… oder sage ich Wahres?

Nein oder Ja? Lüge oder Wahrheit? Schein oder Sein? Kommunikation ist kompliziert. Es kommt darauf an, wer etwas sagt, warum, zu wem, es kommt auf die Absicht an, den Zusammenhang, die Vorgeschichte, und es kommt auf den Empfänger und seine Erwartungshaltung an.

Wenn der amerikanische Präsident alternative Fakten in die Welt setzt, an die er glaubt, aber sonst (fast) niemand, ist der Aufschrei groß: buh, ein Fake, auf Deutsch: eine Fälschung! Prädikat: politisch unkorrekt.

Wenn Satiriker den amerikanischen Präsidenten veräppeln, indem sie angebliche Fakten über ihn in die Welt setzen, die glaubhaft klingen, tatsächlich jedoch frei erfunden sind, ist das Gelächter groß: bravo, ein Prank, auf Deutsch: ein Bubenstreich! Prädikat: künstlerisch wertvoll.

Die Faktenchecker der Washington Post  haben ermittelt, dass Donald Trump im Schnitt vier Mal pro Tag Unsinn verzapft: über Barack Obama, den er als Gründer des Islamischen Terrorstaats bezeichnet, über mysteriöse Vorfälle in Schweden, über eine Stadt namens Belgien … klassische Trump-Kracher. Der meint das nicht wirklich so, oder doch? Mr. President kontert: Wie sollen Journalisten, die selbst „Fake News“ sind, alternative Fakten anerkennen?

Tja, ganz schön verzwickt. Erinnert an das Lügner-Paradox in der Philosophie der alten Griechen: „Wenn ich lügend sage, dass ich lüge, lüge ich oder sage ich Wahres?“ – „Du sagst Wahres.“ – „Wenn ich Wahres sage und sage, dass ich lüge, lüge ich.“ – „Du lügst offenbar.“

Seit je gehört das Spiel mit Information und Desinformation zum politischen Geschäft, aber nie war es so einfach, die Meinung von Millionen Menschen zu manipulieren – über soziale Netzwerke. Dieser Tage berichtete der Sicherheitschef von Facebook, wie Geheimdienste und andere Interessengruppen sich in Wahlkämpfe, etwa in den USA und in Frankreich,  eingemischt haben: mittels Tarnprofilen, dem verschleierten Lancieren von Falschnachrichten und strategischem Gepöbel. Bemerkenswert.

Zurück zu Trump: Vielleicht ist er gar nicht gaga, sondern tut nur so und macht sich eine Besonderheit der Psyche zunutze, einen archaischen Reflex: Schnell weg, wenn die Säbelzahnkatze naht, und nicht erst lange nachdenken! Dräut Gefahr, reagieren wir eher mit Gefühl als mit Verstand, und wir vertrauen Menschen, die wir kennen – samt deren Versprechen, uns zu retten (ausführlich nachzulesen in der April-Ausgabe des Fachmagazins Psychologie heute).

Emotional aufgeladene Botschaften, in Endlosschleifen propagiert, brennen sich in die Köpfe ein. Werbung funktioniert so. Und das System Trump: Wiederhole eine Lüge oft genug, und sie wird zur (gefühlten) Realität. Durchschaut, Mr. President!

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart