Pathologische Pöbleritis

Liebe Leute! Ich weiß nicht eure Namen, ich kenne nicht euer Ziel. Ja, ihr seid gemeint, ihr anonymen Stinkstiefel, die ihr Häme, Hass und Hetze auskübelt. Ihr fiesen Möpse!

Rege ich mich auf? Nö. Habe ich Lust darauf, mich mit diesen Prolls und ihrer pathologischen Pöbleritis zu befassen, schon wieder? Nö.

Dennoch sage ich ein paar Worte dazu, auf  Wunsch einiger Leserbriefschreiber. Nach Veröffentlichung ihrer Texte sind sie von Unbekannten beschimpft, beleidigt, bedroht worden. Telefonanrufe, Pamphlete in Briefkästen und so.

„Das macht mir Angst“, sagt beispielsweise Frau XYZ. „Es ist widerlich und erschreckend. Erklären Sie den anonymen Schreiberlingen doch bitte mal, dass wir in einem Rechts­staat leben. Jeder darf seine Meinung frei äußern, niemand darf andere deswegen belästigen, einschüchtern, terrorisieren.“ So ist es.

Familie ABC liefert kontaminierte Proben, die sie in ihrer Post gefunden hat: „Immer dieselbe Scheiße … braune Soße … ohne Gehirn nur dumm daherschreiben.“ Und so weiter. Feige, hinterhältig, niederträchtig. „Was sollen wir tun?!“

Ärgerlich, was diese Übelkrähen veranstalten. Schlechter Stil, mindestens, und wenn’s kriminell wird, ein Fall für die Justiz. Dass es gelingt, die boshaften Vögel zu entlarven, ist allerdings unwahrscheinlich. Meine Empfehlung: cool bleiben, ignorieren, drüberstehen –  lassen Sie sich nicht unterkriegen!

Geschimpft wird seit je, das ist nichts Neues. Wir erleben solche Attacken in der Redaktion fast täglich. Und fragen uns jedes Mal: Was sind das für Leute, die nicht den Mumm aufbringen, ihren Namen zu nennen, aber ohne Sinn und Verstand losplärren und Wut schnauben, als gäbe es kein Morgen?

Wirklich schade: Der Ton wird rüder, die Hemmschwelle sinkt, die Streitsucht wächst. Wissenschaftler haben herausgefunden: Viele der aggressiven Anonymen haben eine sadistische und psychopathische Persönlichkeitsstruktur. Sie sind: gestört. Und nerven, bis der Arzt kommt.

Wer seine Meinung in öffentliche Debatten wirft, muss damit rechnen, dass sich Widerspruch regt – völlig okay. Sagen Sie, was Sie zu sagen haben. In dieser Zeitung darf jeder sein Herz ausschütten, meinetwegen gnatzen und granteln und grollen – aber nicht anonym, nicht inkognito. Nur zu, nur Mut!

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

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