Festtage für Feierbiester

So, es ist vollbracht. Die fünfhundertste Kolumne. Fünf null null. Das muss gefeiert werden, frohlockt ein Edel-Fan, der sagt, er habe jeden, wirklich jeden Text gelesen. Oh, danke schön. Aber was packe ich rein in diese Null-Nummer?

Der Klassiker wäre, wie bei solchen Anlässen üblich, eine Lobrede auf die Kolumne zu halten. Zu erzählen, wie sie aus Schaum geboren wurde, wie sie reifte und gedieh, wie sie … ach, langweilig.

Oder, wie wäre es damit: Das Schönste, das Beste, das Lustigste von allem zu rekapitulieren, was bislang geschah? Und das Schlimmste, das Übelste, das Verrückteste? Vielleicht den Kritiker zitieren, der mich einen „satanischen Schmutzhund“ und „totalen Verbrecher“ schimpfte? Vielleicht den Dichter zu Wort kommen lassen, der eine Hymne auf mich verfasste? Vielleicht die Sache mit dem Heiratsantrag?

Nö, diese Schmankerl spare ich auf, für irgendwann. Und überhaupt, was soll’s, es ist doch bloß die fünfhundertste Ausgabe einer klitzekleinen Kolumne.

Jubiliert wird eh an allen Ecken und ohne Ende. Jahrestage, Gedenktage, Ehrentage, alle feiern alles. Zwanzig Jahre Harry Potter. Fünfundfünfzig Jahre Bundesliga. Fünfundsechzig Jahre Queen. Dreihundert Jahre Freimaurer. Fünfhundert Jahre Luther (immerhin, der hat die Welt bewegt und verändert). Zwölfhundertdreißigeinhalb Jahre Hisel in der Eifel, zweitkleinstes Dorf Deutschlands. Nein, das bringt uns nicht weiter.

Gibt es, dem Geist des kolumnistischen Manifests entsprechend, in der Geschichte der Menschheit denn nicht noch etwas ganz Spezielles mit der Kombination fünf null null?

Das Internet weiß das bestimmt, mal sehen, ich frage die Roboterfrau: Hey, Siri. – Na du. – Was ist vor fünfhundert Jahren passiert, am 29. Juli 1517? – Einen Augenblick, sagt Siri, meine Websuche hat Folgendes ergeben …

… viele Vorschläge, darunter die Seite happyhappybirthday.net, und die liefert eine unerwartete, unfassbare, unglaubliche Information: „Am 29. Juli 1517 geborene Menschen werden dieses Jahr fünfhundert Jahre alt.“ Ist ein Witz, oder? Nein. Die Maschine hat es ausgerechnet, und der Algorithmus irrt nie: „Wow, über 182.000 Tage alt! Weshalb nicht mal einen alternativen Geburtstag feiern? In 378 Tagen, genau am 11. August 2018, werden Menschen, die am 29. Juli 1517 geboren wurden, 183.000 Tage alt!“

Tja, dieses Jubeldatum ist zweifellos denkwürdig, ein alternativer Geburtstag, viel denkwürdiger als eine klitzekleine Kolumne. Der Fünfhundertjährige, der ins Internet stieg und als Feierbiest wieder auftauchte – was für ein Festtag!

Die Frage ist: Was schenkt man so einem Jubilar? Fünf null null. Mir fällt nichts ein. Grübel, grübel. Ich brauche eine Auszeit, ich brauche Urlaub. Und tschüss! Fünf null null. Sagenhaft …

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

P.S.: Wer die Kolumnen in diesem Blog nachzählt, kommt nicht auf fünfhundert – die ersten sechs Dutzend (ungefähr) sind klassisch auf Papier und im Netz auf volksfreund.de veröffentlicht worden.

Ein Gedanke zu „Festtage für Feierbiester

  1. Und am 19. Juni 2427 feiern wir fünf null null Jahre Nuerburgring. Wahrscheinlich mit einem gigantischen Feld intergalaktischer Wasserstoff-Renner. Aber die wird zu diesem Zeitpunkt die Deutsche Umwelthilfe wohl weg geklagt haben

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