Es marxt. Und marxt. Und marxt.

Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Es marxt in Trier und um Trier herum. Es marxt an allen Ecken. Es marxt ohne Ende.

Alles gesagt zu dem Mann? Alles gelesen? Alles analysiert? Entzaubert? Entlarvt? Entmystifiziert?

Hmm. Was Sie schon immer über Marx wissen wollten, aber nie zu fragen wagten – beantwortet die große, großartige Marx-Schau in Trier. Na ja, viele Fragen, nicht alle. Der alte Rauschebart regt die Fantasie an, und neben dem Marx-Mainstream gibt’s unzählige verrückte Geschichten, Gedanken und Gespinste.

Der Schriftsteller Leon de Winter etwa entfaltet in seinem Roman „Leo Kaplan“ (1986) eine Theorie, warum es mit dem Klassenkampf nicht klappt: „Man hat die revolutionären und konterrevolutionären Aspekte von Toilettenpapier viel zu lange aus dem breiten Horizont progressiven Denkens ausgeklammert“, fabuliert er. „Ob Marx, Lenin, Gramsci, Trotzki oder Mao, keiner der großen Revolutionäre hat sich auch nur mit einer Zeile über diese eine, so zentrale Rolle ausgelassen. Warum haben die revolutionären Massen in England, Wales und Schottland nie ihre Ketten abgestreift? Weil es bei ihnen für die Entwicklung eines revolutionären Bewusstseins noch zu früh war? Nein. Weil sie, auf dem Klo sitzend, nach Herzenslust an der Rolle ziehen und sich mit einer ganzen Handvoll Papier die Kackreste vom Schließmuskel abwischen konnten. Psychologen weisen darauf hin, dass die ,anale Fixierung’ zwar längst zu ihrem Vokabular gehöre, die sogenannte politische Übersetzung dieses menschlichen Phänomens jedoch bisher gefehlt habe. Die Verfügbarkeit von Klopapier scheint ausschlaggebend für Ruhe und Ordnung in einem Land zu sein.“

Wieder was gelernt: Revolution geht durch den Magen (und den Darm). Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

Marx litt an Akne, Abszessen und Furunkeln, besonders am Allerwertesten – äußerst schmerzhaft, äußerst quälend. Im Alter konnte er oft nur liegend schreiben. Manche meinen, dass die bösen Wucherungen seinen Geist malträtierten. Weil das Sein das Bewusstsein bestimmt. Kranker Mann, kranke Theorie? Marx selbst hoffte, dass „die Bourgeoisie ihr ganzes Leben lang an meine Karbunkeln denken wird“.

Schluss mit diesen ekligen Phantasmagorien! Ich mache jetzt auf in die Trierer Museen und lasse mich inspirieren, vom wahren, vom echten, vom ultimativen Karl Marx. Wir sehen uns – in der Marx-Maschine, im nachgebauten Studierzimmer Oswald von Nell-Breunings, vor der Selfie-Wand im Marx-Haus.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

 

Ein Gedanke zu „Es marxt. Und marxt. Und marxt.

  1. Danke Herr Reinhart !
    Diese Marx-Anal yse hat wirklich noch zur Feier des Tages gefehlt !

Kommentare sind geschlossen.