Wänn jedär schraipt wi er will

Eine Frage der Ehre, und noch ein bisschen mehr: Beim Diktatwettbewerb „Trier schreibt!“ haben Schüler, Eltern und Lehrer bewiesen, dass es kein Hexenwerk ist, knifflige Herausforderungen der Orthografie und Grammatik zu meistern. Der Volksfreund hat über die Aktion berichtet. Zu dem Artikel „Übung macht den (Rechtschreib-)Meister“ (TV vom 12. April) merkt Leser Hanns-Georg Salm aus Gondenbrett an:

Wer hätte gedacht, dass die deutsche Rechtschreibung jemals wieder salonfähig würde, nachdem sie jahrzehntelang als Herrschaftsinstrument angesehen wurde und als verpönt aus den Schulen verbannt war. Trotzdem zum Diktattext eine kritische Anmerkung: „faible“ heißt schwach und „faiblesse“ die Schwäche. Dass wir im Deutschen „faible” verwenden, wenn wir Schwäche meinen, ist schlicht falsch und sollte gerade in einem solchen Text, in dem es auch um korrekte Ausdrucksweisen geht, nicht unbeachtet bleiben.

Lieber Herr Salm,

besten Dank für Ihren Hinweis. Ich war in der Jury des Wettbewerbs, den die Nikolaus-Koch-Stiftung organisiert hat. Mein Eindruck: Das ist eine feine Sache, weil es gelingt, sportlich-spielerisch die Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken, das allzu viele allzu leicht ignorieren: gutes Deutsch, besseres Deutsch – gar nicht so schwierig, wenn man sich anstrengt.

Null Fehler hat keiner der ehrgeizigen Diktat-Sportler geschafft. Nicht schlimm: Niemand ist vollkommen, selbst die Duden-Redaktion nicht. So viele Zweifelsfälle, so viele Varianten. DIE eine deutsche Rechtschreibung gibt es – streng genommen – sowieso nicht. Der Duden ist nicht verpflichtend, nicht verbindlich, so wenig wie andere Wörterbücher. Das Bundesverfassungsgericht hat geurteilt, dass die amtlichen Regeln nur für begrenzte Teile der Schriftproduktion maßgeblich sind (etwa Behördendokumente, Schule). Ansonsten: Wie es euch gefällt, ist doch egal. Hmm.

Krasse Vorstellung: Wenn jeder sich seine eigene Sprache bastelt, wenn die Grundlagen nicht für alle dieselben sind, wird’s schwierig mit der Kommunikation.

Mein Weckruf: Bitte schlampt nicht, bitte schludert nicht, denn: Wänn jedär schraipt wi er will, vastähd irgennvann kaina meer was. Däshlab is goreckde Räschdschreipung wischtsch.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur