Uiuiui!

„Scheißblatt“, „Lügenpresse“, „Meinungsdiktatur“ – auf die Medien zu schimpfen, gehört für Verschwörungstheoretiker und Wutbürger zum schlechten Ton. Anschwellender Bocksgesang, immer aggressiver, immer hemmungsloser. Sei’s drum, die üblichen Verdächtigen halt …

Was sich verändert hat in diesem merkwürdigen Krisenjammerangsthassjahr 2016: Medienbashing ist gesellschaftsfähig geworden. Tout le monde übt sich darin. Zwei alte Männer liefern meine Lieblingsbeispiele.

Der eine: Donald Trump (70), gewählter Präsident der Vereinigten Staaten. Er bezeichnet Journalisten als die „niedrigste Form des Lebens“, die „niedrigste Form der Menschheit“. Müll. Schleim. Abschaum.

Der andere: Franziskus (80), Pontifex maximus. Er denkt, „die Medien sollten klarer und transparenter sein und nicht, entschuldigen Sie den Ausdruck, in eine Koprophilie verfallen, die stets bereit ist, Skandale und widerliche Dinge zu verbreiten, so wahr sie auch sein mögen“ (O-Ton aus einem Interview mit dem belgischen Magazin Tertio).

Trumps Tirade erinnert an den bayerischen Krawallpolitiker Franz Josef Strauß, der linke Publizisten als „Ratten und Schmeißfliegen“ verunglimpfte. Nazi-Kaliber, heftig. Das trauten sich Helmut Kohl („Schmierfinken“) oder Ludwig Erhard („Banausen“, „Pinscher“) nicht.

Und die Papst-Polemik? Franziskus warnt vor Desinformation durch Verbreitung von falschen Nachrichten, er prangert Diffamierung, Verleumdung, Rufmord an. Einverstanden! Seine Wortwahl: drastisch. Die Leser der Skandalpresse vergleicht er mit Menschen, die sexuelle Lust durch Kot gewinnen (Koprophilie) oder sich aufgeilen, indem sie Kot verzehren (Koprophagie).

Uiuiui! Steht es so schlimm um die (Medien)Welt? Schau’n mer mal, was 2017 bringt.

Guten Rutsch!

Peter Reinhart