Was ist los, liebe Wadenbeißer?!

Albern. Affig. Absurd. Best never rest – das Motto der deutschen Nationalelf, so holperdiestolper, so mies wie der Auftritt der Kicker bei der Weltmeisterschaft in Russland. Auf dem Platz (schlecht wie nie), neben dem Platz (zerstritten wie nie).

Die Blamage ist erschöpfend analysiert und besprochen worden. Von Joachim Löw und den anderen achtzig Millionen Bundestrainern, von den Fußballexperten an den Stammtischen, von den Ballkundigen in den Medien sowieso.

Alles gesagt, von allen. Sogar die beinharten Verteidiger vom Verein Deutsche Sprache haben sich gemeldet und den Deutschen Fußball-Bund abgewatscht: als „Sprachpanscher des Jahres“. Best never rest, das klinge wie die ungelenke Formulierung eines russischen Englischschülers im ersten Lernjahr, heißt es in der Begründung.

Aua. Das tut weh. Böses Foul. Blutgrätsche. Du liegst am Boden, schreist deine Schmerzen raus, ­neymarst dich von links nach rechts und von rechts nach links – und dann kommen so’ne intellektuellen Wadenbeißer und erklären dir, dass du doof bist. Weil du die Sprache verhunzt. Das hat gerade noch gefehlt. Und hastdunichtgesehen, heult das DFB-Management auf und greint: Wir waren’s nicht, den Spruch hat sich der Sponsor Mercedes ausgedacht. Mimimi auf Kreisklassen-Niveau? Nee, so weinerlich ist kein Kreisklassen-Spieler!

Und nun? Die Besten ruhen sich nie aus. Schon gar nicht die DFB-Strategen. Motto eingemottet. Und „Die Mannschaft“ wohl gleich mit, diesen missglückten Versuch, einen schicken Markennamen für die Auswahl zu etablieren, so schick wie Seleção (Brasilien), Albiceleste (Argentinien), Three Lions (England), Les Bleus (Frankreich) oder Azzurri (Italien).

Ob’s bald einen neuen Vorschlag gibt? Wer weiß. Bloß nichts, was irgendwie denglisch anmutet. Der Verein Deutsche Sprache mit seinem Boss Professor Walter Krämer (stammt aus der Eifel) läuft sich schon warm …

Obwohl: Die Heger und Pfleger des Teutonen-Sprechs haben zuletzt des Öfteren verblüfft und die  Ächtung von Anglizismen aufgegeben. Zumindest bei der „Schlagzeile des Jahres“. Mit dieser Aktion zeichnet der Verein Zeitungsmacher aus. Zitat: „Einmal dafür, dass sie das Wesentliche eines Beitrags in wenigen Worten zusammenfassen, und zweitens für ihre kreative Nutzung des wortspielerischen Reichtums, über den die deutsche Sprache nicht weniger als andere verfügt.“

So, so. Unter den gelobten und prämierten Top-Schlagzeilen 2017 finden sich kauderwelschende Überschriften wie „May Day“, „A Lidl bit crazy“ oder „The Schuh must go on“, zudem andere schräge Konstruktionen wie „Schiene con carne“. Von „Yes, we scan!“, dem Gewinner 2013, zu schweigen.

Ganz schön verdribbelt, liebe Sprachfreunde, und ins eigene Tor getroffen. Die einen ohrfeigen (wegen Panscherei), die anderen feiern  (wegen Panscherei). Hmm.

Trotzdem bitte nicht nachlassen, ihr wisst doch: best never rest.

Herzliche Grüße

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur