Ein Pamphlet aus dem Netz

Caramba! Das gibt’s doch nicht! Schon wieder! Ausgerechnet diejenigen, die von „Mainstream“ und „Lügenpresse“ schwadronieren, von „Medienmafia“ und „gleichgeschalteter Meinungsindustrie“,  die uns Journalisten unterstellen, wir würden lügen … ausgerechnet diejenigen versuchen, uns zu betuppen. Etwa mit gefälschten Leserbriefen.

Beispiel: Eine Zuschrift zur Bluttat von Kandel, wo kurz nach Weihnachten ein Mädchen in einer Drogerie mit Messerstichen so schwer verletzt worden ist, dass es im Krankenhaus starb. Mutmaßlicher Täter: der Ex-Freund, ein angeblich 15 Jahre alter Flüchtling aus Afghanistan.

Ich tue, was ich immer tue, bevor ich einen Text veröffentliche: Quelle prüfen, Inhalt prüfen. Die Meinung: stramm rechts. Wer ist der Autor? Ein Mann von der Mosel. Neu im Leserland, hat sich zuvor nie geäußert. Recherche im Internet. Er mag wohl die AfD, besonders Frau Weidel und Frau von Storch. Meinetwegen.

Was schreibt er denn so? Er beschimpft die Kanzlerin wegen ihrer Einwanderungspolitik, er beschimpft die Zivilgesellschaft, die Flüchtlinge willkommen heißt, er beschimpft die Eltern des getöteten Mädchens. Jetzt wird’s eng. Die Meinung ist frei, aber … mit dem Text stimmt etwas nicht! Ein Auszug:

[…] In Kandel organisierten ehrenamtliche Flüchtlingshelfer sogar „Kennenlernabende“ von deutschen Mädchen mit den angeblich minderjährigen männlichen „Flüchtlingen“; einige der verstörenden Bilder der Backfische mit den augenscheinlich erwachsenen Einwanderern, denen sie vorgeführt wurden, finden sich noch im Internet. […]

Aha, im Internet. Flugs gegoogelt. Sieh’ an: Der Autor des Leserbriefs ist gar nicht der Autor, der Text ist geklaut. 333 Wörter. 60 Zeilen. Eins zu eins abgepinnt.

Das Pamphlet steht in Blogs, auf Facebook – und auf der Seite des Dresdner Kreisverbands der Alternative für Deutschland, die den Rechtsanwalt Dr. Maximilian Krah als Urheber ausweist. Genug …

Sie erwarten, liebe Leser, dass wir wahrhaftig berichten; Sie erwarten, dass wir aufrichtig berichten; Sie erwarten, dass wir ehrlich berichten. Meine Bitte: Schreiben Sie uns Ihre Meinung –  so wahrhaftig, aufrichtig und ehrlich, wie Sie das von uns Journalisten zu Recht einfordern!

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur