Herrlich, wie das knistert!

Der beste Ferrari, der je gebaut wurde, ist der nächste. Klingt widersprüchlich, ist aber schlau – mit dem Paradoxon erklärte der italienische Sportwagen-Konstrukteur Enzo Ferrari in einem Satz seine Philosophie: nie auf Erfolgen ausruhen, sondern versuchen, jedes  Modell noch großartiger, noch aufregender, noch edler zu fabrizieren als das davor.

Ob seine Leute das immer hingekriegt haben, mögen die Ferraristi entscheiden. Die Automarke ist jedenfalls zum Mythos geworden und ein Mythos geblieben.

Grazie mille, Signore Ferrari, tutto bene. Ich wandle Ihren Leitgedanken ein bisschen ab und sage: Die beste Zeitung, die je gemacht wurde, ist die nächste. Was gedruckt ist, ist gedruckt (oder im Internet veröffentlicht). Es ist das Neueste, Spannendste, Wissenswerteste, das der Redaktion eingefallen ist. Am nächsten Tag die nächste Ausgabe …

Völlig klar, dass die Auswahl nicht alle Leser gleichermaßen begeistert. Wäre ja auch seltsam. Die einen interessieren sich für Politik, die anderen für Oper, wieder andere für Fußball, für die Schönen, Reichen und Berühmten, für die Lotto-Zahlen, für Sonderangebote, für Trauer-Anzeigen. Immer wieder ertönen Rufe: Mehr Politik! Mehr Oper! Mehr Fußball! Mehr dies! Mehr das! Ein Ding der Unmöglichkeit. Die Informationsflut ist chaotisch, nur ein Bruchteil der Nachrichten, die um den Globus rasen, „passt“ in die Zeitung.

Aufgabe der Redaktion: recherchieren, sortieren, aufbereiten, deuten, das Publikum überraschen – und nicht jeden Tag denselben Brei anrühren!

Bei der Entscheidung, was wichtig ist und was nichtig, orientieren wir uns am größten gemeinsamen Nenner: den lokalen und regionalen Nachrichten – für 90 Prozent der Volksfreund-Leser unverzichtbar. Das, was unmittelbar vor der Haustür geschieht. Themen, über die man in Trier, in der Eifel, im Hunsrück und an der Mosel spricht. Informationen, die es sonst nirgendwo gibt.

Ein Indiz, dass die Mischung stimmt, liefern die Rückmeldungen. Zum Beispiel: Leserbriefe. Mehr als tausend Zuschriften jedes Jahr, Tendenz steigend. Ein großer Korb voller Meinungen zum Zeitgeschehen, voller Denkanstöße, voller Anregungen. Manche Leser loben (zu Recht). Manche Leser kritisieren (zu Recht). Wunderbar!

Seit einigen Wochen quillt das elektronische Postfach beinahe über. Deshalb dauert es bis zur Veröffentlichung länger oder es kommt gar nicht dazu, weil die Menge der Zuschriften so groß ist. Ich hoffe auf Ihr Verständnis.

Anscheinend gelingt es, mit den Titeln, Themen, Thesen, die wir setzen, für Gesprächsstoff zu sorgen. Mit Geschichten, die Zuspruch hervorrufen, mit Geschichten, die Widerspruch hervorrufen. Karl Marx, die katholische Kirche, bissige Hunde, große Politik, kleine Politik …

Das Meinungsfeuer brennt. Reibung erzeugt Wärme.  Herrlich, wie das knistert und knastert! Grazie mille, vielen Dank, liebe Leserin, lieber Leser. Lassen Sie die Funken sprühen!

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur