Elf Freunde, alle Linksaußen

Es ist erstaunlich, was dieser Karl Marx aus Trier, von dem dauernd die Rede ist, zustande gebracht hat. Er war Berufsrevolutionär, Journalist, Gesellschaftstheoretiker, Ökonom, Kapitalismuskritiker, Erfinder des Marxismus (angeblich ohne selbst Marxist gewesen zu sein), Vordenker der Arbeiterbewegung, Ikone des Kommunismus, Lieblingsmodell von Bildhauern … und Fußballphilosoph.

Ja, Fußballphilosoph. Also nicht direkt, nicht so ein brillanter Kopf wie Jogi Löw oder Lothar Matthäus oder Jürgen Klinsmann. Aber: Er hat die Balltreterei mit seiner Lehre beeinflusst, der Karl Marx aus Trier.

Moment mal, werden Sie jetzt einwenden, davon habe ich noch nichts gehört und nichts gelesen, obwohl über den Mann und sein Leben und sein Werk und seine Wirkung ja rauf und runter berichtet wird und demnächst sicher noch mehr, weil doch zum zweihundert­sten Geburtstag (5. Mai) die große Ausstellung mit viel Tamtam und überhaupt …

Stimmt, über Marx ist fast alles gesagt, von fast allen, jedoch hat  die Forschung seine Bedeutung für die Kunst des Kickens bislang weitgehend ignoriert. Es geht, typisch Marx, um Klassenkampf. Immer dasselbe Spiel, seit Urzeiten: Freie gegen Sklaven, Patrizier gegen Plebejer, Barone gegen Leibeigene, Zunftbürger gegen Gesellen, Millio­narios vom FC Bayern gegen arme Schlucker vom FC St. Pauli, kurz, Unterdrücker gegen Unterdrückte.

Den dänischen Künstler Asger Jorn (1914-1973) hat dieses ewige Ringen genervt. Er wollte die Marx’sche Dialektik überwinden und entwickelte: den dreiseitigen Fußball. Sechseckiges Spielfeld, drei statt zwei Teams, wer die wenigsten Tore kassiert, gewinnt. Wird hie und da von irgendwelchen Anarchisten gespielt, heißt es. Und hätte Marx, dem alten Taktik-Tüftler, gefallen. Ebenso wie die Karikatur eines unbekannten Meisters, vermutlich kurz nach der Oktoberrevolution in Russland entstanden, die den Rat der Volkskommissare zeigt – als Fußballmannschaft. Marx ist Spielführer, mit dabei Lenin, Trotzki und andere Genossen. Die Trikots schwarz-weiß gestreift, Hammer und Sichel als Logo. Das Problem: elf Freunde (na ja!) in kurzen Hosen, und alle spielten auf Linksaußen. Das konnte ja nix werden …

Sportliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur

Ein Gedanke zu „Elf Freunde, alle Linksaußen

  1. Man kann völlig unterschiedliche Meinungen über Karl Marx aus Trier hören, aber man muss zugeben, dass er einen großen Beitrag zu unserer Geschichte geleistet hat.

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