Jede Jeck is anders!

Eine Auswahl der schönsten Zuschriften zum Forum „Die Unperfekten“, zum Artikel „Der Ungleichheitsguru“ (beides TV vom 3./4. Januar) und ganz allgemein zur Fehlerkultur:

Lieber Herr Reinhart!

Der Tag ist mal wieder gerettet. Und bitte, wem habe ich das zu verdanken? Ihrer Leserin Frau Linden und Ihnen. Hätte Frau Linden sich nicht aufgeregt, wäre mir ein tolles Highlight, nämlich Ihre heutige Antwort im TV, entgangen. Es hat mir wie immer Spaß gemacht, über die – in diesem Fall gewollten – Fehler herzhaft zu lachen. Mein Tag hat dadurch jedenfalls mit absolut positiver Energie begonnen.

Vielen Dank noch einmal und ein frohes neues Jahr,

Karin Keutner, Trier

 

Sehr geehrter Herr Reinhart,

ich selbst bin eigentlich keine Leserin der Leserbriefe, es sei denn, mein Mann weist mich auf einen besonderen hin. Zur Kolumne „Die Unperfekten“ nur eine ganz kleine Bemerkung: Auch wenn man stellvertretender Chefredakteur einer Zeitung ist, sollte man in der Lage sein, mit wenigen Worten sagen zu können: „Ja, es war ein Schreibfehler, wir werden uns bemühen, dass es nicht mehr vorkommt.“ Nicht die Anzahl der Wörter oder die Länge des Textes sind relevant, sondern einfach nur der Inhalt oder seine Aussage.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen!

Klaudia Praum, per E-Mail

 

Hallo Herr Reinhart,

Ihr Forumsbeitrag zu „Die Unperfekten“ hat bei mir, einem eifrigen Leserland-Leser (und manchmal auch -Schreiber) sogleich Wirkung erzeugt. Wie das, werden Sie fragen. So: TV vom selben Tag, Seite vier, Themen des Tages: „Der Ungleichheitsguru. Warum der bekannte Ökonom Thomas Piketty die höchste französische Auszeichnung, die Aufnahme in die Fremdenlegion ablehnt.“ Keine Aufregung, sondern mein vollstes Verständnis, dass so etwas ja passieren kann. In der Tat, niemand ist perfekt!

Mit den besten Wünschen zum neuen Jahr,

Egon Sommer, Tawern

 

Lieber Herr Reinhart,

gratuliere! Ein derart brillanter Fehler gelingt dem gemeinen Redakteur allenfalls einmal in seinem Journalistenleben. Schade, dass es dafür keinen Literaturpreis gibt! Dem Bericht über Thomas Piketty ist zu wünschen, dass er durch die geniale Verwechslung eine sonst kaum vorstellbare Dynamik erfährt und eine Art Kultstatus einnimmt. Oder war das alles nur Taktik und Absicht?

Gestatten Sie mir dennoch, eine solche Steilvorlage anzunehmen und einige nicht ganz ernstzunehmende, aber der Situationskomik geschuldete Anmerkungen loszulassen. Ich sehe den kürzlich verstorbenen Journalisten und Publizisten Peter Scholl-Latour, der im Jahr 2005 wegen seiner besonderen Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft in die Ehrenlegion aufgenommen wurde, sich aus seinem Grabe erheben und mit verbissenem Munde und kaum verständlicher Stimme nuscheln: „Il faut savoir la différence …!“ Ja, man sollte ihn schon kennen, den kleinen Unterschied zwischen Fremdenlegion und Ehrenlegion. Wenn auch ein Motto der Fremdenlegion „Honneur et Fidélité“ lautet, darf man Fremdenlegion und Ehrenlegion nicht zu einer Suppe verrühren. Man könnte sich daran die Zunge verbrennen.

Zumal man von einem Ökonomen, also einem Geisteswissenschaftler, eher geringe soldatische Tugenden erwarten kann. Als Franzose käme für Thomas Piketty grundsätzlich nur die Offizierslaufbahn infrage, da das Unteroffizierskorps und die Mannschaftsdienstgrade den Ausländern vorbehalten bleiben. Daher auch der Name „Fremdenlegion“. Die Ablehnung an sich ist also nachvollziehbar.

Als historische Krönung des Ganzen mit etwas Lokalkolorit drapiert, darf der geneigte Leser noch die Artikelüberschrift „Der Ungleichheitsguru“ einschließlich der vom Herrn Professor gewonnenen Erkenntnis, dass im Kapitalismus die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, im Vergleich zu der Erkenntnis von einem in Trier geborenen und aufgewachsenen Philosophen und Nationalökonomen, wenn ich mich recht erinnere, war sein Name Karl Marx, heranziehen. War das nicht sinngemäß das Gleiche? Allzu sehr sollten sich die Franzosen über die Verweigerungshaltung ihres Professors aber nicht grämen, wer solche Frauenversteher wie Sarkozy und Hollande als Präsident vorweisen kann, der braucht keinen Ökonomen in der Fremdenlegion.

Peter Joachim Barg, Bitburg

 

Sehr geehrter Herr Reinhart,

erst mal wünsche ich Ihnen ein gutes neues Jahr. Sodann kann ich Ihnen mitteilen, dass die Lektüre des TV vom 3./4. Januar mich zweimal sehr amüsiert hat. Das erste Mal auf Seite vier, wo der „Ungleichheitsguru“ Thomas Piketty die Auszeichnung seiner „Aufnahme in die Fremdenlegion“ ablehnt (würde sich gut im „Hohlspiegel“ machen); im Text ist ja dann richtigerweise die Rede von der Aufnahme in die Ehrenlegion. Das zweite Amüsement bereitete mir der TV auf Seite 25, wo Frau Reuther den Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein als Überarbeiter des Köchelverzeichnisses aufführt. Natürlich liegt die Verwechslung mit dem Musikwissenschaftler und -kritiker Alfred Einstein (1880-1952) nahe, der im Zuge der Nachforschungen zur dritten Auflage des Köchelverzeichnisses auch das Buch „Mozart, sein Charakter, sein Werk“ (1945) verfasste, nachzulesen in Wikipedia. Aber es gab im TV ja auch schon mal einen Friedrich Mendelssohn-Bartholdy …

Raimund Scholzen, Trier

 

Über die Feiertage war ich im heimischen Saarburg und habe mich am 3. Januar über die Headline amüsiert, in der ein verdienter Mensch die Ehre abgelehnt hat, Ehrenmitglied der Fremdenlegion zu werden. Im Artikel wurde dann klar, dass eine Auszeichnung als Mitglied der Ehrenlegion ausgeschlagen worden war! Da hatte die Redaktion wohl ein wenig gefeiert? Wer sich diesen Schaden erlaubt, braucht für den Spott nicht sorgen!

Freundliche Grüße,

Cornelia Koltes, Rastede

 

Leser fragen, die Chefredaktion antwortet! Und wie! Leser üben Kritik, Peter Reinhart watscht aus sicherer Entfernung ab – in altgewohnter Manier: süffisant, überheblich, jovial und arrogant.

Die „Unperfekten“ des TV haben in ihm einen potenten (wenn auch nicht patenten) Anwalt.

Als Vize-Chefredakteur mit eigener Kolumne sollte man Besseres zu tun haben, als immer wieder wortreich und seitenfüllend Kritik mit Spott und Häme zu überziehen. Was bleibt – und worauf es zum Beispiel auch der Leserin, die Sie auf einen amüsanten Druckfehler (Champion statt Champignon) hingewiesen hat, sicherlich ankam, das ist die Oberflächlichkeit, der man in Ihrem Blatt zu oft begegnet und die nun einmal nicht nur mit verzeihlichen Druckfehlern zu tun hat.

Zwei Beispiele nur:

 In der Ausgabe vom 3./4. Januar kann man auf Seite vier Folgendes lesen: „Der Ungleichheitsguru. Warum der bekannte Ökonom Thomas Piketty die höchste französische Auszeichnung, die Aufnahme in die Fremdenlegion, ablehnt.“

Vor drei Jahren habe ich es einmal gewagt, darauf hinzuweisen, dass man gelegentlich achtsamer mit der Fotoauswahl sein sollte. Einem ominösen Artikel (Reporter David Zapp) über den Mont Royal mit dem Titel „Festung soll Weltkulturerbe werden“ (TV vom 20. Januar 2012) hatte man das Foto der Überreste einer Flakstellung aus dem Zweiten Weltkrieg beigegeben.

Mein Hinweis führte nicht etwa zu einer eleganten Korrektur; er wurde erst einmal ignoriert. Viel später erhielt ich schriftlich die Stellungnahme, man könne, was die Kritik an der Bebilderung betreffe, meine Auffassung nicht teilen! Peinlich oberflächlich und kritik- beziehungsweise beratungsresistent – kein gutes Zeichen für eine Redaktion!

Retourkutschenartige Einlassungen eines Kolumnenschreibers, der zum Beispiel die Kritik an einer Häufung von (harmlosen und teils auch lustigen) Druckfehlern nicht einfach einmal stillschweigend hinnehmen will und stattdessen gewollt geistreich reagiert, wirken einfach nur deplatziert.

Ich darf wohl annehmen, dass die erfolgte Verwechslung von Ehrenlegion und Fremdenlegion oder die Verwechslung von Flakstellung und Vaubanfestung auch für Sie ein Hinweis dafür sein kann, insgesamt sorgfältiger zu arbeiten und vor allem, wenn man Sie freundlich auf Fehler hinweist, diese zu korrigieren und nicht gleich mit der Selbstverteidigungskeule draufzuschlagen, wie das in Ihrer Kolumne beim Anflug der geringsten Kritik an Ihrer journalistischen Tätigkeit nicht selten geschieht.

Lutz Reichardt, Traben-Trarbach

 

Sehr geehrter Herr Reinhart!

Das hätte sich Napoleon Bonaparte im Jahr 1802 nicht träumen lassen, dass so ein arroganter Ökonom wie dieser Thomas Piketty sich der Ehre widersetzt und partout nicht in die Fremdenlegion will, wo das doch der Ort in Frankreich ist, wo sich alle Geistesgrößen dieses Landes so nach und nach versammelten.

Ein Gutes hat diese Weigerung: So kommt auch noch Jahrzehnte später und nach ihrem Tode ans Licht, wo sich Frankreichs Eliten schon in der Vergangenheit so herumgetrieben haben, nämlich in der Fremdenlegion! Die höchste Auszeichnung heißt dann hier auch wohl Kreuz der Fremdenlegion, oder was?

Wäre es nicht so blamabel, es wäre die Lachnummer im Januar 2015, die sich der Volksfreund da geleistet hat. Ausgerechnet an dem Tag, an dem Sie groß und breit und sehr ausführlich der im Hause Ihrer Zeitung herrschenden Legasthenie die General-Absolution erteilten, kreuzt doch glatt die Fremdenlegion die Gedankengänge der Leser.

Man darf nun gespannt sein, ob Sie meinen Kommentar zur Sache veröffentlichen und endlich denen die verdiente Standpauke halten, die beim Lesen beziehungsweise Überlesen das Blatt als Lachnummer durchgehen lassen. Da es weit und breit die einzige Zeitung ist, in der auch Lokales ausführlich zur Sprache kommt, bleibt dem Leser nichts anderes übrig, als sich allmorgendlich auf Kurioses einzustellen. Ich hatte schon einmal angeregt, die Schnitzer zu sammeln und einmal im Monat eine Großkorrektur zu veröffentlichen. Ich wünsche Ihnen bei der Suche nach einer erneuten Entschuldigung eine sichere Hand.

Freundliche Grüße!

Alfred Schilz, Trier

 

Sehr geehrter Herr Reinhart,

geradezu köstlich, Ihre Replik auf die Oberlehrer-Attitüden der Frau Linden. Chapeau! Das hat mir allerdings schmerzhaft vor Augen geführt, dass ich vor ein paar Jahren selbst einmal der Versuchung erlegen bin und Sie „kitzeln“ wollte. Über mein damaliges Motiv bin ich mir heute nicht mehr im Klaren. Wollte ich mal meinen Namen in der Zeitung sehen? Wohl nein, weil ich nie auf die Idee gekommen wäre, dass Sie so nett öffentlich zurückschießen. Wollte ich auf mangelndes Korrekturlesen aufmerksam machen? Vielleicht. Wie auch immer: Heute komme ich mir wegen damals saublöd vor. Ich bitte also, nun älter und gelassener geworden, um Vergebung fürs Kitzeln. Es kommt nicht mehr vor. Schließlich gibt’s genug Lindens.

Freundliche Grüße

*** (Name d. Red. bekannt)

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vielen Dank für die Zuschriften. Verblüffend, wie Texte wirken, finden Sie nicht? Die einen lachen, die anderen weinen. Die einen verstehen, die anderen … ach, was soll’s. Sagste was, ist es falsch, sagste nix, ist es auch falsch. C’est la vie.

Oder, wie es im „Rheinischen Jrundjesetz“ heißt, zusammengetragen vom Kabarettisten Konrad Beikircher (Auszüge):

Et es wie et es. (Sieh den Tatsachen ins Auge, du kannst eh nichts ändern.)

Et kütt wie et kütt. (Füge dich in das Unabwendbare; du kannst ohnehin nichts am Lauf der Dinge ändern.)

Wat wells de maache? (Füg dich in dein Schicksal.)

Do laachs de disch kapott. (Bewahr dir eine gesunde Einstellung zum Humor.)

Jede Jeck is anders! (Übe Toleranz und Nachsicht dem anderen gegenüber, im Wissen um die eigene Unvollkommenheit.)

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

2 Gedanken zu „Jede Jeck is anders!

  1. Lieber Herr Reinhart,

    was die Druckfehler angeht, haben Sie meine volle Zustimmung, Es werden immer welche auftreten und der Spott für den, den dem sie unterlaufen sind, ist gewiss und damit sollte es auch genug sein.. Dort allerdings, wo definitiv falsche Informationen vermittelt werden -siehe etwa die letzte „Musikgeschichte(n)- , sollte man dies auch korrigieren.
    Auf „Wat wells de mache?“ gibt es natürlich auch eine rheinische Antwort: „Arsch huh, Zäng ussenander.“

    Herzliche Grüße
    kultphil

  2. Druckfehler! :) „…den,den dem…“ Es muss natürlich heißen „den,dem…“

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