Sine nomine

Dieter Grab aus Schwirzheim hat in einem Leserbrief (TV vom 13. Juli) die CDU-Politiker Klöckner und Billen kritisiert. Darauf bekam er Post an seine Privatadresse. Seine Reaktion:

Man kann über alles verschiedener Meinung sein. Und das kann jeder öffentlich in einem Leserbrief kundtun. Dafür bietet der Volksfreund Platz und Gelegenheit. Was meiner Meinung nach nicht geht, sind anonym verschickte Briefe, die sowohl inhaltlich als auch grammatikalisch ihr Ziel verfehlen. Aus einem wiederkehrenden Fehler bei der Adressierung meine ich den Absender zu erkennen. Anonym heißt im Englischen Anonymous. Streicht man aus diesem Wort die Buchstaben o n y m o, bleibt Anus übrig. Und was da rauskommt, wissen alle. In diesem Sinne weiterhin gute Verrichtung, liebe(r) anonyme(r) Schreiber(in).

Lieber Herr Grab,

die Schmierfinken mal wieder, ärgerlich. Gegen Anonymität an sich ist ja nichts einzuwenden: Sie ist wichtig, um demokratische Staaten zu organisieren (Wahlgeheimnis); sie ist wichtig, um gesellschaftliche Probleme anzupacken (Anonyme Alkoholiker); sie ist wichtig, um üble Machenschaften aufzudecken (mit Hilfe von Informanten, Whistleblowern). Und sie hat eine lange Tradition. Einige der großen Dichter und Denker haben sine nomine (ohne Namen) veröffentlicht, um der Verfolgung durch Potentaten zu entgehen, die keinen Spaß verstehen.

All das: höchst ehrenwert – im Gegensatz zum Gelall der unbekannten Typen, die Sie und mich und andere mit herzallerliebsten Obszönitäten beglücken (besonders bei Vollmond). Das sind, sagen Wissenschaftler, oft Menschen mit einer sadistischen und psychopathischen Persönlichkeitsstruktur. Gestörte, die nerven, bis der Arzt kommt. Empfehlung: ignorieren.

Was treiben diese armen Verwirrten wohl im richtigen Leben? Gruselige Vorstellung, wer da draußen frei herumläuft …

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

3 Gedanken zu „Sine nomine

  1. „Gruselige Vorstellung, wer da draußen frei herumläuft …“ … genau das macht mir Angst. Daher ist mir sehr unwohl bei Ihrer Empfehlung: ignorieren.

  2. Was schlagen Sie vor? Anzeige erstatten? Klar, ist möglich. Hat aber so gut wie keine Aussicht auf Erfolg. Wie wollen Sie die anonymen Stalker identifizieren?
    Typen, die sie beleidigen und beschimpfen? Bloß nicht von dem Geschmiere beeindrucken lassen. Bloß nicht ärgern. Bloß nicht ängstigen. Genau das wollen die anonymen Stinkstiefel ja. Purer Selbstschutz also, derlei zu ignorieren. Alles andere raubt Zeit und kostet Nerven.
    Ich bekomme ständig Post von Unbekannten, von Wutbürgern, die sich übelst auskotzen, von religiösen Fanatikern, von Hetzern, von Nazis, von offenkundig Gestörten und Verwirrten.
    Das anonyme Outing solcher Psychopathen ist nur EIN Beleg dafür, dass da draußen Tausende Durchgeknallte frei herumlaufen. Wehe, wenn die durchdrehen.
    Insofern: nicht ignorieren, wenn Ihnen jemand oder etwas verdächtig vorkommt, wenn es um Drohungen gegen Leib und Leben geht.

  3. Hallo Herr Reinhart,auf diesem Wege Danke für ihren Kommentar.Hoffentlich hat mein Anonymus diese Zeilen gelesen.Ärgern kann man sich über solchen Nonsens, ängstigen in dem Falle nicht.

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