Von Freunden empfohlen

Im Internet steht’s, hundertfach, tausendfach verlinkt und geteilt. Stimmt also. Muss stimmen. Brisante Infos. Im Volksfreund kein Wort davon. Ignoranz? Zensur? Systempresse? Wie oft hören wir solche Beweisführung.

Etwa bei diesem Fundstück: Eine angebliche Dienstanweisung mit Sonderregeln für straffällige Ausländer taucht im Netz auf. Verfasser laut Briefkopf und Unterschrift: Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen. Der Text: eine Anweisung an „den Polizeipräsidenten für Köln und Leverkusen“, „geplante oder begangene Verbrechen […] von Flüchtlingen, Asylbewerbern oder Personen mit Migrationshintergrund (auch gruppenweise)“ zu vertuschen. Polizeibeamte sollten „Festnahmeprotokolle und andere Schriftstücke mit einem Bleistift ausfüllen, so dass eine weitere Berichtigung möglich ist“.

Unerhört! Was für ein Skandal! Warum berichtet der Volksfreund nicht, fragt ein Leser aus Sehlem bei Wittlich und schickt das „Dokument“ gleich mit.

Faktencheck: Die „Vorschrift zur Verhaltensweise der Polizeibeamten“ ist gefälscht. Urheber: unbekannt. Der Staatsschutz ermittelt.

Es ist ein Beispiel dafür, wie mit frei erfundenen Meldungen Stimmung gemacht wird, im vorliegenden Fall: gegen Flüchtlinge.

Für Millionen Menschen ist Facebook eine wichtige Informationsquelle. Hier gibt’s die neuesten Nachrichten, oft von Freunden empfohlen, also glaubwürdig, denken viele. Ein Irrtum.

Das Netz ist voll von Fake-News. Mal als Satire inszeniert, mal in der Absicht, die öffentliche Meinung zu manipulieren, erzielen sie bisweilen ein gewaltiges Echo.

Donald Trump ist der König der Tatsachenverdreher, er hat Hunderte Fake-News abgesetzt, ist von Journalisten entlarvt worden – und schert sich nicht darum.

Rechercheure des Medienportals BuzzFeed haben herausgefunden, dass falsche Nachrichten über Angela Merkel auf Facebook erfolgreicher sind als wahre. Sieben der zehn populärsten Beiträge entpuppten sich als Fake-News. Platz eins: „Angela Merkel: Deutsche müssen Gewalt der Ausländer akzeptieren“, laut BuzzFeed von einer katholischen  Plattform namens Gloria.tv mit Sitz in Moldawien und einer Kontaktadresse in Moskau verbreitet, brachte es auf 273.000 Interaktionen. Es folgen: „Merkel möchte Flüchtlingen schnellstmöglich Wahlrecht geben“, „Merkel bei Verkehrsunfall überfahren“, „Eilmeldung: Merkel kündigt Rücktritt an“, „Merkel ist wahnsinnig – kanadisches Fernsehen liefert Beweise“. Leicht als Satire zu erkennen? Schön wär’s! Die Kommentare unter fingierten Nachrichten und die Reaktionen zeigen, dass unzählige Nutzer darauf hereinfallen.

Das Netz ist eine Lügenmaschine. Mein Tipp: Glauben Sie nicht alles, was Sie im Social Web sehen oder lesen. Prüfen Sie, ob die Quelle vertrauenswürdig ist. Und, nein, das ist kein Vorurteil gegen moldawische Internetportale …

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart