Unbemerkt verschluckt

Warum? Darum. Ich veröffentliche keine Briefe, die mit „Volksverräter“ anfangen und mit „Heil …!“ enden. Von dem rassentheoretischen Gefasel dazwischen ganz zu schweigen. Einzelfall? Nö, täglich grüßt das Murmeltier und sondert – Tschuldigung – stinkenden Braunkack ab. Also: Ist nicht. Warum? Darum.

Sprache ist Macht. Sprache bestimmt das Bewusstsein. Sprache beeinflusst das Denken. Aus dem  Bewusstsein, aus dem Denken, entstehen Taten.

Ich weiß, das habe ich schon einmal, zehnmal, hundertmal erklärt. Und wiederhole es, wenn es sein muss, noch tausendmal. Warum? Darum.

„Worte können sein wie winzige Arsendosen: Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“ So beschreibt Victor Klemperer (1881 bis 1960) in seiner Abhandlung LTI – Notizbuch eines Philologen die Sogwirkung der Lingua Tertii Imperii, der Sprache des Dritten Reichs. „Der Nazismus glitt in Fleisch und Blut der Menge über durch die Einzelworte, die Redewendungen, die Satzformen, die er ihr in millionenfachen Wiederholungen aufzwang, und die mechanisch und unbewusst übernommen wurden.“

Die Reden von Hitler und Goebbels: schlimm.

Die Infiltration, das Einsickern des Nazi-Jargons in die Alltagssprache: schlimmer.

Arsen, in winzigen Dosen. Passiert gerade wieder. Die meisten, die es angeht, wollen das nicht hören. Sie hören gar nicht zu. Einige aber doch. So wie jener (ehemalige) Anhänger der Alternative für Deutschland, der mir – nachdem die Argumente hin und her geflogen waren – sagte, es sei ein Fehler gewesen, auf die Parolen der Rechtspopulisten hereinzufallen. Er distanziere sich. Hurra! Es ist nicht alles umsonst. Warum? Darum.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Ein Gedanke zu „Unbemerkt verschluckt

  1. Anlässlich der Berichterstattung über die geplatzte Elefantenrunde und den Kommentaren „Unbemerkt verschluckt“ und „Steht auf, wenn ihr Deutsche seid“ usw.
    In Ihrer Berichterstattung über Rechtsextreme, AfD, Pegida u.dergl. wird kein Zweifel über die Haltung des TV gelassen: Die Redaktion kann sie allesamt nicht leiden. Fragt sich der Leser allerdings nach dem Grund für diese herzliche Abneigung, so stellt sich schnell heraus, dass mehr schlecht als recht argumentiert wird.
    Da wird nicht über die Zwecke der rechten politischen Bewegung ge-urteilt, sondern sie wird ver-urteilt. Es dürfte klar sein, dass dies keine Kritik der inkriminierten Gesinnung/Einstellung ist. Wenn man den politischen Gegner beschimpft („stinkender Braunkack“, „widerliches Gegröle“), dann ist damit kein Jota politischer Aufklärung geleistet.
    Beschimpfung ist die eine Form der Auseinandersetzung. Die andere Methode ist die, dem als schlecht, böse, (ruf)schädlich empfundenen Nationalismus/Patriotismus (da mache ich mal gar keinen Unterschied) einen guten, weltoffenen Nationalismus mit freundlichem Gesicht entgegen zu setzen. Damit ist aber nur der Wunsch ausgedrückt, dass der Stolz auf Deutschland sich anderen Werten verpflichtet sehen soll als jenen, die die abendländischen Populisten vertreten. Deswegen ist auch nicht auf den ersten Blick ersichtlich, an wen sich der Aufruf „Steht auf, wenn ihr Deutsche seid“ richtet, die Überschrift könnte auch auf einem Pegida-Flugblatt stehen. Es sollte einsichtig sein, dass sich beide Seiten in dem so geführten Streit darüber einig sind, dass Deutschland gut dastehen muss in der Welt.
    In einer dritten Abteilung wiederholt man das methodische Mantra, wonach es ganz wichtig ist, dass man sich der Auseinandersetzung mit den Populisten stellen muss. Anlässlich der geplatzten Elefantenrunde wurde im TV beklagt, dass hier eine Gelegenheit versäumt wurde, die AfD öffentlichkeitswirksam mal so richtig vorzuführen. Statt solcher Vorhaltungen hätte man sich lieber fragen sollen, warum die Politiker den Protest der AfD verurteilen und auszugrenzen suchen, aber gleichzeitig Verständnis für dessen Anliegen haben. Das hört man ja auch, dass die Besorgnisse der Bürger ernst genommen werden müssen. Wie soll das denn zusammen passen?
    Peter Reinhart erzählt in seinem Kommentar „Unbemerkt verschluckt“ von seiner erfolgreichen Missionierung eines AfD-Anhängers, der seinem Irrglauben abschwor, „nachdem die Argumente hin und her geflogen waren“. Man hätte sich gewünscht, dass er diese (erfolgreichen) Argumente mal hingeschrieben hätte. Er hat es nicht gemacht, weil es nämlich gar nicht so einfach ist, den Rechten argumentativ zu begegnen.
    Wer es je versucht hat, wird festgestellt haben: Ausländerfeinde sind schwer zu widerlegen. Gelingt es einmal, eines ihrer Beweismittel zu entkräften, so greifen sie ungerührt zum nächsten Beleg. Wird eine ihrer Einschätzungen zufällig unglaubwürdig, so geraten sie, stets gut informiert, vom Hundertsten ins Tausendste und lassen keine Widerlegung als Grund für eine Korrektur im Grundsätzlichen gelten. Warum ist das so? Ihre Argumente begründen ihre Einstellung nicht, sondern folgen aus ihr und sind dementsprechend beliebig; das ist der Haken. Anders gesagt: Ihr Urteil steht fest und als Beleg taugt im Prinzip fast alles, weil eine Prüfung der Belege (stimmt/stimmt nicht) gar nicht vorgesehen ist.
    Die Kritik der Ausländerhasser setzt voraus, dass man erstmal begreift, wie sie ticken. Wie kommen deutsche Bürger, die mit einigem zurechtkommen und manches Unerfreuliche schlucken müssen, darauf, sich ausgerechnet vor der Islamisierung ihrer Heimat zu fürchten? Was soll mit „Wir sind das Volk“ gesagt sein? Oder mit „Schweinefleisch statt Döner“? Wie kommt man darauf, sich die bloße Anwesenheit von Ausländern als Erklärung für alles, was einem nicht passt, zurecht zu legen?
    Sachdienliche Hinweise dazu würde ich gern im TV mal lesen…

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