Willkommen im Winterwunderland

Oje! Ojemine! So sieht sie also aus, die Apokalypse: lustige Flocken, die sanft vom Himmel rieseln, sich auf rätselhafte Weise zusammenballen und Deutschlands Straßen in eine furchterregende Hölle aus Schnee und Eis verwandeln. Als wären Luftlawinen niedergeprasselt, versinkt die Nation der Dichter, Denker und Autofahrer im Chaos. Jawohl: Chaos. Das Wort dröhnt uns aus allen Medien, auf allen Kanälen entgegen. Chaos. Der Beginn einer neuen Eiszeit und der Anfang vom Ende? Brrrr!

Der Verkehrsfunk verbreitet Angst und Schrecken: Stau hier, Stau da, lassen Sie eine Gasse frei für die Räumfahrzeuge, wer nicht dringend von irgendwo nach nirgendwo muss, soll zu Hause bleiben. Bittebitte.

Stillstand. Bleierne Zeit. Es geht nicht vorwärts und nicht zurück. Menschen sitzen in ihren Karossen fest. Und frieren und fluchen. Vor sich eine weiße Wand, schier unüberwindlich, zentimeterhoch. Das Auto, Sinnbild von Mobilität und Freiheit, ein Gefängnis.

Durchhalteparolen aus dem Radio. Die Dampfplauderer spenden Trost, spielen Musikwünsche von Eingeschlossenen, die sich per Smartphone melden, und senden Grüße, die klingen, als wären es die letzten („Ich habe Dich immer geliebt, mein Schatz!“).

So viel Elend, so viel Not auf dieser Welt. Terror, Trump und Tralala. Und nun das: Schnee-Chaos in Deutschland. Wir haben immer gedacht, uns kann nichts passieren! Ach, es ist grauenvoll.

Experten analysieren die Lage, allen voran die von der Wetter-Front. Kann sein, dass es weiter schneit, heißt es. Kann aber auch nicht sein. Wehe, wenn die Russenpeitsche knallt. Sie zeigen auf Hochs und Tiefs, rechnen und gestikulieren und deuteln. Sinnlos. Auf die Meteorologen und ihre Prognosen hört eh niemand. Sonst hätten sich die Autofahrer ja nicht in den Schnee gewagt – mit nichts als vier läppischen Sommerreifen unter dem Hintern.

So sieht sie also aus, die Apokalypse. Endzeitstimmung in Deutschland. Chaos. Totales Chaos. Dabei ist doch nur: Winter.

Zwinker, zwinker, liebe Leser, ich wünsche Ihnen eine schöne, entspannte, besinnliche Zeit! Nach den Weihnachtstagen sehen, hören, schreiben, lesen wir uns wieder!

Peter Reinhart

Stellvertretender Chefredakteur