Hechel, hechel

Hermann Hein aus Daun schreibt: Jeden Tag lese ich bei einem Ihrer Artikel „Der Volksfreund berichtete“ oder „Der Volksfreund berichtete mehrfach“. Warum machen Sie das? Ist das Selbstbeweihräucherung? Oder soll der geneigte Leser seine Erinnerungen durchforsten, wann und wo der TV berichtet hat?

Wenn Sie es denn auch zukünftig nicht lassen können, den Leser auf eine vorangegangene Berichterstattung hinzuweisen, dann bitte mit Tag und Datum und eventuell auch der Seitenzahl.

Lieber Herr Hein,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Gute Frage: Was soll das, dieser ständige Hinweis auf frühere Berichterstattung, diese Beschwörungsformel? Nervt doch. Ist sinnlos. Überfordert die Leser. Und der Verdacht der Selbstbeweihräucherung oder, sagen wir sachlich: des Marketings, ist ja wohl nicht von der Hand zu weisen. Warum also?

Der Volksfreund berichtete – das signalisiert: Liebe Leser, jetzt folgt das nächste Kapitel einer Geschichte, an der wir schon seit einiger Zeit schreiben. Wir erzählen, wie es weitergeht, wir bleiben dran, wir greifen aktuelle Entwicklungen auf. Im Idealfall ergänzt um das Datum des vorigen Artikels.

Wenn es sich um eine Enthüllungsstory wie die Nürburgring-Affäre handelt, ist das schwierig, weil womöglich Dutzende von Verweisen aufzulisten wären. Wie Fußnoten in einer Doktorarbeit. Stört den Lesefluss.

Der Volksfreund berichtete – das signalisiert auch: Liebe Leser, diese Neuigkeiten haben  wir für Sie recherchiert, das ist „unser“ Thema. Vielleicht haben Sie im Radio davon gehört, vielleicht im Fernsehen einen Beitrag darüber gesehen.

Und damit Sie nicht denken: Guten Morgen, Volksfreund, auch schon wach … zeigt die Redaktion an: Wir haben uns damit beschäftigt, bevor andere aufgesprungen sind.

Der Volksfreund berichtete – das signalisiert zudem: Liebe Leser, diese Zeitung ist ihr Geld wert. Viele Informationen, die wir liefern, sind exklusiv. Auf diese Leistung ist die Redaktion stolz. Werbung in eigener Sache, das machen alle Medien so, die einen lauter, die anderen leiser.

Ist es deswegen eine journalistische Glanztat? Nicht unbedingt. Eher ein Merkmal unserer Zeit, in der alle auf allen Kanälen nach Aufmerksamkeit gieren. Eil! Eil! Eil! Wichtig! Wichtig! Wichtig! Breaking News!

Die Hatz nach Nachrichten: Jeder will der Erste sein, jeder will die heißeste Neuigkeit, jeder will die Meinungsführerschaft. Dabei kommt es bisweilen zu bizarren Übertreibungen.

Ein Betreuer der englischen Fußballnationalmannschaft verrenkte sich dieser Tage während eines WM-Spiels das Sprunggelenk, im Fernsehen war zu beobachten, wie sich Helfer um den Mann kümmerten und ihn auf einer Trage abtransportierten – dieweil „das Netz“ bereits seinen Tod beweinte, samt Eintrag des Ablebens in Wikipedia (Wiederauferstehung: nach fünf Minuten). Hyper, hyper. Hechel, hechel.

Ja, ja, das Netz, ist klar. Aber die klassischen, die „seriösen“ Medien passen besser auf, oder? Stimmt, meistens. Und doch ploppt das hitzig-schwitzige Ich-weiß-was-Phänomen immer häufiger auf, und niemand ist davor gefeit, in die Falle zu tappen. Ein Auszug aus dem Spiegel mag das verdeutlichen, nachzulesen in der Rubrik „Rückspiegel“ vom 7. Juni:

Der Spiegel berichtete …

… in Heft 4/2014 „Keiner wird gewinnen“ über die Affäre um das vom Geheimdienst ausgespähte Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel. In dem Artikel vom 20. Januar 2014 hieß es: Generalbundesanwalt Harald Range sehe Gründe dafür, Ermittlungen einzuleiten.

Am 27. Mai 2014 meldete die ARD-Tagesschau: „Der Lauschangriff des US-Geheimdienstes NSA auf das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibt offenbar strafrechtlich ohne Folgen. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung wird Generalbundesanwalt Range keine Ermittlungen in dieser Sache aufnehmen.“

Am 2. Juni 2014 schrieb der Spiegel: „Entgegen jüngsten Berichten: Der Generalbundesanwalt tendiert zu Ermittlungen wegen der Ausspähung von Angela Merkels Handy.“

Am 3. Juni 2014 berichtete die Tagesschau: „Generalbundesanwalt Range hat nach Informationen von NDW, WDR und Süddeutscher Zeitung Ermittlungen zu den Spähaktionen des US-Geheimdienstes NSA eingeleitet. Dabei gehe es um das abgehörte Handy von Bundeskanzlerin Merkel.“

Herzliche Grüße!

Peter Reinhart

Ein Gedanke zu „Hechel, hechel

  1. Zu der Kritik des Herrn Hein an den rückwärtigen Hinweisen des TV auf bisherige Artikel in einer Sache meine ich, dass dies sehr wohl angebracht ist -und nicht nur aus PR-Gründen- . Meine Begründung: Leider ist unsere Gesellschaft -gewollt oder zeitgeschädigt- sehr vergesslich. Und dies nutzten viele Leute,Gruppen, Politiker etc. systematisch aus, um die Kritik an einem Missstand, einer Untat -egal welcher Art- etc. einfach auszusitzen und später weiter zu machen, wie bisher.
    Selbst im ÖR-Ferns. hat man -leider nur teilweise- die kritischen Sendungen/Berichte ergänzt mit einem späteren Bericht „Nachgefasst“ .
    Sehr erfolgreich übrigens.
    Wünschen würde ich mir jedoch im TV-Trier, dass man dort mehr die Missstände
    in Trier und Umgebung anprangert -NACHHALTIG- . zB. Verkehr/Staus,ewige unnötig lange 1/2Tags-Arbeit- Baustellen (von eff.9.oo h bis 16.ooh),
    unsaubere -ja verdreckte- Stadt-Randbezirke (zB.Trier-Süd)
    Moselufer -zB.zwischen der Konr.Aden. und Römerbrücke (Hochwasser-anschwemmungen/Unrat bleiben einfach liegen bis sie überwachsen sind) , Überbordende Verwaltung -trotz wachsendem Schuldenberg der Stadt-
    Dazu wäre eine „Tages-Spalte“ :Nachgefasst / Erinnerung – was ist geschehen ? am besten mit Bild und Datum … damals , … jetzt sehr geeignet.
    Mal sehen, ob meine Anregung fruchtet –

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