Tumultukratie

Zweieinhalb Wochen nach der amerikanischen Trumplosion: Die Welt dreht sich weiter. Na so was, das Ende, von hyperventilierenden Kommentatoren beschworen, ist immer noch nicht in Sicht. Aber lange dauert’s bestimmt nicht mehr …

„Die Deutschen haben eine Neigung, sich ängstigen zu lassen von Dingen, die morgen passieren könnten“, hat Helmut Schmidt, der Lieblingskanzler und weise Erklärer des Zeitgeschehens, einmal gesagt.

Typisch deutsch, dieses unablässige Barmen, was die Zukunft wohl bringen wird – verstärkt durch medialen Alarmismus, Verschwörungstheorien, Stimmungsmache in den Filterblasen der sozialen Netzwerke. Fakten? Nö. Wir befinden uns im postfaktischen Zeitalter.

Früher war alles besser. Ein Satz, den viele Leute aufsagen, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Früher war das Gras grüner, früher war die Luft reiner, früher war die Welt einfach schöner.

Stimmt nicht, früher war nicht alles besser – es war anders. Und oft genug: schlechter.

Psychologen wie Fritz Strack erklären den Reflex so: Denken wir an die Gegenwart, fallen uns aktuelle Probleme ein. Denken wir an die Vergangenheit, sind die Probleme verblasst oder gelöst und somit weniger dramatisch. Trotz aller Kriege und Katastrophen: Nie war es so friedlich auf dem Planeten! Wir leben länger, arbeiten weniger, sind gesünder! Nie ging es so vielen Menschen so gut!

Mord und Totschlag zum Beispiel: In den frühen Jäger-und- Sammler-Gesellschaften starb jeder Vierte durch Gewalt. Heute ist es in Westeuropa „nur“ einer von 100.000 pro Jahr.

Objektiv sehr beruhigend. Subjektiv dennoch bedrohlich. Es könnte ja …

Und wehe, die Medien berichten mal wieder über den Fall eines getöteten Kindes – wer glaubt der Statistik, die erzählt, wie sicher das Leben ist?!

P. S.: Weltweit werden mehr Regierungen als je zuvor zumindest halbwegs demokratisch gewählt, inklusive der amerikanischen Tumultukratie …

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart