral zu berichten und Distanz zu wahren. Immer mittendrin sein, aber nicht dazugehören. Sich nicht mit einer Sache gemeinmachen, auch nicht mit einer guten Sache. Und so weiter. Er habe jedoch gestutzt, als neulich in einer Talkshow von Betroffenheitsjournalismus die Rede gewesen sei. Was das sei, was das zu bedeuten habe?

Weiterlesen

Siebenunddreißig Grad

Es ist normal, dass wir uns für das Normale nicht interessieren. Es ist normal, dass wir uns für das Nicht-Normale interessieren.

„Hund beißt Mann“ ist keine Meldung (allenfalls eine klitzekleine), passiert jeden Tag irgendwo, nichts Besonderes = normal, „Mann beißt Hund“ dagegen ungewöhnlich, unerhört, unerwartet = nicht normal.

Weiterlesen

Verirrte Gammler

Niemals nachlassen: Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen, rät Albert Einstein allen, die nach Wissen dürsten. Die Welt dreht sich, dreht sich, dreht sich immer weiter. Drei Dinge, die ich diese Woche gelernt habe, zwei davon belegen den (Sprach)Wandel, das dritte belegt, dass früher nicht alles besser war:

Weiterlesen

Es ist noch Suppe da …

In Auswahl und mit bestem Dank einige Reaktionen auf meinen Versuch über die Seeaalsuppe, sensationell! 

Christel Marchand schreibt, sie habe das Forum schmunzelnd gelesen („sensationell!“). Sie entdeckt hübsche Wortakrobatik etwa in der Werbung eines Warenhauses: Sommerstrandlaken, Sommerbettenhighlights, 7Zonen-Hoch-/Tief-Tonnentaschenfederkern. Bemerkenswert die Reklame von Autohändlern mit Vokalhäufungen wie Abblendautomatik, Vier-Zonen-Komfort-Klimaautomatik oder Inzahlungnahmeprämie. Und sie erinnert an das Wortungeheuer Donaudampfschifffahrtskapitänsanwärter.

Rolf Thelen ergänzt die Sammlung schöner Wörter und Buchstabenkonstruktionen („Pattern“) um diese Beispiele: Biobauer (alle Vokale); Lavaabbau (schöne Dopplungen); Erdbeertee (lauter e); Ananassaft (lauter a).

Nach Recherchen von Dieter Rass verdient Italien den Weltrekord – mit einem Wort, das nur einen Konsonanten, aber alle fünf Vokale enthält, zudem kommt jeder Vokal nur einmal vor: aiuole = Blumenbeete. Auch Heinz Kind ist in Bella Italia fündig geworden, er bietet diese Selbstlaut-Kaskade an: il cuoiaio = der Lederbearbeiter (gerben, verkaufen).

Stephan Schneider schreibt, er lese die Kolumne besonders gern, wenn es um Sprachliches geht: „Nicht nur nach der Rechtschreibreform sind Vokalhäufungen auch im Deutschen, wo eher Konsonanten vorherrschen, im Druckbild – siehe Seeaalsuppe – überraschend, wenn auch phonetisch nicht relevant. Meinen Schülern im Ausland, aber auch hier in der Heimat stellte ich manchmal die Frage: Kennt ihr ein einsilbiges deutsches Wort mit vier ,t‘? An die Tafel schrieb ich anschließend: ‚Du trittst‘. Ein Beispiel für unsere ‚harte‘ deutsche Sprache und eine gute Ausspracheübung (nicht nur für Saarländer oder Schwaben).“

Das, lieber Herr Schneider, ist ein gutes Stichwort: raue Konsonanten und wie sie wirken. „Die Auslaender halten die Deutschen, was ihre Sprache betrifft, für grobe brummende Leute, die mit rostigen Worten dahergrummen und mit hartem, blinden Geläute von sich knarren: ja man meinet, die deutsche Sprache hätte nur eintausend Woerter in sich, derer achthundert von Griechen, Hebräern und Lateinern erbettelt und ungefähr zweihundert grobe deutsche Woerter daselbst vorhanden waren.“ Eine Beobachtung des Barockdichters Martin Opitz (1597-1639), die viel über die Wertschätzung der deutschen Sprache aussagt – damals. Heute wimmelt’s im Deutschen von Anglizismen, dagegen liefern Griechen, Hebräer und Lateiner keinen Nachschub mehr für unseren Wortschatz.

P.S.: Aktuell schwimmen die meisten Mitlaute in einer Suppe aus Russland: Borschtsch, laut Duden das einzige einfache (nicht zusammengesetzte oder abgeleitete) deutsche Wort mit acht aufeinanderfolgenden Konsonanten.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart