Geben Sie Gedankenfreiheit!

Sie sind auf der Suche? Dachte ich mir, sonst würden Sie diese Kolumne nicht lesen. Auf der Suche nach Ideen und Inspiration? Nach Erkenntnis und Erleuchtung? Nach Sinn und Sinnlichkeit? Psst, ich hätte da etwas für Sie. Und das Schönste daran: Sie haben die Wahl!

Nein, ich meine nicht die Bundestagswahl. Da machen Sie sowieso mit, ich zähle auf Sie (auch wenn Ideen und Inspiration, Erkenntnis und Erleuchtung, Sinn und Sinnlichkeit in der Politik oft nicht leicht zu entdecken sind).

Also, anderer Vorschlag: Sie gehen ins Theater. In Trier.

Ach, wie langweilig, denken Sie. Die alten Geschichten. Für alte Leute. Und überhaupt: Haben die sich zuletzt nicht schrecklich gezofft? Der eitle Intendant gefeuert, der überforderte Kulturchef der Stadt gleich mit, kein Geld, kein Konzept. Und dort soll ich hin? Ja!

Nach all dem Theater ums Theater, nach all dem Zetermordio um Köpfe, Kunst und leere Kassen, nach all dem Firlefanz heißt es jetzt (Achtung, abgedroschene Metapher): Vorhang auf für den Neuanfang! Ob der gelingt? Keine Ahnung, aber eins weiß ich: Die Theatermacher tun alles dafür. Sie haben einen Plan, sie kämpfen um das Publikum, sie haben eine Chance verdient.

Komödien und Tragödien, Opern und Operetten, Tanz, Konzerte, Weltmusik, Musicals, Märchen, Mythen  – diese Wahl ist keine Qual. Auf geht’s! Zum Theaterfest am Samstag ab 14 Uhr. Reinschnuppern, ausprobieren, Spaß haben. Ich bin dabei.

Nächste Woche Brechts Dreigroschenoper. Und der Haifisch, der hat Zähne. Ätzende Kapitalismuskritik. Ich bin dabei.

Oder Schillers Don Carlos, ab Januar im Programm. Drei Wörter, ein Manifest: „Geben Sie Gedankenfreiheit!“, schleudert Marquis Posa dem König von Spanien entgegen. Ich bin dabei. Und freue mich auf Ideen und Inspiration, Erkenntnis und Erleuchtung, Sinn und Sinnlichkeit.

Wir sehen uns. Im Theater.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart