Kein Stress, Alter

Wütende Zuschrift eines unbekannten Lesers im Original: Was schreibt ihr Anal-fabeten für einen Mist. Immer mehr englische Wörter, die keinen versteht. Lernt entlich Deutsch!

Verehrter Anonymus,

danke für den Tipp, wir bemühen uns. Welches Deutsch meinen Sie denn?

Kulturzirkus-Deutsch*, also jenen elaborierten Code, der, was für ein Impetus, gespickt ist mit plakativen Wahrnehmungsmustern und hermeneutischen Hypertrophien, archetypisch reflektierend die unselige Atrophie des Zeitwortes und die mit ihr korrespondierende Wucherung des Dingwortes, quasi ein rein deskriptiver Diskurs, aus dem sich, wenn man die Sache induktiv betrachtet, eine subtile Optizität ergibt, sui generis und so luzide, dass die zwischen Foucault und Frankfurter Schule tarierenden Koinzidenzen die normative Kraft des Faktischen asyntaktisch konterkarieren  …

Oder Jugendsprache**, etwa so: Ey, du Opfer. Bist du’n Alpha-Kevin, voll die Antikompetenz oder doch mega bambus?  Hier gibt’s Enterbrainment, bei dem auch die Fliegenficker steil gehen. Läuft bei dir, Babo? Kein Stress, Alter. Hakuna Matata

Oder Amtsdeutsch? Zur Erledigung der Durchführung des Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetzes bitte ich um Mitwirkung bei der Inhaltsfeststellung der Bevorratung unter Vorlage der Lebensberechtigungsbescheinigungen der Raufutter verzehrenden Großvieheinheiten

Oder, oder, oder. So viele Deutschs! Alles in allem ist die oft gescholtene Zeitungssprache doch, wenn ich’s recht bedenke, wunderbar verständlich.

Herzliche Grüße

Peter Reinhart

* inspiriert von Veronika Claßen und Armin Reins („Deutsch für Inländer“, S. Fischer Verlag).

** zitiert aus dem Wörterbuch „100 % Jugendsprache 2016“ (Langenscheidt-Verlag).