Von und zu

Post aus Wien, Stadt der Deutschen Kaiserkrone und der Reichsinsignien Österreichs. Als Absender zeichnet Kronprinz Iohann Christian Cäsar Ostar von Babenberg von Habsburg von Hohenstaufen, Seine Kaiserlich-Königliche Hoheit, SKKH Priv. Doz. mult. post Diss. univ. Erbprinz von Deutschland, Prinz von Baden-Württemberg, Prinz von Brandenburg, Herzog und Stadtherr von Berlin, Gens von Paula sive Paul, das Fahnengeschlecht des Deutschen Volkes, Deutsche Staufergesellschaft, Deutscher Ritterbund […]. Er schreibt:

Wir, das echte Haus von Babenberg von Hohenstaufen, haben nach einer zweijährigen intensiven Forschungsperiode der deutschen und österreichischen Bundesregierung fünf Rettungsprojekte für die Menschheit vorgestellt. […] Der Tod der Menschheit wird nach Unseren langjährigen Berechnungen um das Jahr 2040 eintreten […] Weiterlesen

Hoppla!

Die einen beklagen, dass rechtspopulistische Leserbriefe veröffentlicht werden. Die anderen beklagen, dass linkspopulistische Leserbriefe veröffentlicht werden. Die einen fordern, rechtspopulistische Meinungen zu zensieren. Die anderen fordern, linkspopulistische Meinungen zu zensieren. Bloß die jeweils eigenen nicht …

Liebe Leute,

wir sind unter uns, deshalb verrate ich ein Geheimnis: Wir tun das längst, und wenn Sie Weiterlesen

Selfie, Brelfie, Welfie

 „Ja, ja“, sagt das Känguru. „Das Tolle am Internet ist, dass endlich jeder der ganzen Welt seine Meinung mitteilen kann. Das Furchtbare ist, dass auch jeder es tut.“ (Zitat aus dem Bestseller Die Känguru-Chroniken. Ansichten eines vorlauten Beuteltiers von Marc-Uwe Kling)

Liebes Känguru,

was für ein hübscher Aphorismus. Es stimmt: Das Internet verändert alle und alles, und es ist spannend, das zu beobachten. Zum Beispiel das Phänomen der Selfies.

Krethi tut es. Plethi tut es. Der Papst tut es. Der amerikanische Präsident tut es. Affen tun es. Astronauten tun es. Sie strecken den Arm aus und grinsen ins Mobiltelefon. Klick, ein Weiterlesen

Blaubeerpfannkuchen

Dienstag, 2. Juni 2015 18:49:00 (Eil ·····) Fifa-Präsident Blatter tritt zurück – Zürich (dpa) — Joseph Blatter hat seinen Rücktritt als Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa angekündigt. Das gab der 79 Jahre alte Schweizer am Dienstag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Zürich bekannt.

Eine Nachricht, die sich schneller verbreitet, als mancher Blaubeerpfannkuchen sagen kann. Rund um den Globus.

Breaking News. Das Internet spielt verrückt. Eine Stunde nach dem Abgang des Fußball-Paten zählt der Kurznachrichtendienst Twitter eine halbe Million Tweets. Die Netzgemeinde beömmelt sich. Häme, Schadenfreude, Witzelsucht. Der Ex-Politiker Christopher Lauer, sonst ein fixer Bursche, schwächelt: „Schnell irgendwas Lustiges mit Blatter twittern! Schnell!! Scheiße, mir fällt nichts ein! Egal!“

Der Popsänger Tim Bendzko juxt: „Wortspiel des Tages: Herbsteinbruch bei der Fifa. Fifa verliert #blatter“. Huah, ist das lustig.

Um Viertel nach acht: Ein Brennpunkt im Ersten. Sondersendungen überall.

Am nächsten Tag: Alle Blätter machen mit Blatter auf (auch der Volksfreund), bringen Analysen, Hintergründe, Meinungen. Nun ja, einige haben es nicht geschafft. Die Frankfurter Allgemeine weiß in ihren früh gedruckten Ausgaben noch nichts von der Sensation, die Süddeutsche auch nicht.

Gibt es nichts Wichtigeres, fragt Leser Franz K. angesichts des medialen Blatter-Hypes.

Lieber Herr K.,

wann ist eine Nachricht wirklich wichtig? Der alte Nietzsche (1844-1900) sagte: Das lässt sich erst beurteilen, wenn hundert Jahre vergangen sind. Was der Philosoph nicht ahnte: dass ein hysterisches Zeitalter bevorsteht, in dem die Menschheit von allem, was sich ereignet, sofort und unmittelbar erfährt. Blaubeerpfannkuchen.

Rückblende: 21. Oktober 1805, die  Seeschlacht von Trafalgar: Admiral Horatio Nelson besiegt mit der Royal Navy die Armada der Franzosen und Spanier.

Eine Meldung von weltgeschichtlicher Relevanz, wie wir Nachgeborenen wissen. Der Beginn eines Jahrhunderts der britischen Vorherrschaft auf den Weltmeeren. Der Anfang vom Ende Napoleons. Aber eine Breaking News? Nein. Der Gibraltar Chronicle veröffentlicht den Bericht über das Gemetzel am 23. Oktober 1805. Die Besatzung eines Fischerbootes hat die Neuigkeit überbracht. Bis die Siegesbotschaft sich in London herumspricht, dauert es zwei Wochen. König George III. wird am 6. November informiert. Tags darauf druckt die Times die frohe Kunde.

Nix Blaubeerpfannkuchen.

Wir lernen: Tempora mutantur, nos et mutamur in illis. Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart