Versuch und Irrtum reloaded

Wilfried Schnatmeyer, Schatzmeister der Deutschen Gesellschaft für Baukybernetik aus Graach an der Mosel, meint:

Sehr geehrter Herr Reinhart,

Ihre Antwort bei „Versuch und Irrtum“ im Leserforum macht mich stutzig. Sie wollen also dem Leser Ihrer Zeitung vorschreiben, wie er Ungereimtheiten im TV zu verstehen hat! Bilder sind zwar ganz schön, sie erinnern mich aber an eine große Groschen-Zeitung. Es ist auch anzumerken, wenn Sie Text aus der Rhein-Zeitung übernehmen, den ganzen Text zu übernehmen und nicht Absätze wegzulassen, weil wegen der Bildchen kein Platz mehr ist!

Weiter muss ich bemängeln, dass kritische Leserbriefe, die Ihnen nicht gefallen, nicht gebracht werden. Anstatt die Reklamationen zu akzeptieren, müssen Sie Ihren Leser Walter Ferner auch noch kritisieren und ihn als flüchtigen Leser hinstellen. Glauben Sie, Herr Reinhart, Sie hätten damit was Gutes getan?

Lieber Herr Schnatmeyer,

vielen Dank. Als ich Ihre Zuschrift las, dachte ich spontan, dass mein Versuch über „Versuch und Irrtum“ ein Irrtum war. Der Irrtum, dass es möglich sei, anhand einfacher Beispiele zu erklären, dass jeder Versuch, das Beste aus einer Geschichte herauszuholen, auch in einem Irrtum enden kann. Anders gesagt: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Ich habe kein Problem damit, Irrtümer zuzugeben (siehe die bewusste Kolumne:  http://forum.blog.volksfreund.de/2014/10/24/versuch-und-irrtum/). Aber was Sie behaupten, finde ich in dem Text partout nicht wieder – weil es nicht drin steht. Rollen wir den Fall also noch einmal auf. Versuch und Irrtum reloaded, wie das auf Neudeutsch heißt. Vielleicht gelingt es ja doch, einige Irrtümer auszuräumen.

Schreibe ich Lesern vor, wie sie Ungereimtheiten zu verstehen haben? Tut mir leid, wenn Sie das so empfinden. Ich nehme Kritik ernst, recherchiere und erkunde, warum die Dinge sind, wie sie sind (in den Medien wie im richtigen Leben), biete Erklärungen an. Wohlgemerkt: Ich biete an – und schreibe niemandem etwas vor.

Unterdrücke ich Leserbriefe, die mir nicht gefallen? Dieser Zensurvorwurf ist, pardon: absurd. Wäre es so, wie Sie unterstellen, fänden im Umkehrschluss alle abgedruckten Zuschriften (pro Jahr um die tausend) meine Zustimmung. Psst, ich verrate jetzt ein Geheimnis: Ich teile nicht jede Lesermeinung, die ich ins Blatt hebe. Das ist allerdings völlig unerheblich.

Mein Anliegen: dass in dieser Zeitung jeder seine Meinung sagen darf! Und dafür sorge ich. Als Schiedsrichter, als Unparteiischer, als Moderator, der das Spiel laufen lässt und nur bei Regelverstößen eingreift. Psst, ich verrate noch ein Geheimnis: Privat mag ich Texte von Autoren, die elegant mit der Sprache dribbeln und raffiniert argumentieren, und nicht so gern solche, die auf Kreisklassenniveau bolzen – aber das ist Geschmackssache und kein Kriterium, ob ein Leserbrief publiziert wird oder nicht.

Werden Artikel gekürzt, um Platz „für Bildchen“ zu schaffen?Nein. Ein Beispiel: Wir tauschen Texte und Fotos mit den Kollegen in Koblenz, Saarbrücken, Luxemburg, Köln, Düsseldorf und anderswo aus. Jede Redaktion entscheidet, was sie damit anfängt und wie sie das Material für ihre Leser aufbereitet. Den einen ist Thema A wichtig, den anderen Thema B. Entsprechend fallen Größe, Platzierung, Aufmachung aus. Beim Volksfreund ist Thema A womöglich auf Seite eins untergebracht, Thema B im Innenteil. Bei der Rhein-Zeitung, der Saarbrücker Zeitung, dem Luxemburger Tageblatt, der Kölnischen Rundschau, der Rheinischen Post vielleicht umgekehrt. Oder gar nicht. Oder ganz anders. Unsere Medien sind, zum Glück, nicht gleichgeschaltet.

P.S.: Jeder Zeitungsleser ist zunächst ein flüchtiger Leser.  Beim Blättern bleibt das Auge an einem Foto hängen, an einer Überschrift, an einer Anzeige. Wird unser Interesse geweckt, lesen wir weiter, womöglich nicht mehr flüchtig, sondern intensiv. Und stoßen manchmal auf Ungereimtheiten. Quod erat demonstrandum …

 

Kurt Weiser aus Herforst schreibt zum selben Thema:

Sehr geehrter Herr Reinhart,

wenn Sie die Bilderflut im TV verteidigen, denken Sie bitte auch an die Bezieher des Volksfreunds, die immer noch lieber lesen statt Bildchen zu gucken – es gibt noch einige. Für diese – ich bekenne mich dazu – sind die Seiten mit den Bildern nur ein Mittel, den morgendlichen Genuss des Volksfreunds zu verkürzen.

Lieber Herr Weiser,

ich fürchte, hier liegt ein Missverständnis vor. Die sporadisch in den Lokalteilen veröffentlichten „Nachrichten im Bild“ sind eine Ergänzung, ein Zusatzangebot.  Nichts von Bedeutung geht verloren. Starke Geschichten: im Umfang nach wie vor stark. Weniger starke Geschichten, die anderen den Platz „wegnehmen“: fallen etwas knapper aus. Das habe ich neulich vorgerechnet. Acht bis zehn „Nachrichten im Bild“ liefern mehr Information über das Geschehen in den Gemeinden, in den Vereinen, im Ehrenamt als drei längliche Texte auf demselben Raum.

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart