Witzes Seele – wtf is das für 1 Scheiß?

In der Kürze liegt die Würze, sagen die Altvorderen. Das Sprichwort geht wahrscheinlich auf Shakespeares Tragödie Hamlet (zwischen 1601 und 1602 entstanden) zurück: „Weil Kürze denn des Witzes Seele ist, Weitschweifigkeit der Leib und äußre Zierat: Fass ich mich kurz.“

Vierhundert Jahre danach: Keiner hat mehr Zeit. Wir leben immer schneller. Die allgemeine Beschleunigung schlägt sich in der Sprache nieder. Weniger Zeit, kürzere Wörter, kürzere Sätze – zack, zack, zack! Manche Menschen entwickeln Angststörungen angesichts laaaaaanger Wörter; die Krankheit heißt Sesquipedalophobie, ich habe das neulich thematisiert. Petra Pauli aus Schweich schreibt dazu:

Die Kolumne 557 mit dem Titel „Lang, länger, Nilpferd“ (TV vom 27./28. Oktober) brachte mich auf die Idee, mein Pendant als Impuls zu senden: „Kurz, kürzer, Schüler“.

Als Erzieherin in der Kulturlandschaft Schule (Bildungslandschaft finde ich persönlich und mit einem Augenzwinkern nicht so passend …) kommt mir die eine oder andere Subkultur unter. Gerade was das Sprechen in ganzen Sätzen angeht, tun sich die Schüler jeder Altersstufe sehr schwer. Ich betreue während der Pausen den Schülertreff mit Spiele­ausgabe, und da höre ich immer öfter: „Hallo, kann ich einen Ball“ oder „Kann ich einen Kakao“ – irgendwie ist das Wort „haben“ aus dem Wortschatz der Kinder verschwunden.

 Ähnlich verhält es sich mit „bitte“ und „danke“ – überflüssig, gegenüber Erwachsenen zu spießig? Zu nett? Zu wohlerzogen? Allerdings, es gibt auch Ausnahmen, die richtig gut tun. Kommunikation ist eben, je nach Anwender, mal so und mal so möglich oder unmöglich. Die Kids untereinander verstehen sich, ich und vielleicht noch einige meines Ü-50-Jahrgangs hadern mit deren Sprechweise.

Was mir gut gefällt: dass die Schüler mich in die WhatsApp-Slangerie eingeweiht haben. Hier brauche ich jetzt bedeutend weniger Zeit, um meine Nachrichten zu verfassen.

 Zum Beispiel reicht ein knappes „Später Party?“ statt „Hallo, liebe XY, ich möchte dich fragen, ob wir heute Abend in die Stadt fahren, um dort ins YX zu gehen, weil da eine fantastische Band spielt und bestimmt die Hölle los ist.“ Hätte meine Freundin die gleichen Lehrmeister in digitaler Kommunikation wie ich, würde sie antworten: „Yup, bin dabei!“

Liebe Frau Pauli,

jay, voll gut – das ist derselbe rebelliöse Sound wie in diesen Wörterbüchern, „100 % Jugendsprache“ von Langenscheidt zum Beispiel, gerade in der 2019er-Auflage erschienen. Steht logopogo drin, wie die Babos, Chabos, Chayas und Bruhs reden – vielleicht in einer Hood auf dem Schweicher Schulhof, vielleicht in einer anderen zaunigen Squad.

Wenn Sie mit den Selfie-Queens, Badekappenkindern, Bäbbahs und Swaggernauten ins Gespräch kommen wollen, versuchen Sie es doch mal so: Wayne, ob du schatzlos oder tinderjährig bist, hör auf zu gollumieren, du Hüftharry, gib ihm!

Der alte Shakespeare würde sich freilich wundern … also, vong Speakness her, wtf is das für 1 Scheiß?

Herzliche Grüße

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur