Creepy? Isso!

Was geht ab, Alter? Nein, liebe Leser, ich mache mich nicht über Sie lustig. So begrüßen sich junge Leute. Zum Beispiel. Andere Varianten:  Bro, bist ja wieder voll cheedo, übelst Swaggernaut (hat alles irgendwie mit Kumpels zu tun, den coolen und den extrem coolen).

Ziemlich  creepy (= gruselig), dieser Sprech. Passt zu dem, was Herr M. aus der Eifel mir neulich schrieb: Er sei 77, und wenn sich seine Enkel unterhielten, verstehe er oft nur Bahnhof. Das sei nicht normal, oder?!

Doch, schon. Jugendsprache ist eine Lebensaltersprache, ein Code. Um sich von den Altvorderen abzugrenzen. Oft provokant, gar beleidigend. Dient auch dazu, die eigene Rolle, den Status in der Gruppe zu finden und zu festigen. Mit ironischen Spielereien und Übertreibungen.

Seit Jahren wächst, neben dem allgegenwärtigen Denglisch, der Einfluss von Kiezdeutsch (vom Schriftsteller Feridun Zaimoglu Kanak Sprak genannt). Chabos wissen, wer der Babo ist, hat der Rapper Haftbefehl getextet. Für solche Zeilen feiern ihn Kulturkritiker als Erneuerer der deutschen Sprache. Babo ist Bosnisch und Zazaisch und meint den Papa, den Chef, den Bestimmer, eine Respektsperson. Chabo ist Rotwelsch und bedeutet: der Junge, der Freund, der Kollege.

Ja, und?! Die meisten Vokabeln, die Jugendliche sich ausdenken, verschwinden bald wieder. Babo (Jugendwort 2013) ist eine Ausnahme, ebenso läuft bei dir (Jugendwort 2014) – längst im Wortschatz der Erwachsenen angekommen. Und wenn Ihre Enkel, Herr M., kauderwelschen, kontern Sie einfach: Chill mal dein Leben, Süßmo, ich will keinen Beef, sei schmoof. Hä? Isso!

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart