Vergiftete Sprache

Gibt es verbotene Wörter? Wörter, die tabu sind, zum Beispiel, weil die Nazis sie verseucht haben? Ja, gibt es, und es kommt auch auf den Zusammenhang an, in dem sie verwendet werden, auf den Kontext.

Leser A. aus Morbach schreibt, der AfD-Mann Björn Höcke verzapfe „bösartigen Mist“ und sei „zumindest teilverrückt“, aber in einem habe er doch vollkommen recht, nämlich das Holocaust-Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin ein „Denkmal der Schande“ zu nennen. Dieser Begriff sei sogar noch viel zu schwach, um auszudrücken, was die „verbrecherischen Lumpen, Massenmörder und Menschenverächter im Tausendjährigen Reich“ angerichtet haben.

Lieber Herr A.,

wer weiß, hätte der AfD-Rechtsausleger Höcke neulich in Dresden nicht von „dämlicher Bewältigungspolitik“ geschwafelt und eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert, hätte er nicht salbadert, dass „unser Gemütszustand immer noch der eines total besiegten Volkes“ sei, und wäre dieser geistige Brandstifter nicht einschlägig vorbelastet, weil er immer wieder völkisch-rassistisch herumhitlert, ja, wer weiß, vielleicht wäre der Aufschrei wegen der Holocaust-Provokation ausgeblieben. „Wir Deutschen sind das einzige Volk, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Der Genetiv macht die Aussage doppeldeutig: „Denkmal der Schande“ kann verstanden werden als Mahnmal der Schande oder als schändliches Mahnmal. Was Höcke meint, ist unzweideutig – wegen seiner Anspielungen, wegen seines Nazi-Vokabulars, wegen seiner unverhohlen vorgetragenen Gesinnung. Kein Missverständnis. Der Kontext ist kontaminiert. Widerliche Nazi-Hetze.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart