Die Sache mit der Maus

Mal unter uns, liebe Leserin, lieber Leser: Sie erwarten, dass wir wahrhaftig berichten; Sie erwarten, dass wir aufrichtig berichten; Sie erwarten, dass wir ehrlich berichten. Ich sage: Jawoll, das versuchen wir, das tun wir nach bestem Wissen und Gewissen. Klar: Irren ist menschlich, Fehler passieren, aber alles in allem attestiere ich der Redaktion des Volksfreunds: das passt, das läuft.

Gestatten Sie, dass ich heute einen klitzekleinen Wunsch an Sie richte, Leserbriefe betreffend. Bitte schreiben und bleiben Sie so wahrhaftig, aufrichtig und ehrlich, wie Sie das von uns Journalisten – zu Recht – einfordern.

Nicht erschrecken, die allermeisten Leserbriefschreiber braucht dieser Wunsch nicht zu interessieren, und ich will niemandem zu nahe treten. Aber: Wir erhalten (und entdecken) vermehrt Zuschriften, auf die das zweifelhafte Prädikat „Fake Letters“ zutrifft. Gefälscht, geklaut, gemogelt, das Gegenteil von wahrhaftig, aufrichtig, ehrlich.

Vielleicht hat es mit dem heraufziehenden Wahlkampf zu tun und der Verlockung, Werbung zu machen für die Roten, die Schwarzen, die Gelben, die Grünen oder die Blauen (ja, ganz besonders die). Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass die Kulturtechnik des Guttenbergens (plagiieren, vulgo: copy & paste = kopieren und einfügen) so kinderleicht von der Hand geht.

Ein paar Klicks mit der Computermaus, ein paar Textpassagen aus dem Internet gezogen und neu zusammengebastelt, fertig ist der Leserbrief. Solche „Fake Letters“ fallen beim Qualitätscheck der Redaktion auf. Womöglich nicht alle, doch krasse Täuschungen allemal.

Als ich dieser Tage eine Zuschrift zum Hype um den sozialdemokratischen Messias Martin Schulz erhielt, war mein erster Eindruck: knackige Kritik, muntere Meinung, liest sich ganz gut, das Ding bringen wir.

Doch halt, die eine oder andere Formulierung wirkt verdächtig gestelzt, und hallo, dieser Vorwurf, Schulz habe als EU-Parlamentarier abkassiert und sei Multimillionär, stimmt das überhaupt?! Recherchiert. Weiter recherchiert. Und siehe da: einige Sätze vom krawalligen Autor Henryk M. Broder, spekulatives Material aus der Blogger-Szene, ein bisschen was von der Facebook-Seite des AfD-Politikers Uwe Junge. Der Leserbriefschreiber hat’s eins zu eins abgepinnt und als eigenes Werk verkauft. Hmm, das ist nicht die feine Art, das ist nicht wahrhaftig, nicht aufrichtig, nicht ehrlich.

Ein Beispiel bloß, nicht die Regel, aber auch nicht die Ausnahme. Dieselben Textbausteine finden sich als Leserkommentare in anderen Medien. Eine Kampagne etwa? Tsss, tsss, tsss …

Mal sehen, wie sich das entwickelt. Wir bleiben wachsam.

Noch Fragen? Beantworte ich sehr gern nach meinem Osterurlaub. Ihnen eine schöne Zeit!

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Ein Gedanke zu „Die Sache mit der Maus

  1. Die Bürger arbeiten und erwarten, dass die Journalisten recherchieren.
    Sie werden dafür bezahlt. Abgeordnetenwatch bekommt Spenden, damit sie das ans Tageslicht bringen, was wichtig ist.
    Die sogenannten „Ausnahmejournalisten“ – eher die Regel -werden mir immer suspekter.
    Denn das sind die, die in der Regel auch im Fernsehen agieren – sicher nie die GEZ kristisieren, die auch sie sponsert.
    In den Printmedien schreiben, dann in den in meinen Augen kaum mehr erträglichen Talk Shows erzählen, dann sich als Redner vermitteln lassen, neben Politikern dann als Moderator reden, die Welt erklären. Ab 10 000 Euro aufwärts.
    Die Instanz, die die Moral hochhält…… aber immer die Schere im Kopf, denn die Wirtschaft, die Kirche, die Parteien und die Öffentlich-Rechtlichen will ma nicht verärgern….. Dann wird man Millionär, natürlich nicht Multimillionär.
    Ob Herr Gottlieb vom BR Millionär ist, das weiß ich nicht.
    Nicht zu verwechseln mit Gottlob Schober, der ein echter Ausnahmejournalist ist.
    Er prangert die deutsche Pflege an und sagt nicht nur was von nachbessern oder philosophiert vor der Betreuerclique – meist Anwälte, die das Geld zusätzlich einsacken – etwas von guter Altenbetreuung.
    Nicht alle: der Anwalt Alexander Frey nicht.
    Wird die generalisierte Pflege einmal in den Printmedien kritisch beleuchet werden?
    Wohl kaum!

Kommentare sind geschlossen.