Das Geld liegt auf’m Platz

Boah, ey! Was für ein Eigentor: Helene singt, und (fast) alle pfeifen. Der Schlagerstar und das Schlagerspiel, vereint in einem Event – das passt, oder? Denkste! Die Helenefischerisierung des Fußballs funktioniert nicht. Ein Rätsel, dem Journalisten tagelang nachspüren, eine Riesenstory, so scheint’s, die zeitweise sogar Donald Trump von Platz eins der Nachrichten-Bundesliga verdrängt.

Das ist passiert: In der Halbzeitpause des Pokalendspiels trägt die Sängerin neues und altes Liedgut vor. Das Publikum im Berliner Olympiastadion antwortet mit einem Gegenkonzert: gellende Pfiffe; die Fans von Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt machen die arme Helene fertig. Aus Protest gegen die Kommerzialisierung des Fußballs, heißt es.

Wie bitte? Kommerzialisierung? Weil eine große Unterhaltungskünstlerin, Abteilung Musik, die noch größere Bühne der Unterhaltungskünstler, Abteilung Fußball, für ihre PR-Show nutzen darf, live vor fünfzehn Millionen Fernsehzuschauern? Und das beweinen ausgerechnet jene Groupies, die ihre balltretenden Lieblinge bedingungslos anbeten und den Kult um die Kicker erst ermöglichen?

Hallo, aufwachen: König Fußball hat seine Seele längst verkauft! Er hat das Spiel in ein Megageschäft mit Milliardenumsätzen verwandelt. Die populärsten europäischen Klubs sind Konzerne auf Globalisierungskurs. Ihr Businessplan: neue Märkte erschließen, weltweit. Ein Beispiel: Manchester City geht via Website in einem Dutzend Sprachen auf Kundenfang, darunter Spanisch, Indonesisch, Chinesisch, Arabisch, Japanisch, Koreanisch, Malayisch und Hindi. Das Ziel: Asien, arabische Länder, Südamerika. Entscheidend is’ auf’m Platz. Da, wo das Geld liegt. Und die Fans des „echten“ Fußballs regen sich auf, weil Helene Fischer singt. Boah, ey!

Sportliche Grüße!

Peter Reinhart