What shalls, sagt der Dengländer

Lässiger Typ, der Neue. Bislang nicht weiter aufgefallen. Finanzexperte. Steuerberater. Aus Ostwestfalen. Ralph Brinkhaus. Ralph wer?! Na, der Mann, den die Abgeordneten der Union im Bundestag zu ihrem Boss gewählt haben. Der Muttis Liebling abgelöst hat, den ewigen Volker Kauder.

Kurzanalyse. Nein, keine politische Bewertung. Nicht die Frage, ob das nun eine Revolution ist. Das Ende des Merkelismus. Die Kanzlerinnen-Dämmerung. Nein, nur mal so: Wie kommt der Neue rüber, wie kommuniziert der, wie redet der?

Nach der Sensation in der Fraktion erklärt sich Brinkhaus den Medien. Ein Interview-Marathon. Bei Zamperoni im Ersten. Bei Kleber im Zweiten. Überall. Er ist vorbereitet. Er verhaspelt sich nicht. Er sagt einstudierte Sätze auf. Und er füttert, ähem, das Phrasenschwein.

Er verwendet alte Phrasen: Zwischen ihn und Angela Merkel passe kein Blatt Papier, sagt er. Er verwendet neue Phrasen: Ich bin fein damit, sagt er. Die eine Phrase steht für Kontinuität (Blatt Papier), die andere für Innovation (bin fein).

Manager-Sprech! McKinsey-­Deutsch! Brinkhaus empfiehlt sich, bewusst oder unbewusst, als Berater, Sanierer, Modernisierer (was ihn unterscheidet vom Zuchtmeister Kauder, aber das nur nebenbei). Berater sind schlau, weltläufig, sie sprechen Englisch. Oder Denglisch-Engleutsch, affig-anglizistisch. I’m fine with it = Ich bin fein damit.

Das ist: umgekehrtes Lübke-Englisch, so benannt nach Heinrich Lübke, dem zweiten Präsidenten der Republik (1959-1969), einem CDU-Politiker mit dürftigen Fremdsprachenkenntnissen, der viel und gern redete und sich auf seinen Auslandsreisen öfters rhetorisch verirrte. Die Kabarettisten, die Journalisten verspotteten ihn deswegen – mit gefälschten Zitaten. ­Equal goes ist loose = gleich geht es los, frohlockte Lübke angeblich. Und, ebenso angeblich, 1962 in Liberia: Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!

Inzwischen ist bekannt: Solche Klöpse waren Lübke-like, aber nicht echt. Reporter des Nachrichtenmagazins Der Spiegel haben sie wohl erfunden und gestreut, teils in fingierten Leserbriefen. Pfui! Überdauert hat die Bezeichnung Lübke-Englisch für komische, unbeholfene Eins-zu-eins-Übersetzungen.

Ach ja – keine Ahnung, ob Ralph Brinkhaus ein Highpotential ist und am Ende des Tages die Challenge wuppt. Wenn nicht: What shalls!?

Herzliche Grüße

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

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