Nix los? Nur heiß? Von wegen!

Tja. Nix los, so scheint es. Nur heiß. Dreißig Grad aufwärts. Sommer. Und, wie alle Jahre wieder: Sommerloch, dieses oft besungene jahreszeitentypische Medienphänomen. Von jetzt auf gleich ist es da. Wie jedes Jahr.

Die Fußball-WM ist vorbei, die politische Klasse urlaubt, die Kreativen erholen sich vom Kulturzirkus – es passiert, gefühlt, viel weniger als sonst. Und es gibt, gefühlt, viel  weniger zu berichten als sonst. Keine Politiker, die sich zoffen, keine Gesetzesvorhaben, die Bürger auf die Barrikaden treiben, keine Debatten, die ermatten. Nix los. Nur heiß.

Alle Jahre wieder buddeln Journalisten im Sommerloch nette Nichtigkeiten aus. Das Ungeheuer von Loch Ness taucht auf, ein paar Hinterbänkler machen sich mit ungeheuren Ideen ungeheuer wichtig, Lobbyisten aller Art preschen mit ungeheuren Studien zur Rettung der Menschheit (und ihrer eigenen Interessen) nach vorne, und in irgendwelchen Baggerseen schnappen ungeheure Monsterwelse, Killerkrokodile oder Alligatorschildkröten nach den Badegästen. Brrr!

Es ist wie ein Naturgesetz: Dem tiefen, dunklen Schlund des Sommerlochs (englisch „silly season“) entsteigen allerlei seltsame Gestalten. Wundersame Geschichten tun sich auf, die in anderen Zeiten nie erzählt würden. Und für so manche „saure Gurke“ findet sich ein Sendeplatz oder eine Ecke in den Blättern.

Warum denn auch nicht!? Ein bisschen Abwechslung zu den donaldesken Kapriolen und nervigen Horstiaden, mit denen uns die üblichen Verdächtigen, die Trumps und Seehofers dieser Welt, tagtäglich traktieren, schadet nicht.

Alles also gar nicht so schlimm. Das Sommerloch ist, behaupte ich, für viele Journalisten bloß eine Ausrede. Nix los? Ach was! Strengt euch an, recherchiert auch und gerade in diesen heißen Wochen für eure Leser, Zuschauer und Zuhörer eigene Geschichten – unabhängig davon, wer gerade in Berlin oder Mainz oder Trier zu einer Pressekonferenz lädt!

Ich finde, das Angebot im Volksfreund kann sich sehen lassen: spannende, schön geschriebene, unterhaltsame Storys aus der Region Trier-Eifel-Mosel-Hunsrück, für die jetzt reichlich Platz ist.

Von wegen: nix los. Von wegen: nur heiß. Und wenn uns im Sommerloch gar gar gar überhaupt nix mehr einfällt, schreiben wir halt: übers Sommerloch.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur