In der Eifel weltberühmt

Niemand weiß, wer damit anfing. Der Volksmund, heißt es. Niemand weiß, wann es begann. Fest steht: Vor etwas mehr als sechs Jahren tauchte der Begriff in dieser Zeitung auf: „Blaue Lagune“, ein Beiname für die Tankstelle in der Trierer Ostallee. Witzig, irrwitzig, einprägsam.

Damals entbrannte der Streit, ob diese Tankstelle dahin gehört, wo sie (noch) ist, oder ob sie verschwinden soll. Petrolheads zankten mit Ökofreaks, Nachtschwärmer zankten mit Anwohnern, Traditionalisten zankten mit Modernisierern. Jahrelang. Und immer heftiger. Anscheinend ein wichtiges Thema. So wichtig, dass jetzt sechsundachtzigtausend Trierer aufgerufen sind, über die Zukunft der Tankstelle zu bestimmen. So wichtig, dass überregional darüber berichtet wird, etwa in der Süddeutschen Zeitung. Der erste Bürgerentscheid in Deutschlands ältester Stadt. Wegen, ähem, einer Tanke.

Diese Kolumne widme ich: dem Volksmund. Dem Volksmund, der spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Blau ist die Farbe der Tankstellenkette. Und Lagune, ah, eine Verheißung, das Kopfkino springt an: Sonne, Sand, Meer, Mojito, Cuba Libre …

Okay, es ist ein beschönigender Name. Der Tankstellenfreund, der zuerst davon raunte, hatte wohl die „Blaue Lagune“ im Sinn, jenen schmalzigen Hollywoodfilm aus den frühen Achtzigern mit Brooke Shields und Christopher Atkins, den ein Kritiker als „Pornographie für Menschen, die zu Bücherverbrennungen gehen“ bezeichnete, und als „eine Sexfantasie so züchtig wie Ihr Klavierlehrer aus der dritten Klasse“.

Der Film, die Fantasie, das Feeling: Die „Blaue Lagune“ ist eine Metapher, die immer wieder mal von irgendwem aus dem Fundus gezogen wird – und offensichtlich ankommt. Manche weltberühmt (die  „Bláa Lónið“, ein Thermalbad auf Island). Manche in der Eifel weltberühmt (ein Etablissement in Bitburg, eher rot als blau, und, hört, hört, eine Tankstelle in der Saarstraße). Und manche da, wo keiner sie vermutet: Der Naturforscher Alexander von Humboldt spürte einst im Dolomitsteinbruch von Pelm bei Gerolstein den legendären fossilen Dreilappern nach – in der mitteldevonischen „Blauen Lagune“.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart