Was wir wissen und was nicht

Alles einseitig, tendenziös und verdreht, einfach nicht objektiv – Leser Michael Kostian kritisiert die Berichterstattung über die Nordkorea-Krise und wittert Propaganda:

Warum wird Nordkorea nie korrekt zitiert? Kim Jong Un sagte: „Wir werden solange nicht auf Atomwaffen verzichten, wie die USA ihre gefährliche Politik fortsetzen.“ Mit Betonung auf: solange!

Ich nehme an, das wird ignoriert, weil man dann nicht so hetzen könnte, wie man es tut. Erinnert stark an die Danzig-Frage und den diplomatischen Vorschlag Deutschlands, der aus gleichem Grund nicht publiziert wurde. Sonst hätte man das englische Volk nicht in den Krieg hetzen können. Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht. Aber Lügner wiederholen sich offenbar sehr gern.

„Die USA wollen keinen Krieg, wollten es nie.“ Wie rührend. Es waren ja zum Glück immer Friedenseinsätze. In Vietnam, Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen, Südamerika. Schade auch, dass diese Staaten das nicht so sehen. Aber es sind sicher „Schurkenstaaten“, die nicht so wollen, wie die USA das gern hätten.

Die Bevölkerung ist heute wesentlich informierter. Die Presse verliert immer mehr an Ansehen. Das ist verständlich, wenn Kriegstreiberei immer wieder hofiert wird. Wo bleiben die differenzierten Kommentare?

Lieber Herr Kostian,

ein guter Hinweis. Ganz ehrlich: Ich wünschte, wir wüssten mehr über die Nordkorea-Krise. Ich wünschte, wir hätten mehr Fakten. Ich wünschte, wir könnten mehr Nachrichten fabrizieren, die nicht auf Verlautbarungen von Politikern und Vermutungen von Experten basieren.

Es ist verflixt schwierig, all das zu überprüfen, es ist verflixt schwierig, die Lage einzuordnen, es ist verflixt schwierig, die Wahrheit herauszufinden.

So viel Inszenierung, so viel Interpretation, so viel Irritation.

Diktator Kim Jong Un markiert den starken Mann, Präsident Donald Trump keilt zurück. Das Gerangel zweier Alphatiere, affig, pubertär – und gefährlich.

Pose, Polemik, Provokation. Was ist gespielt, was ist echt?

Angeblich läuft im Hintergrund seit Monaten eine „back channel diplomacy“ – Gespräche an einem geheimen Ort, über die nichts nach außen dringt. Was passiert da? Was verhandeln die? Was ist davon zu halten, wenn der Generalsekretär der Vereinten Nationen vor einem Weltkrieg warnt?

Wir hinterfragen alles, wir erfahren wenig. Den offiziellen Statements ist nicht zu trauen, nach Nordkorea zu reisen und in Kims Reich zu recherchieren unmöglich, und was die zahlreich auftretenden Experten für Krisen aller Art erklären, nun ja, das mag helfen zu verstehen, doch es vertreibt nicht dieses flaue Gefühl: Niemand weiß Genaues nicht.

Es bleibt schwierig, wir bleiben dran – als unabhängige Berichterstatter. Das garantiere ich.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart