Der Stoff, aus dem die Träume sind

Im Supermarkt, zwischen Wursttheke und Käsetheke, klopft mir ein älterer Herr auf die Schulter und sagt: Sie kennen mich nicht, aber ich kenne Sie. – Ich: Schön, Sie zu treffen. – Er: Ich kenne Sie aus  der Zeitung, das Foto, die Kolumne. – Ich: Ja, ich bin’s. – Er: Was ich schon immer mal fragen wollte: In der Welt ist unheimlich viel los, ihr Zeitungsleute braucht doch bloß abzuwarten, was geschieht, und der Rest erledigt sich von alleine, oder? – Ich: Na ja, ganz so einfach ist es nicht …

Habe mit dem netten Herrn noch ein bisschen über das Nachrichtengeschäft geplaudert. Ist ja auch spannend: Wo kommen all die Nachrichten, all die Geschichten her? Es gibt solche, die einfach passieren, ohne unser Zutun. Wir sammeln sie auf, wir recherchieren sie, wir deuten sie, wir erzählen sie, vielleicht versehen wir sie mit  einem besonderen Dreh, vielleicht laden wir sie mit Meinung auf. Und es gibt solche, die erst zu einer Nachricht, zu einer Geschichte werden, weil wir sie planen, weil wir sie dazu erklären.

Wie das?!

Beispiel: Das Drama der deutschen Sozialdemokratie. Ist einfach da, passiert einfach. Unlösbare Konflikte, tragische Helden, Verrat, Intrigen, Irrungen und Wirrungen, ein mitfieberndes, mitleidendes Publikum – das ist der Stoff, aus dem die (Journalisten-)Träume sind.

Die SPD liefert nicht jeden Tag eine saftige Geschichte, obwohl es mitunter den Anschein hat, als würde sie sich lustvoll darum bemühen (auch nicht die CDU oder Trump oder Putin oder wer auch immer). Darauf zu hoffen, dass irgendeine atemberaubende Neuigkeit vom Himmel fällt, ist gewagt.

Deshalb plant die Redaktion. Passiert etwas Bedeutsames, berichten wir darüber. Passiert nix, haben wir etwas vorbereitet.

Beispiel: Die Kulturmacher. Von uns erdacht. Ein neues Format, startet nächste Woche als ständige Rubrik. Die Idee: Geschichten über Menschen, die in unserer Region „in Kultur“ machen, anders erzählt als üblich. Kunst, Musik, Theater. Was treiben sie, was treibt sie an, was treibt sie um? Es geht los mit dem „Kunstverein Trier Junge Kunst“. Ganz viele Geschichten über engagierte Kulturmacher werden folgen. Das ist der Plan.

Herzliche Grüße, wir sehen uns!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur