Gruß von Elli, wirklich unerhört

Oh là, là! Diesmal wird’s deftig! Liebe Kinder, bitte nicht weiterlesen! Auf gar keinen Fall! Was Frau M. wissen will, nein, das ist nichts für euch.

Von vorne. Es gibt Tage, berichtet Frau M., die sind von Anfang an vermurkst. Du wachst auf, und, na ja, wie das so ist. Mama sagte dann immer: Alles Scheiße, deine Elli. Was ist das für ein Spruch, fragt Frau M. Stimmt es, dass der von Schopenhauer ist? Steht jedenfalls im Internet!

Schluck. Keine Ahnung. Im Internet steht alles. Und nichts. Ein bisschen gegoogelt. Schopenhauer, Elli, Scheiße – tatsächlich, da finden sich ein paar Hinweise.

Ein Feldpostbrief an einen Soldaten im Zweiten Weltkrieg wird angeführt, ein bisschen über die Fliegerin Elly Beinhorn spekuliert, und auf der Seite chefkoch.de unterhält sich ein Trupp von Topfguckern über das Mysterium. Hmm, mehr nicht?!

Jemand fabuliert in einem Redensarten-Index: „Stark vereinfacht ist die Hauptaussage in Schopenhauers Gesamtwerk in etwa: Alles Scheiße, deine Elli. Angeblich soll sein negatives Weltbild nur daher gekommen sein, dass er bei Frauen so schlecht ankam.“ Ah, der Philosoph tritt auf, der Griesgram, der Pessimist. Aber: Das ist kein Satz von ihm, das ist ein Satz über ihn.

Ein anderer Kundiger zitiert aus einem Karnevalsschlager der zu Recht vergessenen Clo-Schahs aus den 1970er-Jahren: „Alles Scheiße, deine Elli / schrieb sie mir im letzten Brief / denn es blieb nicht ohne Folgen / als ich neulich bei ihr schlief.“ Auf YouTube ist die Nummer zu besichtigen: https://www.youtube.com/watch?v=iFEtOJqfFIs

Und nun?! Arthur Schopenhauer (1788-1860) hat mit alldem nichts zu tun. Der Philosoph rät, selbst zu denken – und nicht jeden Mist zu glauben, der irgendwo geschrieben steht (als ob der alte Aphoristiker geahnt hätte, was das Internet und sein allwissender Algorithmus mit uns anstellen).

O-Ton, und der ist echt: „Nur die eigenen Gedanken haben Wahrheit und Leben; denn nur die eigenen Gedanken versteht man. Fremde, gelesene Gedanken sind geschissene Scheiße.“

Entschuldigung! Wirklich unerhört, diese Philosophen …

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart