Ach, diese Petrolheads

Pomp, Pathos, Protzerei: Leser Rudi Uhl aus Trier ist genervt von einer speziellen Variante des Journalismus. Er schreibt:

Verzeihen Sie die drastischen Worte, aber seit Jahren ärgere ich mich über die hirnlosen Darstellungen in den Automobil-Rezensionen. Es kotzt mich an, wie dieser Tage wieder auf eine Jubelmeldung zu stoßen, dass der Absatz weltweit ansteige bei einer an sich ganz und gar gewöhnlichen Familienkutsche (Audi A4 Kombi), die aber dank der Genialität deutscher Automobilingenieure „mit einem modernen V6-Benzinmotor“ auf einen Ausstoß von 199 Gramm CO2 pro Kilometer kommt. Ich will das nicht weiter ignorieren, und ich finde, auch bei Ihnen muss die Ignoranz da irgendwann mal Grenzen kennen. Ich würde mich freuen, wenn die Konsequenzen von Ihrer Seite gezogen werden könnten.
Hochachtungsvoll träfe die Sache wohl nicht richtig, aber meine Hochachtung weiterhin all jenen, die sie verdienen.

Lieber Herr Uhl,

vielen Dank für Ihre Mail. Die Kritik ist berechtigt. Was manche Motorjournalisten von sich geben, ist unsäglich. Unsäglich langweilig, wenn sie den Waschzettel mit technischen Daten der Vehikel abpinnen. Unsäglich dreist, wenn ihre Texte wie Werbung anmuten. Unsäglich albern, wenn sie sich in poetischen Metaphern verlieren und die Erotik der Blechkarossen preisen, als gelte es, der Venus von Milo zu huldigen. Ach, diese Petrolheads …

Grundsätzlich: Viele Menschen interessieren sich für Autos, und die Medien bedienen dieses Interesse. Sie berichten über neue Modelle, neue Motoren. Sie bringen Tests und Tipps. Sie liefern Stoff für alle, die sich für Technik begeistern – egal ob für Henry Fords Tin Lizzy oder für Elon Musks elektrifizierten Tesla.

Es kommt darauf an, wie man’s macht. Bitte nicht schönschreiben, bitte schön schreiben. Fundiert informieren, ehrlich und transparent (die Testwagen werden meist von den Konzernen gestellt), meinetwegen ein bisschen träumen.

Und wenn mal wieder sämtliche Pferdestärken mit einem Motorjournalisten durchgehen: Lächeln Sie’s weg, das entspannt die Lage – wie im Stop-and-go auf unseren verstopften Straßen …

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur