Absurd

„Einen Neger wird man ja wohl noch einen Neger nennen dürfen“, erregt sich Herr B. über das „Gesocks“ aus dem Ausland, das von „der Merkel“ ins Land geholt worden ist, „alles Kriminelle und Vergewaltiger und Schmarotzer“.

Und so weiter. Ein langer handschriftlicher Brief. Die politische Korrektheit, von der die Gutmenschen ständig schwafelten, gehe ihm gehörig auf die Nerven. Aber was die „da oben“ machten, sei sowieso egal. „Danach kräht bald kein Arsch mehr.“

O weh, Herr B.,

schlimmes Pamphlet, es ist zum Würgen, und zu Ihrer Rassentheorie äußere ich mich nicht. Zwei Gründe, warum ich Ihren Schrieb dennoch aufgreife. Der eine: den Lesern (mal wieder) exemplarisch zu zeigen, wie rau, aggressiv und gehässig der Ton ist, den manche anschlagen. Der andere: die Katachrese. Die Kata… was?!

Na ja, der Arsch, der kräht. Da stimmt etwas nicht. Schiefes Bild. Zwei Redewendungen verbacken, die nichts miteinander zu tun haben. Wirkt komisch. Ob beabsichtigt oder nicht, weiß ich nicht. Das Absurde an einer solchen Katachrese (griechisch: Missbrauch, Gebrauch über Gebühr) ist oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Schuster, bleib’ bei deinen Äpfeln. Wer im Glashaus sitzt, sollte kein Öl ins Feuer gießen. Das ist der Funke, der das Fass zum Überlaufen bringt. Der Zahn der Zeit, der schon so viele Tränen getrocknet hat, wird auch Gras über diese Wunde wachsen lassen. Nein, das ist bestimmt nicht das Wahre vom Ei.

Spaß beiseite. Zur Lage, die einigen Menschen offenkundig schlaflose Nächte bereitet, passt ein Bonmot des Wirtschaftswunderkanzlers Ludwig Erhard: Alle Extremitäten der Politik haben keine Chance, in Deutschland festen Fuß zu fassen.

In diesem Sinne.

Schöne Grüße!

Peter Reinhart