Keine Panik, Leute

Peter Fuchs schreibt: Man bekommt fast das Gefühl, dass gerade ein weltumspannender Krieg tobt. Krisenherde hier, Völkermorde dort, Massaker hüben und Gräueltaten drüben bestimmen das Alltagsgeschehen. Abertausende verlassen ihre Heimat und suchen ihr Heil in der Flucht. Viele verlieren ihr Leben. Andere erreichen erst nach wochenlangen Strapazen das angestrebte Ziel. Nicht überall sind sie willkommen.

Diese Völkerwanderung hinterlässt ihre Spuren. Öfters stellt sich heraus, dass nicht alle Schutzsuchenden wirklich nur Schutz suchen. Manche sind kriminell und verbreiten Angst und Schrecken. Innerhalb der Europäischen Union herrscht Uneinigkeit. Das „Imperium“ bröckelt. 1989 wurde der Mauerfall gefeiert. Heute versucht man, Menschenströme mit Zäunen zu stoppen. Natürlich ist es schwierig, das goldene Mittelmaß zu finden. Weil man nicht absehen kann, wann diese weltumspannende Misere ein Ende hat. Bleibt nur zu hoffen, dass die Spirale der Gewalt sobald als möglich menschlicher Vernunft weicht.

Lieber Herr Fuchs,

wahrscheinlich teilen viele Menschen Ihre Wahrnehmung: Es kracht an allen Ecken und Enden. Kriege. Kämpfe. Katastrophen. Schlimme Geschichten. Ein annus horribilis (schreckliches Jahr) ist vorbei, und das neue fängt genauso übel an, wie das alte aufgehört hat. Die Stimmung ist miserabel, die Gesellschaft zerrissen. Die Angst wächst. Was dräut wohl als Nächstes? Krise, na klar! – Ist das wirklich so? Nein. Aber warum kommt es uns so vor?

Die Menschen: Schlechte Nachrichten erregen mehr Aufmerksamkeit als gute. Gut ist normal, schlecht heißt: Vorsicht! Steckt in unseren Genen. Die Informationstheorie lehrt: Erwartet man ein bestimmtes Ereignis (man hält es also für sehr wahrscheinlich) und trifft es tatsächlich ein (man lag richtig), dann enthält dieses Ereignis relativ wenig neue Informationen, wohingegen ein unerwartetes Ereignis (mit einer niedrigen Wahrscheinlichkeit) neue Informationen darüber liefert, wie die Welt funktioniert (nach Alan Rusbridger: Play it again).

Die Medien: Was vor hundert Jahren nicht in der Zeitung stand, hat – für die allermeisten Menschen – nicht stattgefunden, weil sie nie davon erfuhren. Eine Mordserie in der Mongolei? Eine Epidemie in Eritrea? Eine Todesschwadron in Togo? Keine Meldung, keine Aufregung. Heute verbreiten Milliarden Erdlinge Milliarden Informationen. Alles, was passiert. Und weil vorwiegend das Schlechte für Gesprächsstoff sorgt, siehe oben …

Die Mathematiker: Keine Panik, Leute, die Welt wird immer besser, sagen Statistiker wie der Oxford-Mann Max Roser.

Beispiel Lebenserwartung: Im Jahr 1871 lag sie in Deutschland bei 38 Jahren, heute bei 81.

Beispiel Armut: 1990 gab es auf der Welt zwei Milliarden Notleidende, heute „nur“ noch eine Milliarde. Es geht aufwärts.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Ein Gedanke zu „Keine Panik, Leute

  1. Danke. Hoffentlich wird dieser Text immer zweimal mehr geteilt als der sonstige Müll.

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