Als gäbe es kein Morgen

Nur so eine Idee: die Sprache ändern, besser machen, mit dem Ziel, die Welt, die Menschen zu ändern, sie besser zu machen. Funktioniert das?

Es gibt Momente, in denen uns die Aussagekraft von Wörtern bewusst wird – wahrhaftig, aber auch verräterisch, meint Kurt Weiser aus Herforst. Wir sprechen vom „Verbraucher“ und meinen uns, die wir „verbrauchen“, also verschwinden lassen oder in einen weniger wertvollen Zustand versetzen, wie das Auto zu Schrott oder Wertstoffe zu Abfall. Da wir aber langsam begreifen, dass die uns zur Verfügung stehenden Mittel nicht unendlich sind, sollten wir beginnen, über die Wörter „Verbraucher“ und „verbrauchen“ nachzudenken. Im Umgang mit neuen Technologien gibt es ja schon den Begriff „User“, also Nutzer, das wäre doch eine Möglichkeit, uns als Nutzer zu begreifen, oder noch besser, uns den wahren Inhalt des Wortes „Verbraucher“ bewusst zu machen, sodass wir mehr und mehr versuchen, nur dann zum Verbraucher zu werden, wenn dies nicht anders machbar ist oder den Verbrauch so zu gestalten, dass der Abfall verwertet werden kann.

Lieber Herr Weiser,

das ist ein spannendes Thema. Wie nehmen wir die Welt wahr? Wie versuchen wir, sie zu erklären, zu begreifen? Wie füllen wir sie mit Bedeutung? Mit Hilfe eines Superwerkzeugs: der Sprache.

Dank der linguistischen Forschung wissen wir: Sprache bestimmt das Bewusstsein. Sprache formt das Denken. Aus dem Bewusstsein, aus dem Denken, entsteht Handeln, entsteht Tun, entsteht unsere Vorstellung von Welt und Raum und Zeit.

Etwa so, sagt die Psychologin Lera Boroditsky von der Stanford University: Für Europäer, die es gewohnt sind, von links nach rechts zu schreiben, liegt „früher“ links von „später“; für Araber ist es umgekehrt, sie ordnen die Zeit von rechts nach links; australische Aborigines verorten „früher“ im Osten. Sprache konstruiert Wirklichkeit, und die sehen Europäer anders als Araber anders als Aborigines – weil die Sprachen verschieden sind.

Und das Wort „Verbraucher“? Beeinflusst es unser Handeln, unser Tun, wenn wir es sprechen, schreiben, denken? Oder „verbrauchen“ wir die Ressourcen sowieso, als gäbe es kein Morgen, ganz egal wie wir das benennen? Wären wir womöglich vernünftiger, wenn wir als „Nutzer“ sprechen, schreiben, denken würden?

Ich fürchte, das klappt nicht.

Der „Verbraucher“ hat sich überall eingenistet, in der Volkswirtschaft, in der Betriebswirtschaft, in der Energiewirtschaft, in der Politik, im Bürgerlichen Gesetzbuch (Paragraf 13). Und als „Otto Normalverbraucher“ verkörpert er, wie sein Kumpel vom Amt namens „Max Mustermann“, den Durchschnittsdeutschen.

Einfach so wegzaubern lassen die sich nicht.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Ein Gedanke zu „Als gäbe es kein Morgen

  1. Das Wort „altenlieb“ ist kein Markenwort, das vorweg.
    Es soll in die Sprache, Wirklichkeit werden, benutzt.
    Funktioniert das, dass Sprache Wirklichkeit schafft?
    Dann macht man keine Versuche an den ganz wehrlosen Alten, wie der Bundestag beschlossen hat – nicht heimlich, aber still.
    Versuche an Tieren verpönt, an Säuglingen, Kindern und verboten.
    Da bleiben die Alten in der Demenz. Sie sollen zurücktreten können. ??
    Aber das geht nicht…
    Ganz schön perfide und die Kirche läuft nicht Sturm.
    Das tat und tut sie ja nie.
    Da muss man mal reformieren.

Kommentare sind geschlossen.