Staats… was? Böhmer… wer?

Halb Deutschland (und die ganze Türkei) sitzt beleidigt auf dem Sofa und nimmt übel, heißt es. Staatsaffäre Böhmermann, heißt es. Eine höllisch brisante Causa, heißt es.

Staats… was? Böhmer… wer?

Keine Sorge, ich besinge nicht die Freiheit der Kunst, ich reite keine Paragrafen, ich doziere nicht, was Satire darf und was nicht. Dazu ist alles gesagt, von fast allen. Es nervt.

Eine Staatsaffäre, ha! Macht und Sex. Verrat, Intrigen, Heimlichtuerei. Eifersucht, Drogen, Mord. Das ist der Stoff, aus dem die Träume sind! Saftige Geschichten, über die sich die Welt erregt – und die manchmal die Welt verändern! Von Kaisern und Konkubinen. Von Päpsten und Mätressen. Von Präsidenten und Prostituierten. Cäsar und Cleopatra. John F. Kennedy und Marilyn Monroe. Bill Clinton und Monica Lewinsky …

Und was haben wir? Ein Gedicht, ein hundsmiserables. Fabriziert von einer Comicfigur, die plötzlich ernst genommen und vom geschmähten Potentaten Erdogan verklagt wird. Wie langweilig. Alltag im globalen Dorf. Alltag im Zeitalter der industrialisierten Unterhaltung.

Das Netz lacht. 24/7, rund um die Uhr, jeden Tag. Witzigkeit kennt keine Grenzen. Klamauk, Geblödel und Allotria. Das Heischen nach Aufmerksamkeit und Gefallen. Firlefanz statt Relevanz. Provokation und Empörung, immer dieselben Rituale.

Kann es sein, dass wir uns zu Tode amüsieren, wie Neil Postman vor Jahrzehnten orakelte?

Kann es sein, dass die medial-satirische Infantilisierung der politischen Debatte den Blick auf die Wirklichkeit verstellt?

Kann es sein, dass die Staatsaffäre Böhmermann womöglich das triviale Sinnbild einer trivialen Gesellschaft ist?

Mehr Fragen und Antworten gibt’s nach meinem Urlaub, in vier Wochen.

Schöne Zeit!

Peter Reinhart

Links? Rechts? Vorne!

Rückblende. 8. Juli 1949, ein besonderes Datum in der Geschichte dieser Zeitung: Der Trierische Volksfreund ist wieder der Trierische Volksfreund.

Von 1938 bis 1945 von den Nazis verboten, weil der Verleger Nikolaus Koch sich gegen die Gleichschaltung gewehrt hatte, nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst mit französischer Lizenz als Trierische Volkszeitung neu gegründet, prangt an jenem 8. Juli 1949, einem Freitag (und seitdem an jedem Erscheinungstag), der Traditionsname auf Weiterlesen

Grünfärberei

Heinz Hallermann aus Trier schreibt zur Volksfreund-Ausgabe vom 21. März: Auf Seite drei ein Artikel über den Parteitag der rheinland-pfälzischen Grünen. Darin dieses Zitat eines Politikers: „Wir werden viele unverdauliche Kröten schlucken müssen.“ Er meint wohl, dass seine Partei gezwungen ist, einige ihrer Überzeugungen aufzugeben, will sie an der neuen Landesregierung beteiligt sein. Auf Seite elf im Lokalteil geht es um Krötenschutz: Freiwillige Helfer bringen die Tiere von der Straße, damit sie nicht von Autos überfahren werden, und tragen sie zum Laichgewässer. Die beiden Berichte auf einer Seite, nebeneinander – dazu ist es leider zu spät …

Lieber Herr Hallermann,

witziger Vergleich, frivole Pointe! Die grünen Krötenschlucker, vom Wähler beinahe auf die rote Liste der bedrohten Arten befördert (von 15,4 Prozent auf 5,3 Prozent dezimiert), ähnlich arm dran wie liebestolle Amphibien auf der Asphaltpiste, kurz bevor … wroooooommm!!!

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